FTD.de » IT + Medien » Medien+Internet » Gegen Amazon hilft im Buchhandel nur Größe
Merken   Drucken   29.10.2012, 15:10 Schriftgröße: AAA

Penguin Random House: Gegen Amazon hilft im Buchhandel nur Größe

In einem spektakulären Schritt fusionieren die Verlagsriesen Random House und Penguin. Es geht dabei um Marktmacht - nur als weltgrößter Buchverlag kann man dem Internet-Buchhändler Amazon trotzen. Denn der hat bislang die Preise diktiert.
© Bild: 2012 DPA/Rainer Jensen
Kommentar In einem spektakulären Schritt fusionieren die Verlagsriesen Random House und Penguin. Es geht dabei um Marktmacht - nur als weltgrößter Buchverlag kann man dem Internet-Buchhändler Amazon trotzen. Denn der hat bislang die Preise diktiert.

Wenn es nach Bertelsmann-Chef Thomas Rabe geht, war das was er diesen Montagmorgen verkündete, nicht einfach die Fusion zweier Buchverlage, sondern ein historisches Ereignis. "Heute ist ein großer Tag in der Geschichte unseres Unternehmens", schrieb Rabe in einem Brief an seine Mitarbeiter. Die Größe des neuen Buchgiganten, der aus der Pearson-Tochter Penguin und der Bertelsmann-Sparte Random House entsteht, ist einmalig. Doch tatsächlich ist der weltgrößte Buchverlag vor allem eines: eine Abwehrreaktion auf den weltgrößten Buchhändler Amazon.

Penguin und Random House bündeln die Geschäfte in jenen Ländern zusammen, in denen beide Verlagshäuser stark präsent sind. Das Deutschland-Geschäft von Random House etwa bleibt bei der Fusion außen vor, weil Penguin hierzulande kein Geschäft betreibt. Doch die Einsparmöglichkeiten durch den Zusammenschluss sind für die Weltkonzerne marginal. Auf zwei bis drei Prozent der Verlagskosten schätzt sie Alex DeGroote, Analyst bei der Londoner Investmentbank Panmure Gordon. Es geht bei dem Deal also nicht um Synergien, sondern um Verhandlungsmacht.

Die haben die Verlage dringend nötig. Früher stritten sie mit Dutzenden mittelgroßen Buchhandelsketten über Konditionen, Preise und Rabatte. Doch viele Buchhändler sind im digitalen Wandel in die Krise gerutscht. In den USA ging die größte Buchkette Borders schon vor Monaten pleite, in Deutschland bauen Branchenriesen wie Thalia im Eiltempo Verkaufsfläche zurück. Und der Profiteur der Entwicklung ist immer derselbe: Amazon. Im wachstumsstarken Zukunftsgeschäft mit E-Books hat Amazon in den USA fast 60 Prozent Marktanteil. In der Folge kann Amazon praktisch die Preise und Konditionen diktieren, zum Leid der Verlage.

Als sich vier von ihnen zusammenschlossen, um gemeinsam mit Apple  die von Amazon in den Keller getriebenen E-Book-Preise anzuheben, intervenierten die Wettbewerbwächter in den USA und der EU. Das sei eine unerlaubte Preisabsprache. Der Sieger des Verfahrens: Amazon, das nun in weiten Teilen der Welt wieder E-Books zu Dumpingpreisen anbieten kann. Das dürfte sich nun ändern.

Jetzt gibt es mit Penguin Random House einen 2,5 Mrd. Euro schweren Verlagsriesen, an dem kein Onlinehändler mehr vorbeikommt. Ein Gigant, der einen so großen Teil des Buchangebots unter seinem Dach vereint, dass es kaum möglich sein dürfte, ohne die Kooperation mit dem Verlag einen erfolgreichen Buchhandel, ob mit gedruckten oder digitalen Büchern, zu betreiben.

Das haben die Manager von Bertelsmann und Pearson von erfolgreichen Online-Konzernen wie Amazon  und Google  gelernt: In der digitalen Medienwelt gewinnt am Ende fast immer der Größte.

22:01:29 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
    % 
    % 
  • FTD.de, 29.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
  • 30.10.2012 08:11:14 Uhr   Scho: Groesse

    Nur ein Etappensieg der Verlage! Amazon und Co ermöglichen es Autoren Ihre Werke direkt zu Publizieren - an den Verlagen vorbei.

Kommentar schreiben Pflichtfelder*




Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler