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Merken   Drucken   30.03.2009, 10:36 Schriftgröße: AAA

Onlineportfolio: Holtzbrinck testet Webmusikdienst  

Der Verlag startet einen eigenen Musikdienst. Steereo.de heißt das Projekt, das Konkurrenten wie Last.fm, Roccatune.com oder Myspace Music die Stirn bieten soll. Das passt zur Onlinestrategie des Chefs. von Arndt Oler (Hamburg)
Das junge Unternehmen steckt bereits in der Endphase der Verhandlungen mit den vier führenden Musikkonzernen wie Sony Music Entertainment oder Warner Music Group, die einen großen Teil der Inhalte liefern sollen. In Kürze soll die Testphase starten. "Die geschlossene Betaphase soll in der zweiten Aprilhälfte starten", bestätigte Alexander Kolisch, Chef der Holtzbrinck-Tochter Grassroot Media, FTD-Informationen. Grassroot betreibt Steereo.de.
Vergangene Woche erst hatte der Verleger Stefan von Holtzbrinck die wichtigsten Printtitel des Verlags wie "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" an seinen älteren Bruder Dieter von Holtzbrinck verkauft. Stärker als je zuvor stützt sich Stefan von Holtzbrinck künftig auf Internetgeschäfte wie die Kontaktbörse Parship, das Spieleportal Gameduell oder die sozialen Netzwerke der VZ-Gruppe. Im vergangenen Jahr hatte Holtzbrinck damit 250 Mio. Euro Umsatz gemacht.
Mit Steereo.de startet das Stuttgarter Unternehmen nun eines der wohl ehrgeizigsten Projekte. Nutzer von Steereo.de können künftig über ihre Webbrowser kostenlos Musik anhören - ein sogenannter Stream. Dieser Dienst soll durch Werbung finanziert werden. Zudem können Nutzer gegen eine Gebühr von monatlich unter 10 Euro die Musik in einer besseren Qualität sowie ohne Werbung anhören. Lieder, die sich gegen Bezahlung herunterladen lassen, sind bislang nicht geplant.
Steereo.de tritt dabei gegen eine harte Konkurrenz an. Neben der Deutsche-Telekom-Tochter Musicload bieten zahlreiche Internetunternehmen wie Last.fm, Spotify oder Lala.com ähnliche Dienste an. "Das ganz Modell gewinnt an Relevanz", sagte Kolisch.
Angesichts des engen Markts wird konzernintern über eine Kooperation zwischen Holtzbrinck-Portalen wie StudiVZ und Steereo.de diskutiert. Die 13 Millionen Mitglieder der VZ-Gruppe seien die passende Zielgruppe. "Es gibt Dinge, die laufen in sozialen Netzwerken gut - dazu gehört auch Musik", so ein Holtzbrinck-Manager.
Vorbild dürfte dabei Myspace sein. Das Webnetzwerk hat Ende September 2008 ein eigenes Musikangebot gestartet. Myspace Music bietet unter anderem auch einen werbefinanzierten Musikstream. Das US-Portal will seinen Musikdienst in den kommenden Monaten auch in Deutschland einführen.
In Holtzbrincks Onlineportfolio könnte Steereo.de als eine Art Kundenbindungsprogramm dienen. So hat der StudiVZ-Konkurrent Facebook bislang kein Musikangebot. In der Vergangenheit hatte es bereits mehrere Male Kooperationen zwischen verschiedenen Holtzbrinck-Webtöchtern gegeben. Beschlossen sei noch nichts, heißt es bei Holtzbrinck. "Wie jedes neue Model am Markt muss natürlich auch Steereo.de alleine funktionieren", sagte Kolisch.
  • Aus der FTD vom 30.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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