Für die einen ist Web 2.0 Heilsversprechen, für die anderen Schreckgespenst: Während Internet-Gurus und Nutzer die neuen, selbst erstellten Inhalte als Revolution feiern, reagieren Verlage und Werbewirtschaft nervös. Die FTD beschreibt das Phänomen und seine Auswirkungen.
Bei einem Preis von je 30 Euro für die insgesamt gut 2,5 Millionen Papiere ergebe sich ein Netto-Emissionsvolumen von 35,7 Mio. Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Rund die Hälfte des Erlöses fließt in die Firmenkasse und soll in den Ausbau des Geschäfts gesteckt werden.
Nach voller Ausübung der Mehrzuteilungsoption beträgt der Streubesitz nach der Emission, die von Lehman Brothers und der Deutschen Bank begleitet wird, etwa 48 Prozent. Mit dem Ausgabepreis bleibt OpenBC am unteren Ende der Angebotsspanne, die bei 30 bis 38 Euro gelegen hatte. Am Donnerstag wurde das Papier erstmals im Prime Standard gehandelt. Im abgelaufenen Quartal schrieb das Unternehmen bei einem Umsatz von 2,7 Mio. Euro erstmals schwarze Zahlen.
Der Betreiber der Internet-Kontaktbörse, die seit kurzem unter der Marke Xing firmiert, finanziert sich über Mitgliedsbeiträge. Doch genau das ist das Problem: Bislang haben sich gerade einmal 13 Prozent der User für ein so genanntes Premium-Abo entschlossen, dessen größter Vorteil darin besteht, andere Mitglieder aktiv zu kontaktieren. Diese Funktion kostet 5,95 Euro pro Monat – offensichtlich zuviel für einen Großteil der OpenBC-User.
OpenBC ist ein typischer Vertreter der Web 2.0-Generation. Web 2.0 beruht im Wesentlichen darauf, dass der User selbst Inhalte gestaltet und das Internet, das er vorher staunend als Schaukasten betrachtete, in einen Baukasten verwandelt. Waren die meisten Homepages zuerst noch als statische HTML-Seiten angelegt, wurden die Mitmachmöglichkeiten durch technische Verbesserungen und schnellere Datenübertragungen erleichtert.
Die bekanntesten Sites der neuen Generation sind die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia, außerdem Youtube, das inzwischen von Google für 1,6 Mrd. $ übernommen wurde, und Flickr. Youtube dient als Plattform für Privatvideos, die zum Up- und Download bereitstehen, Flickr ist das Pendant für den Austausch von Fotos. Web 2.0 kennzeichnet sich also vor allem durch Datenspeicher im Internet, Weblogs privater User und gegenseitiger Vernetzung.
OpenBC lebt von der nicht ganz neuen Idee, dass sich weltweit jeder über sechs Ecken kennt. Das Internetportal hilft dabei, schnelle Kontakte zu knüpfen, aber auch, verloren gegangene Freunde oder Arbeitskollegen aus alten Tagen wieder zu finden.
Doch mit der Idee steht das Unternehmen nicht allein: Die weltweit größte Netzwerk-Plattform Linkedin streckt seine Fühler nach Deutschland aus. Während OpenBC bisher 1,5 Millionen Mitglieder hat, sind beim US-Rivalen Linkedin bereits 8,5 Millionen Menschen vernetzt.
Nach eigenen Angaben plant das Unternehmen eine deutschsprachige Version bis Ende März 2007. Spätestens in drei Jahren will Linkedin weltweiter Marktführer sein und OpenBC verdrängt haben.