Fünf lange Monate hat
Steve Ballmer nach einem Retter gefahndet. Fündig wurde der Chef des weltgrößten Softwarekonzerns schließlich bei
Yahoo . Mit Qi Lu soll ausgerechnet ein Manager des kriselnden Webportals dem Konzern aus Redmond auf die Sprünge helfen. Es gebe keinen, der besser qualifiziert sei, um "Suche und Onlinewerbung neu zu erfinden", lobte Ballmer den Computerwissenschaftler in einer Mail an Microsoft-Mitarbeiter. Lu startet Anfang 2009.
Um im Geschäft mit Onlinewerbung endlich entscheidend voranzukommen, hat
Microsoft Erfindergeist bitter nötig. In den vergangenen Jahren hat der Konzern Milliarden in seine Internetsparte gepumpt, die von der Websuche über E-Mail bis hin zu Onlinewerbung reicht. Bislang ohne Erfolg: Die Sparte erwirtschaftet stetig Verlust, der Umsatz steigt nicht nennenswert. Dabei gilt die Branche als wachstumsstark und lukrativ. Besorgt beobachtet Microsoft, wie Konkurrent Google seit Jahren davonzieht. "Tatsache ist, dass wir nicht da sind, wo wir in diesem Geschäft sein wollen - und wir sind in dieser Position bereits länger, als wir es wollten", konstatierte Microsoft-Manager Kevin Johnson schon vor Monaten. Für sich selbst hat er das Problem gelöst: Johnson wechselte im vergangenen Sommer an die Spitze von Juniper Networks. Für Microsoft muss nun sein Nachfolger Lu eine Lösung entwickeln.
Der Softwarekonzern ist dringend auf Erfolge in seiner Websparte angewiesen. Das traditionelle Geschäft mit Betriebssystemen und Office-Anwendungen verspricht, verglichen mit Online-Angeboten, langfristig nur noch geringeres Wachstum. Zudem verschiebt sich die Nachfrage allmählich weg von Microsofts Kerngeschäft mit auf Computern gespeicherten Programmen hin zu online verfügbarer Software und Diensten.
Eine der wichtigsten Aufgaben von Lu ist es, die relativ wenig genutzte Websuche von Microsoft populärer zu machen. Bislang hält der Softwarekonzern weltweit lediglich einen Anteil von knapp zehn Prozent bei Anfragen auf Suchwebsites. Marktführer mit über 60 Prozent ist Google, Yahoo kommt auf etwas unter 18 Prozent. Je weniger Menschen sich auf einer Website aufhalten, desto weniger attraktiv sind die Angebote für werbetreibende Unternehmen.