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Merken   Drucken   28.02.2006, 09:00 Schriftgröße: AAA

Orkla sondiert Partner für Mediensparte  

Der norwegische Mischkonzern Orkla sucht für seine Mediensparte nach einem Partner. Ein Komplettverkauf des Geschäfts ist aber nicht ausgeschlossen. von Isabell Hülsen, Oslo
"Wir würden es vorziehen, beteiligt zu bleiben, um weiter vom Wachstum im Mediengeschäft zu profitieren", sagte Orkla-Media-Chef Björn Wiggen der FTD. Allerdings werde Orkla in diesem Fall nur einen Minderheitsanteil behalten wollen. "Wenn wir die Mehrheit haben, dann zu 100 Prozent", sagte Wiggen. Realistisch sei daher, mit 20 bis 50 Prozent beteiligt zu bleiben.
Orkla hatte vor kurzem offiziell verkündet, Bieter für seine Mediensparte zu suchen. Der fünftgrößte skandinavische Medienkonzern kann in Nordeuropa nur noch schwer wachsen: Der Markt ist im Wesentlichen verteilt zwischen fünf Unternehmen. Die Möglichkeit, das Geschäft durch große Zukäufe auszubauen, habe Orkla sondiert. "Das hat sich aber als nicht machbar erwiesen. Im skandinavischen Medienmarkt gibt es derzeit nur Käufer, keine Verkäufer", sagt Wiggen. Auf Übernahmeziele in anderen europäischen Ländern auszuweichen sei nicht in Frage gekommen, hier hätte Orkla zu viel Geld in die Hand nehmen müssen, um sich eine Erfolg versprechende Position zu erkaufen. "Orkla fehlt als Mischkonzern auch die Kompetenz, das Mediengeschäft aus eigener Kraft zu entwickeln", sagt dagegen ein Branchenkenner. Der Konzern macht über 80 Prozent seines Umsatzes von 55 Mrd. Norwegischen Kronen (6,86 Mrd. Euro) mit der Verarbeitung von Aluminium und Silizium und im Lebensmittelgeschäft.
Komplettverkauf nicht ausgeschlossen
Um den Wert zu steigern, will Orkla die Sparte daher mit einem Partner zusammenführen. Ein Komplettverkauf ist aber nicht ausgeschlossen - "wenn Orklas Aktionäre davon profitieren, dass jemand anderes die Entwicklungschancen erkennt ", sagt Wiggen. Interesse hätten vor allem Medienkonzerne aus Skandinavien, aber auch aus anderen Ländern und einige Finanzinvestoren gezeigt. Das Zeitschriftengeschäft in Norwegen, wo Orkla mit dem Verlag Hjemmet Mortensen einen Marktanteil von rund 50 Prozent hat, dürfte aber nicht mitverkauft werden. Hier hat der dänische Joint-Venture-Partner Egmont ein Vorkaufsrecht, das er laut Branchenkreisen nutzen wird.
An einen Partner hat Orkla klare Erwartungen: Der Konzern will im Onlinegeschäft wachsen, das bisher nur fünf Prozent des Umsatzes ausmacht. Orkla ist derzeit vor allem im Printgeschäft aktiv: In Norwegen besitzt der Verlag Regionalzeitungen und Zeitschriften, in Dänemark die drei größten Zeitungen, darunter die "Berlingske Tidende". "Print wird stagnieren oder schrumpfen. Der Käufer sollte uns zu neuem Wachstum verhelfen, weil er im Onlinegeschäft eine gute Position hat oder die Kraft, sie aufzubauen", so Wiggen. Statt auf ein Umsatzplus von im Schnitt drei bis vier Prozent im Jahr will Orkla so auf fünf bis sieben Prozent kommen. In Deutschland hat der Konzern bisher ausschließlich in digitale Medien investiert. Dem Kauf der Netzeitung 2005 folgten das Internetportal Golem und die Lizenz für den Radiosender 100,6 Motor FM. Seit jüngstem gehört auch die Internetseite Auto-News dazu. "Wir müssen in Deutschland an Größe gewinnen", sagt Michael Maier, Chef der Netzeitung und Orkla-Manager in Deutschland. Jedoch setzt der Konzern dabei eher auf kleine Zukäufe und hofft auf die Verzahnung von Online und Radio: In Wismar und Bremen bewirbt sich die Netzeitung um Radiofrequenzen.
Gratiszeitungen in Deutschland kein Thema
Gratiszeitungen, wie sie Orkla in Dänemark betreibt, seien für Deutschland kein Thema, sagt Maier. In Polen, wo Orkla die Zeitung "Rzeczpospolita" besitzt, denke man aber über ein Gratisblatt nach. Bei der Suche nach einem Partner hat der Konzern derweil keine Eile. "Wir haben auch so noch viele Verbesserungsmöglichkeiten auf der Umsatz- und Kostenseite", sagt Wiggen. Der Konzern hat ein Sparprogramm aufgelegt, das in den nächsten zwei Jahren zu jährlichen Kostensenkungen von 300 bis 400 Mio. Norwegischen Kronen (49 Mio. Euro) führen soll, etwa durch länderübergreifenden Einkauf. Schon in den vergangenen Jahren ist die Vorsteuermarge von zwei auf knapp fünf Prozent gestiegen. Einen weiteren Prozentpunkt pro Jahr hält Wiggen für realistisch.
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  • Aus der FTD vom 28.02.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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