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  27.10.2009, 21:37    

Onlineplattform: Linkedin verschmäht Xing

Das amerikanische Online-Business-Netzwerk Linkedin hat Gerüchten widersprochen, am deutschen Pendant Xing interessiert zu sein. "Wir wissen nicht, wo dieses Gerücht herkommt", sagte Linkedin-Mitgründer Konstantin Guericke der FTD. von Andrea Rungg, Frankfurt
Linkedin ist mit mehr als 50 Millionen Nutzern das weltweit größte berufliche Netzwerk. "Es gibt keinen Präzedenzfall dafür, dass ein Netzwerk durch Übernahmen gewinnt", sagte Guericke weiter. Linkedin wolle in Deutschland aus sich selbst heraus wachsen. Bei Linkedin und Xing können Nutzer ihre Berufsprofile onlinestellen und Geschäftskontakte knüpfen.
Anleger spekulieren seit Wochen über eine mögliche Übernahme Xings durch Linkedin. Der Aktienkurs von Xing  ist seit Mitte August um 31 Prozent auf 36,50 Euro gestiegen. Hintergrund der Kursrally sind Gerüchte um einen Ausstieg von Firmengründer und Aufsichtsratsmitglied Lars Hinrichs . Der einflussreiche Blog Techcrunch hatte Anfang September gemeldet, dass prominente Xing-Aktionäre über einen Verkauf ihrer Aktienpakete nachdenken. Hinrichs hält über seine Beteiligungsgesellschaft LH Cinco Capital 27,7 Prozent an Xing.
Linkedin hat erst seit Februar eine deutschsprachige Seite und konnte seither rund 850.000 Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz gewinnen. Bis Ende des Jahres soll die Millionengrenze überschritten werden. Xing hingegen zählte zuletzt 3,5 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum und ist damit eindeutig führend. Doch Guericke glaubt an eine Wende und den Facebook-Effekt. "Anfangs sah Facebook auch gegen StudiVZ chancenlos aus, und jetzt hat Facebook sogar mehr Nutzer", gibt sich der 42-Jährige optimistisch. Im kommenden Jahr will er monatlich mehr neue Mitglieder gewinnen als Wettbewerber Xing.
Größtes Lockmittel ist Guericke zufolge das Gratisangebot von Linkedin und die internationale Reichweite. "Die Basismitgliedschaft deckt bei uns alles ab, was der Nutzer braucht", wirbt der Gründer. Guericke wird nicht müde zu betonen, dass Linkedin anders als Xing die Gratis-Kultur vertritt. Das sei eben in den USA so. Zwar bietet Linkedin auch eine Premiummitgliedschaft an, allerdings sei diese eher für Unternehmen oder Headhunter sinnvoll. Vor zwei Tagen hat auch Xing eine teurere Recruiter-Mitgliedschaft eingeführt. Xing zufolge suchen rund 90.000 Personaler auf der eigenen Website nach potenziellen Mitarbeitern. Bei Linkedin sollen rund 500.000 Headhunter suchen.
Während Xing derzeit vor allem über Premiummitgliedschaften Geld einnimmt, steht die Finanzierung über Werbung noch relativ am Anfang. Linkedin hat seine Finanzierung auf drei Säulen gestellt: Werbung, Premiummitgliedschaften und über das Angebot einer Servicesoftware, die es Personalern vereinfachen soll, Mitarbeiter zu finden. Insgesamt sollen so rund 100 Mio. $ Umsatz zusammenkommen. Ein Ergebnis gibt Linkedin nicht preis, allerdings arbeite man seit drei Jahren profitabel.
Guericke hatte Linkedin vor drei Jahren verlassen. Erst auf Bitten seines Gründerpartners und Vorstandschef Reid Hoffmann ist er wieder an Bord des Startups. Er ist vor allem Berater und soll das Geschäft hierzulande voranbringen. Im Silicon Valley ist der Stanford-Absolvent einer der wenigen Deutschen, der sich durchgesetzt hat. Gemeinsam mit Hoffmann und drei weiteren Partnern startete er 2003 Linkedin und brachte es 2003 ans Netz. Für das kommende Jahr hat sich das Unternehmen viel vorgenommen. "Ich gehe davon aus, dass wir Ende nächsten Jahres mehr als 100 Millionen Nutzer haben", kalkuliert Guericke.
18:44:11 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Xing 27,59 EUR   +0,64%  0.175
  • Aus der FTD vom 28.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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