"Aus der Sicht von Geschäftsführung und Chefredaktion sprechen gute Argumente für eine Zentralisierung von redaktionellen Bereichen in Berlin", teilte Deutschlands größte Nachrichtenagentur am Dienstag mit. DPA stelle die redaktionellen Produktionsabläufe grundsätzlich auf den Prüfstand, sagte Chefredakteur Wilm Herlyn.
Mit den Zentralisierungsplänen reagiert DPA auf das Zusammenwachsen der klassischen Mediengattungen mit Onlineangeboten - und erhofft sich hohe Einsparungen. Bislang betreibt DPA in Berlin mit rund 100 Mitarbeitern die Redaktion für deutsche Innenpolitik, sowie unter anderem Audio- und Videodienste. Am Stammsitz in Hamburg produzieren etwa 200 redaktionelle Mitarbeiter Texte für die übrigen Ressorts des sogenannten Basisdienstes. Auch Grafiken, Online- und Mobildienste kommen aus der Hansestadt. In Frankfurt ist der rund 50 Mann starke Bilderdienst beheimatet.
Die genossenschaftlich aufgebaute Agentur steht unter wachsendem Druck. Die Kosten für die Nutzung der DPA-Dienste bemessen sich an der Reichweite der Kunden. Der Auflagenschwund etwa bei Tageszeitungen sorgt für sinkende Erlöse. 2007 setzte DPA 93,8 Mio. Euro um, nach 95,7 Mio. Euro im Vorjahr. Der Überschuss sank um gut ein Viertel auf 4,4 Mio. Euro. Zuletzt hatte zudem die WAZ Gruppe für einige Titel DPA abbestellt, um 3 Mio. Euro pro Jahr zu sparen.
Binnen drei Monaten will DPA nun zusammen mit der Beratungsfirma IDS Scheer ein Konzept ausarbeiten. Das Ergebnis werde sich auch "daran messen lassen müssen, wie es dem ständig weiter steigenden Kostendruck auf die DPA begegnet", sagte Herlyn. Den Wegfall von Arbeitsplätzen schloss er nicht aus. Ein Umzug der nichtredaktionellen Bereiche stehe nicht zur Diskussion, Firmensitz solle weiterhin Hamburg bleiben. Auch die internationalen und regionalen Büros der Agentur sollen unangetastet bleiben. Ansonsten gebe es aber keine Tabus, hieß es.
Schon beim Umzug der Politikredaktion nach Berlin im Jahr 2000 war über eine Verlagerung der gesamten Nachrichtenagentur debattiert worden, die aber nicht zustande kam.