Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich als eine der ersten zur offiziellen Nachricht von der Einstellung der Financial Times Deutschland geäußert. "Das ist ja schlimm für Sie nach so vielen Jahren", sagte sie dem Brüsseler Büroleiter der FTD, Peter Ehrlich, der den Satz über Twitter verbreitete.
FTDKommentar von Kanzlerin Merkel zu mir: "Das ist ja schlimm fuer Sie nach so vielen Jahren". In der Tat
- Peter Ehrlich (@PeterEhrlich) November 23, 2012
In Ihrer wöchentlichen Videobotschaft (ab ca. 2:00) hatte Angela Merkel die besondere Bedeutung von Zeitungen betont. "Ich halte die Printmedien für sehr wichtig", sagte Merkel. Das Internet werde natürlich immer mehr an Bedeutung gewinnen, aber Zeitunglesen sei "etwas anderes, als im Internet zu sein". Die Bundesregierung werde weiter Projekte fördern, um junge Leute zum Zeitungslesen zu bewegen. Zugleich werde die Regierung alle ermuntern, die Lesefähigkeit und die Akzeptanz von Printmedien in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln.
Online-Angebote seien erst einmal eine Chance, erklärte Merkel weiter. Aus der Flut der Möglichkeiten werde sich herausbilden, was Qualität im Netz sei. "Das dauert eine Weile, aber die Menschen werden lernen, mit diesen neuen Möglichkeiten umzugehen", sagte die Kanzlerin.
Die "Financial Times Deutschland" wird fehlen. Den Mitarbeiternund Journalisten wünsche ich, dass es für sie beruflich bald weitergeht.
— Steffen Seibert (@RegSprecher) November 23, 2012
Steffen Seibert, ehemals ZDF-Nachrichtenmann und derzeit Regierungssprecher, twitterte, dass die FTD fehlen wird. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz reagierte. "Es wird eine große gesellschaftliche Aufgabe sein, auch im digitalen Zeitalter qualitativ hochwertigen Journalismus zu sichern", sagte der SPD-Politiker. Die Gesellschaft brauche weiter guten, leidenschaftlichen Journalismus. Commerzbank-Chef Martin Blessing sagte, er werde die FTD vermissen. Die Einstellung finde er "sehr schade. Konkurrenz belebt das Geschäft", so der Bankmanager am Rande eines Kongresses in Frankfurt.
Auch der Gründungs-Chefredakteur und frühere Herausgeber, Andrew Gowers, bedauerte das Aus der FTD. "Das ist eine sehr traurige Nachricht. Es war eine sehr gute Zeitung mit exzellenten Journalisten. " Der Brite hatte die FTD im Jahr 2000 mitgegründet und war bis 2001 ihr Chefredakteur, bevor er in gleicher Funktion zur britischen Financial Times zurückkehrte. Später wurde Gowers PR-Chef der US-Investmentbank Lehman Brothers, bevor diese 2008 pleiteging, und arbeitete für den Ölkonzern BP während der Ölpest im Golf von Mexiko.
Die Unions-Bundestagsfraktion kündigte an, dass sich das Parlament mit dem Zeitungssterben in Deutschland befassen wird. "Mit dem Aus für die Financial Times Deutschland wird die Pressevielfalt in Deutschland erneut geringer", erklärte der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen. "Nach den jüngsten Insolvenzanmeldungen der Nachrichtenagentur ‚dapd‘ und der ‚Frankfurter Rundschau‘ ist dies ein weiterer schwerer Schlag für die deutsche Presselandschaft. Hinzu kommt der schleichende Zeitungstod im Bereich der Regionalzeitungen." Die Entwicklung solle Thema im Medienausschuss des Bundestages sein. "Wir müssen alles auf den Prüfstand stellen, um zum Erhalt der Pressevielfalt und der damit verbundenen Arbeitsplätze beizutragen", so Börnsen.
"Mit ihrem leidenschaftlichen, mutigen und innovativen Journalismus hat die FTD ihre Leser, die Branche und ihre Verleger fasziniert", sagte der frühere Chef des Verlagshauses Gruner + Jahr, Bernd Kundrun, dem Nachrichtenportal "Spiegel Online". "Das lag daran, dass das Blatt immer eine ganz besondere Redaktions- und Verlagsmannschaft hatte. Jeder, der dazugehörte kann stolz darauf sein, auch wenn er oder sie jetzt sehr traurig ist."
Der ehemalige Chefredakteur Christoph Keese, heute Verlagsmanager, bei Axel Springer, schrieb in der "Welt", die FTD sei angetreten, um den deutschen Wirtschaftsjournalismus zu verändern. "Auch wenn sie wirtschaftlich kein Erfolg geworden ist, hat sie ihr journalistisches Ziel dennoch erreicht. Unter gutem Wirtschaftsjournalismus verstehen Redaktionen und Leser heute etwas anderes als damals bei der Gründung vor zwölf Jahren. Dieser aufklärerische Impuls der lachsfarbenen Zeitung war wichtig und unverzichtbar. Seine Wirkung wird bestehen bleiben, auch wenn die FTD verschwindet."
FTD
macht doch auf taz und macht irgendwas mit abos oder teihabern. ihrmüsst euch irgendwie den namen sichern