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Merken   Drucken   20.09.2006, 19:45 Schriftgröße: AAA

Sony BMG weicht in Nebengeschäfte aus

Dossier Der weltweit zweitgrößte Musikkonzern Sony BMG (SBMG) will seine Strategie in Europa ändern. Neue Geschäfte sollen 2007 fünf Prozent zum Umsatz des Unternehmens beitragen.
von Arndt Ohler (Berlin)
Maarten Steinkamp, Chef von Sony BMG in Kontinentaleuropa   Maarten Steinkamp, Chef von Sony BMG in Kontinentaleuropa

"Unsere Mission für die kommenden zwei Jahre ist es, von einem Musikunternehmen zu einem Unterhaltungspartner zu wachsen", sagte Maarten Steinkamp, Chef des SBMG-Geschäfts in Kontinentaleuropa, der FTD auf der Musikmesse Popkomm in Berlin.

Steinkamp plant daher, in Segmente zu investieren, die am Rande des bisherigen Kerngeschäfts liegen. So hat sich der Konzern beispielsweise an Musicals beteiligt - etwa dem Stück "Daddy Cool" des Musikproduzenten Frank Farian, das gerade in London startet. Das Unternehmen verdient dabei nicht mehr allein am Verkauf der Musik, sondern auch an Eintrittskarten und Merchandising-Artikeln. Darüber hinaus verhandelt SBMG in Spanien über den Einstieg bei einem digitalen Fernsehsender. "Wenn wir diesen Schwenk nicht schaffen, enden wir als reines Handelsunternehmen für Musik. Das ist aber nicht unser Ziel", sagte Steinkamp.

Angesichts des bröckelnden Geschäfts mit herkömmlichen CDs suchen die dominierenden Musikkonzerne händeringend nach neuen Umsatzquellen. Für 2006 rechnet Steinkamp damit, dass der Gesamtumsatz der Branche aus CD-Verkäufen in Europa um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgeht. Die Unternehmen leiden zudem darunter, dass der Verkauf von Musik über Internet oder Handys - einst Hoffnungsträger der Branche - zwar wächst, das Tempo aber hinter den Erwartungen zurück bleibt. "Das Digitalgeschäft entwickelt sich in Europa sehr langsam", sagte Steinkamp.

Konzern kauft Rechte an TKKG

Auf der Suche nach neuen Einnahmen hat der deutsche SBMG-Ableger daher bereits die Rechte an der Kinderserie TKKG gekauft. Bei allen verkauften TKKG-Produkten fließt künftig ein Teil an den Musikkonzern. "Wir wollen Marken besitzen und breit auswerten", sagte SBMG-Deutschlandchef Edgar Berger der FTD.

Mit den neuen Geschäften, die auch das Management von Künstlern oder die Vermittlung von Sponsoringdeals umfassen, soll schon 2007 ein zweistelliger Millionenbetrag erwirtschaftet werden. "Im nächsten Jahr werden die neuen Initiativen wohl einen Anteil von vier bis fünf Prozent des Umsatzes in Europa ausmachen", sagte Steinkamp. Sie kämen damit rasch an die Bedeutung des digitalen Geschäfts heran, dessen Umsatzanteil nur leicht darüber liegt. Derzeit setzt SBMG in Kontinentaleuropa etwas über 1 Mrd. Euro um.

Um den digitalen Vertrieb anzukurbeln zeigt sich das Unternehmen auch offen gegenüber populären Internetangeboten wie etwa der Videoplattform Youtube. "Wir sind in aktiven Verhandlungen mit Youtube", so Steinkamp. "Wir denken dabei in ähnlichen Dimensionen wie Warner Music." Der Konkurrent hatte erst am Montag mitgeteilt, seine Musikvideos künftig über die beliebte Website zu vertreiben. Zudem sollen Youtube-Nutzer Material aus Musikvideos von Warner-Künstlern wie Madonna für Clips verwenden dürfen, die sie selbst erstellen und auf der Youtube-Seite platzieren.

Konflikt entschärft

Durch die Zusammenarbeit entschärft sich ein drohender Konflikt: Die Web-Seiten, die täglich von Millionen Nutzern besucht werden, könnten sich zu einer unangenehmen Konkurrenz für die Musikkonzerne entwickeln. Während bisher Unternehmen wie Universal Music Group, SBMG, EMI  oder Warner Music Group mit ihrer Marktmacht dafür sorgten, dass Künstler ihre Alben in Millionenstückzahlen verkaufen konnten, werden jetzt vereinzelt Musiker zu Stars, deren Karriere mit Songs auf Myspace oder Youtube begann. Hält der Boom der so genannten sozialen Netzwerke im Internet an, könnte sich ein alternatives Marketing- und Vertriebsmodell etablieren, das das Kerngeschäft der Musikfirmen schwächt. Der weltgrößte Musikkonzern Universal  droht Youtube derzeit gar mit Klage: Der Videodienst verstoße gegen Urheberrecht, weil er Universalinhalte ohne Genehmigung anbiete.

Die Suche nach neuen Marketing- und Geschäftsmodellen führt zuweilen indes zu exotischen Ergebnissen: So sind SBMG-Mitarbeiter in die virtuelle Welt von "Second Life" abgetaucht - einem Online-Rollenspiel, bei dem zeitgleich Zehntausende Nutzer über das Internet handeln, kämpfen oder Freunde treffen. "Ich habe gerade gehört, dass wir Land in 'Second Life' gekauft haben", sagt Steinkamp. "Wir bauen darauf eine Konzerthalle."

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  • Aus der FTD vom 21.09.2006
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