Der Holtzbrinck Verlag wechselt nach nur einem halben Jahr den Chef der Beteiligungstochter Holtzbrinck Digital aus. Johann Butting, der den Posten Mitte Oktober übernommen hatte, betreut seit Anfang Mai für Holtzbrinck ein Entwicklungsprojekt in den USA. Butting bleibt aber Mitglied der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.
Sein Nachfolger bei Holtzbrinck Digital, Markus Schunk, zugleich Prokurist der Verlagsgruppe, deutete im Gespräch mit der FTD weitere Umbauten im Digitalgeschäft an. Sogar einen Verkauf der Onlinenetzwerke um StudiVZ schloss er nicht mehr aus. Die in Deutschland einst marktführenden Netzwerke rund um StudiVZ, die Holtzbrinck 2007 für kolportierte 85 Mio. Euro gekauft hatte, verlieren beständig Mitglieder.
Holtzbrinck steckt in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess. Der Konzern macht zwar nach wie vor den Großteil des Umsatzes im klassischen Geschäft, etwa mit den Buchverlagen Rowohlt oder Macmillan, im Bereich Bildung und Wissenschaft (Nature Publishing Group, "Spektrum der Wissenschaft") und mit Printtiteln wie der "Lausitzer Rundschau" oder der "Zeit", die der Verlagsgruppe zur Hälfte gehört. Auf den deutschen Markt entfallen nur 45 Prozent des Konzernumsatzes.
In den vergangenen Jahren hat Konzernchef Stefan von Holtzbrinck das Onlinegeschäft stark ausgebaut. Holtzbrinck Digital steuerte zuletzt etwa neun Prozent zum Gesamtumsatz von 2,3 Mrd. Euro bei. Viel Geld verdient Holtzbrink dabei mit reinen Finanzbeteiligungen: So hat der Konzern in jüngerer Zeit etwa seinen Minderheitsanteil am Rabattnetzwerk Citydeal an den US-Rivalen Groupon verkauft und die Beteiligung an der Shoppingplattform Brands 4 Friends an Ebay veräußert. Die Erlöse aus solchen Deals liegen weit im dreistelligen Millionenbereich.
Teil 2: Handwerker statt Studenten