Mehr denn je wird das Überleben der gedruckten Zeitung bezweifelt. Die Verlage schrecken mit Krisenmeldungen in eigener Sache auf. Vergangene Woche etwa informierte der Verlag Gannett , Eigner der Tageszeitung "USA Today", seine Belegschaft, dass jeder Mitarbeiter eine Woche unbezahlten Urlaub zu nehmen habe. Ein ehemaliger Herausgeber sagte daraufhin: "Das war der letzte Schritt. Jetzt stehen wir wirklich wie die Autobranche da."
Während die Hersteller aus Detroit mit dem Hut in der Hand beim Staat vorstellig werden, hofft man in der Zeitungsbranche auf reiche Unternehmer als weiße Ritter. Der Herausgeber der "New York Times" wird eine Kapitalspritze vom mexikanischen Multimilliardär Carlos Slim erhalten. Der russische Oligarch Alexander Lebedew hat die Mehrheit der britischen Tageszeitung "Evening Standard" übernommen und erwägt ein Gebot für die britischen Zeitungen der Independent-Gruppe.
Seit jeher waren Zeitungen ein Spielzeug für Reiche, aber der scheinbar unaufhaltsame Rückgang der Anzeigeneinnahmen wirft Fragen zur Zukunft der Branche auf. Bestehen die einzigen Geschäftsmodelle wirklich nur darin, sein Heil in Privatbesitz zu suchen oder als Bestandteil eines Mischkonzerns?
Besonders drängend ist die Frage in Amerikas stark regional zersplitterter Zeitungslandschaft. Die meisten Titel dort sind, was das Kleinanzeigengeschäft in den von ihnen abgedeckten Städten anbelangt, Monopolisten oder Quasi-Monopolisten. Wollte man früher beispielsweise in Philadelphia oder Seattle ein Stellengesuch oder eine Immobilienanzeige schalten, hatte man abgesehen von der Lokalzeitung wenig Auswahl. Dies führte dazu, dass die Blätter zu sehr rentablen Unternehmen mit verhältnismäßig großer Redaktion heranwuchsen. Aber nach einem Jahrzehnt von Gratisinseraten im Internet und rückläufigen Auflagenzahlen ist dieses Geschäftsmodell nicht länger tragbar. Diese Entwicklung zeichnet sich seit einigen Jahren auch in anderen Märkten weltweit ab.
Dennoch schrecken reiche Investoren nicht davor zurück, sich in Medienunternehmen einzukaufen. News Corp. zahlte 2007 für Dow Jones, den Herausgeber des "Wall Street Journal" und mehrerer Lokalzeitungen 5,6 Mrd. $. Das Überleben der Dow-Jones-Titel wird mittlerweile durch das Kabelfernsehgeschäft und die Filmstudios von News Corp. abgesichert. Ähnliches gilt für die "Washington Post", wo das Mutterunternehmen deutlich mehr Geld mit der Bildungssparte Kaplan einnimmt.
Doch für Zeitungen, die nicht unter dem Schutz eines Mischkonzerns stehen, wird die Lage immer düsterer. Vergangene Woche veröffentlichte der Marktforscher Emarketer eine Analyse, wonach 2008 die Werbeeinnahmen der amerikanischen Zeitungen um 16,4 Prozent auf 37,9 Mrd. $ (29,3 Mrd. Euro) eingebrochen sind. Bis 2012 wird das Anzeigengeschäft um weitere 10 Mrd. $ schrumpfen, prognostiziert Emarketer. Der Markt wäre dann nur noch halb so groß wie 2005.
Mehrere Zeitungen reagieren mit tiefen Einschnitten beim Personal, indem sie nach Käufern für defizitäre Titel suchen und über Schließungen nachdenken. Am Dienstag kündigte beispielsweise Lee Enterprises, Herausgeber der "St Louis Post-Dispatch", an, die Belegschaftsgröße um zehn Prozent zu schrumpfen. Beim "Seattle Post-Intellligencer" und den "Rocky Mountain News" aus Denver heißt es, die Zeitungen könnten schließen, wenn sich nicht innerhalb weniger Wochen ein Käufer findet.
Aber auch Investoren mit tiefen Taschen haben Grund zur Vorsicht. Das weiß wohl niemand besser als der amerikanische Immobilien-Tycoon Sam Zell . 8,2 Mrd. $ hatte er noch im April 2007 für den Zeitungsverlag Tribune bezahlt - vergangenen Monat trat das Unternehmen den Gang zum Konkursrichter an.
Früher galten Zeitungen als etwas, womit sich ihr Eigentümer rühmen und schmücken konnte. Heute läuft man in mindestens genauso großem Ausmaß Gefahr, sich die Finger zu verbrennen und den eigenen Ruf zu ramponieren.