Das Vertrauen in die Geschäftsmodelle von Social-Media-Diensten ist schwer erschüttert. Die Aktien des einstigen Hoffnungsträgers Facebook verloren am Donnerstag an der US-Technologiebörse Nasdaq zeitweilig fast sieben Prozent ihres Wertes - weil Unternehmensinsider nach Ende ihrer Haltefrist die Gelegenheit nutzten, ihre Anteile abzustoßen. Im frühen Handel notierte die Aktie zeitweise mit 19,69 Dollar so niedrig wie nie zuvor.
Manager und frühe Investoren, die in Unternehmensinterna eingeweiht sind, setzen offensichtlich nicht auf einen steigenden Aktienkurs von Facebook. Dies nährt Zweifel an der Fähigkeit der Social-Media-Dienste, mit ihrem Geschäftsmodell ausreichend Geld zu verdienen, um die hohen Bewertungen ihrer Firmen zu rechtfertigen.
Beim Börsengang im Mai hatte ein Anteilschein 38 Dollar gekostet. 421 Millionen Aktien hatte das Unternehmen damals verkauft. Weitere 271 Millionen waren bislang im Besitz von Facebook-Managern und Geldgebern aus der Gründungsphase, die ihre Papiere jetzt erstmals verkaufen konnten.
Und die drängten schon kurz nach Börsenöffnung auf den Markt: 64 Millionen Aktien wurden allein in der ersten Handelsstunde abgesetzt - in den vergangenen 50 Tagen waren es während des gesamten Börsenbetriebs im Schnitt nur halb so viele.
Zu den Investoren, die sich nun von ihren Facebook-Aktien trennen können, gehören die Investmentbank Goldman Sachs , der Venture-Capital-Fonds Accel Partners, der Softwarekonzern Microsoft und der Paypal-Gründer Peter Thiel.
"Mit der neuen Liquidität am Markt geraten die Aktien wieder unter Druck", sagte Frank Davis von LEK Securities in New York den weiteren Kursverfall. "Wenn Ihre Anteile schon die Hälfte an Wert eingebüßt haben, sitzen Sie dann rum und riskieren auch noch den Rest?"
Ähnlich erging es anderen Internetfirmen, die in den vergangenen Monaten mit hohen Erwartungen an der Börse starteten: Investoren nutzten die erstbeste Möglichkeit, ihre Anteile abzustoßen. So sank der Kurs des Spieleanbieters Zynga, der den Großteil seines Geschäfts über die Facebook-Plattform abwickelt, nach dem Ende des Verkaufsverbots um acht Prozent. Beim Schnäppchenportal Groupon waren es am ersten Handelstag nach Auslaufen der Haltefrist gar neun Prozent.
Marktbeobachter fürchten, dass die Facebook-Aktie in den kommenden Wochen noch weiter abrutscht - wenn weitere Haltefristen für Anteilseigner auslaufen. Vom 15. Oktober an dürfen auch einfache Facebook-Angestellte ihre Papiere an der Börse anbieten. Firmengründer Mark Zuckerberg, der noch immer das dickste Aktienpaket hält, darf seine Anteile hingegen erst Mitte November verkaufen. Insgesamt dürfen dann fast 1,2 Milliarden zusätzliche Aktien gehandelt werden.
Um den Kurs zu stützen, muss das soziale Netzwerk mit knapp einer Milliarde Nutzern auf der ganzen Welt nun zeigen, dass es seine Reichweite auch in Werbeerlöse ummünzen kann. Und die müssten in den kommenden Jahren weitaus schneller wachsen als die Nutzerzahlen.
Daran aber haben Kenner des Werbemarkts zunehmend Zweifel. "Facebook bietet ein privates Umfeld, dort wollen Nutzer andere Dinge tun, als einzukaufen. Auch für mobile Geräte gibt es bislang kein schlüssiges Konzept", sagt Andreas Schwend, Chef der Stuttgarter Mediaagentur DMC. "Die Werbe- und Verkaufsmöglichkeiten über Facebook liegen weit unter den ursprünglichen Erwartungen."