Wenn es nach Bertelsmann-Chef Thomas Rabe geht, war das was er diesen Montagmorgen verkündete, nicht einfach die Fusion zweier Buchverlage, sondern ein historisches Ereignis. "Heute ist ein großer Tag in der Geschichte unseres Unternehmens", schrieb Rabe in einem Brief an seine Mitarbeiter. Die Größe des neuen Buchgiganten, der aus der Pearson-Tochter Penguin und der Bertelsmann-Sparte Random House entsteht, ist einmalig. Doch tatsächlich ist der weltgrößte Buchverlag vor allem eines: eine Abwehrreaktion auf den weltgrößten Buchhändler Amazon.
Penguin und Random House bündeln die Geschäfte in jenen Ländern zusammen, in denen beide Verlagshäuser stark präsent sind. Das Deutschland-Geschäft von Random House etwa bleibt bei der Fusion außen vor, weil Penguin hierzulande kein Geschäft betreibt. Doch die Einsparmöglichkeiten durch den Zusammenschluss sind für die Weltkonzerne marginal. Auf zwei bis drei Prozent der Verlagskosten schätzt sie Alex DeGroote, Analyst bei der Londoner Investmentbank Panmure Gordon. Es geht bei dem Deal also nicht um Synergien, sondern um Verhandlungsmacht.
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Die haben die Verlage dringend nötig. Früher stritten sie mit Dutzenden mittelgroßen Buchhandelsketten über Konditionen, Preise und Rabatte. Doch viele Buchhändler sind im digitalen Wandel in die Krise gerutscht. In den USA ging die größte Buchkette Borders schon vor Monaten pleite, in Deutschland bauen Branchenriesen wie Thalia im Eiltempo Verkaufsfläche zurück. Und der Profiteur der Entwicklung ist immer derselbe: Amazon. Im wachstumsstarken Zukunftsgeschäft mit E-Books hat Amazon in den USA fast 60 Prozent Marktanteil. In der Folge kann Amazon praktisch die Preise und Konditionen diktieren, zum Leid der Verlage.
Als sich vier von ihnen zusammenschlossen, um gemeinsam mit Apple die von Amazon in den Keller getriebenen E-Book-Preise anzuheben, intervenierten die Wettbewerbwächter in den USA und der EU. Das sei eine unerlaubte Preisabsprache. Der Sieger des Verfahrens: Amazon, das nun in weiten Teilen der Welt wieder E-Books zu Dumpingpreisen anbieten kann. Das dürfte sich nun ändern.
Jetzt gibt es mit Penguin Random House einen 2,5 Mrd. Euro schweren Verlagsriesen, an dem kein Onlinehändler mehr vorbeikommt. Ein Gigant, der einen so großen Teil des Buchangebots unter seinem Dach vereint, dass es kaum möglich sein dürfte, ohne die Kooperation mit dem Verlag einen erfolgreichen Buchhandel, ob mit gedruckten oder digitalen Büchern, zu betreiben.
Das haben die Manager von Bertelsmann und Pearson von erfolgreichen Online-Konzernen wie Amazon und Google gelernt: In der digitalen Medienwelt gewinnt am Ende fast immer der Größte.
Nur ein Etappensieg der Verlage! Amazon und Co ermöglichen es Autoren Ihre Werke direkt zu Publizieren - an den Verlagen vorbei.