FTD.de » IT + Medien » Medien+Internet » Der große Umbruch im Journalismus

Merken   Drucken   15.05.2011, 18:37 Schriftgröße: AAA

Print-Medien im Tarifkonflikt: Der große Umbruch im Journalismus

Die deutsche Zeitungsbranche steckt in einem der härtesten Tarifkämpfe ihrer Geschichte. Nach harten Sparrunden fordern Redakteure einen Aufschlag - und Verlage weitere Einschnitte. Der Streit illustriert den Umbruch im Journalismus. von Lutz Knappmann, Hamburg
Die Streikwelle rollt quer durch die Republik. Mal treten Redakteure bei der "Süddeutschen Zeitung" in München in den Ausstand, mal bei der WAZ Mediengruppe im Ruhrgebiet. Am Freitag verweigerten Journalisten in Lübeck und Kiel, bei "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" die Arbeit. Tags zuvor hatte der Verleger des "Weser Kuriers" streikende Mitarbeiter des Firmengeländes verwiesen - Szenen, für die bislang eher die Stahlindustrie berüchtigt war.
Die Auflage schrumpft ...   Die Auflage schrumpft ...
Nie ging es in der deutschen Zeitungsbranche um eine ähnlich grundsätzliche Richtungsentscheidung: Redakteure und Verleger streiten darüber, was Qualitätsjournalismus kosten darf. Während die Journalisten eine Kompensation für die finanziellen Einschnitte der letzten Jahre fordern, pochen die Verlage auf weitere Kürzungen. Anfang Mai hatten Gewerkschaften und die im Verband BDZV organisierten Verlage die bereits vierte Verhandlungsrunde im Tarifstreit abgebrochen. Einen neuen Gesprächstermin vereinbarten sie nicht.
Auch ein Ende der Warnstreiks ist nicht abzusehen. "Wir führen keinen flächendeckenden Arbeitskampf, sondern verfolgen eine Politik der Nadelstiche", sagt ein Sprecher des Journalistenverbands DJV. Die werde man noch eine Weile durchhalten.
... die Umsätze kehren zurück   ... die Umsätze kehren zurück
Die Streitparteien ziehen aus den Folgen der gerade überwundenen Werbemarktkrise und den Herausforderungen der Digitalisierung entgegengesetzte Schlussfolgerungen. Angesichts wegbrechender Werbeerlöse haben viele Verlage Titel abgestoßen, Redaktionen zusammengelegt, Mitarbeiter entlassen - und deren Arbeit auf die Verbliebenen verteilt. Gleichzeitig debattieren sie über Wege, im Internet für hochwertige journalistische Angebote Geld zu verlangen.
Die Journalisten wollen ein Bekenntnis dazu, das Qualität Geld kostet. "Schon seit dem Platzen der Internetblase vor gut zehn Jahren gibt es Gehaltsabschlüsse maximal auf Inflationsniveau", klagt der DJV - und fordert gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi vier Prozent mehr Gehalt für die 14.000 tarifgebundenen Zeitungsredakteure. Die Verleger wollen längere Arbeitszeiten, Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld und einen neuen Tarifvertrag für Berufseinsteiger, mit niedrigeren Gehältern und einer Halbierung des Altersvorsorgezuschusses. Ein neuer Flächentarifvertrag müsse den "branchenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht werden", argumentieren sie.
Tatsache ist, dass die deutschen Zeitungen an Auflage verlieren. Bei Blättern wie "WAZ" oder "Berliner Morgenpost" lag der Rückgang in den letzten zehn Jahren bei über 30 Prozent. Auch die Werbeerlöse sinken stetig, während Onlinewerbung rasantes Wachstum verzeichnet. Tatsache ist aber auch, dass die Gesamtumsätze im hiesigen Markt dank steigender Vertriebserlöse wachsen, wie die Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PWC) voraussagt: Von 8,46 Mrd. Euro in der Krise 2009 auf 9,25 Mrd. Euro im Jahr 2014. Trotz sinkender Auflage der "Bild" machte etwa der Axel-Springer-Verlag  im ersten Quartal im deutschen Zeitungsgeschäft über 22 Prozent Rendite - mehr als in jedem anderen Segment des Verlags. Bei einigen Regionalverlagen fallen die Zahlen ähnlich aus.
Weitere Kürzungen halten die Gewerkschaften für nicht verhandelbar. "Viele Redakteure sagen: ,Es reicht!‘. Sie finden, die Verleger haben es übertrieben", sagt ein DJV-Sprecher. Der BDZV kontert, die Gewerkschaften lehnten "jeden Versuch der Zeitungsverleger zu Reformen kategorisch ab".
Der Ausgang des Arbeitskampfs ist ungewiss - und für viele Journalisten ohnehin egal: Ob "Schwarzwälder Bote" oder "Münstersche Zeitung", zahlreiche Verlage haben in den letzten Jahren Teile oder ganze Redaktionen in eigenständige Firmen ausgelagert. Ganz ohne Tarifbindung.
  • Aus der FTD vom 16.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen IT + Medien

Geheimer Smartphone-Prototyp entdeckt? Wir flüstern es Ihnen sofort weiter.

Beispiel   |   Datenschutz
Tweets von FTD.de Tech-News

Weitere Tweets von FTD.de

Internetmarken - News, Info und Bilder
Internetmarken - Die Internetmarken im Überblick

Welches sind die Top-Internetmarken, auf die wir nicht mehr verzichten wollen? Entdecken Sie alle wichtigen News, Hintergrundinformationen, Bilder und Infografiken zu den Top-Internetmarken von Amazon bis Twitter.mehr

  Bilderserie Von BASF bis ThyssenKrupp Das deutsche Chefwechseljahr
 



06:20:20 Aktuelle Börsewerte
Name aktuell   
Microsoft 23,223 EUR   +0,72% 
Apple 447,135 EUR   -1,06% 
Google 471,554 EUR   -1,48% 
Intel 20,481 EUR   +0,19% 
Advanced Micro Devices 6,22 USD   +3,32% 
  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

IT+TELEKOMMUNIKATION

mehr IT+Telekommunikation

MEDIEN+INTERNET

mehr Medien+Internet

COMPUTER+TECHNIK

mehr Computer+Technik

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote