Mitschuld an der MisereMarktforscher schütteln über den Zorn der Labels und ihrer Lobby nur den Kopf. Josh Bernoff, Experte des Branchenforschers Forrester Research, etwa glaubt, dass die Musikvermarkter erhebliche Mitschuld an der Krise tragen: "Wenn die nur die Hälfte des Geldes, das sie in ihre Lobbyarbeit für schärfere Antikopiergesetze gesteckt haben, in bessere Online-Dienste investiert hätten, stünden die Plattenfirmen heute deutlich besser da." Bernoff hat 1000 Amerikaner nach ihren Musikgewohnheiten befragt und die Ergebnisse in dieser Woche veröffentlicht. "Kaum jemand kauft weniger CDs, weil er Online-Angebote nutzt", lautet ein Befund seiner Studie. Die Behauptungen der Musikindustrie seien darum falsch. Deren Umsatz sinke aufgrund der wirtschaftlichen Rezession, weil die Kunden ihr Budget für Unterhaltung anders aufteilten und weil die Plattenindustrie versage: "Es gab in den vergangenen beiden Jahren keinen neuen Trend, der die Verkaufszahlen angefeuert hätte."
Konrad Hilbers, Chef der von der Plattenlobby zu Fall gebrachten Musiktauschbörsen Napster, stimmt dem Analysten zu: "Musikliebhaber sind Verbraucher und keine Piraten." Napster habe alles versucht, um sich mit den Labels auf einen verbraucherfreundlichen legalen Online-Dienst zu einigen. "Wir waren sogar bereit, die Kopier- und Abspielmöglichkeiten zu begrenzen, obwohl wir wussten, dass dies den Wünschen der Verbraucher widerspricht", berichtet Hilbers. Doch die Branche blieb hart, klagte Napster ins Abseits und brachte eigene Abodienste wie Pressplay und Musicnet heraus.
"Das sind doch furchtbare Angebote, die aus gutem Grund erfolglos geblieben sind", klagt Analyst Bernoff die Branche an. Die Titelauswahl sei begrenzt, die Zahl der verfügbaren Labels klein. "Das ist viel zu weit von dem weg, was Verbraucher wollen." Er plädiert für eine Bill of Rights der Musikliebhaber. Sie sollen im Internet möglichst viel Auswahl haben, und mit den herunter geladenen Titeln möglichst frei umgehen dürfen. "Der einzige Weg, gegen das Raubkopieren vorzugehen, ist ein verbraucherfreundlicher Online-Dienst."