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Merken   Drucken   18.12.2008, 11:55 Schriftgröße: AAA

Soziales Netzwerk: StudiVZ gibt Auslandsgeschäft auf  

Große Reichweite, große Verluste: StudiVZ erreicht zwar 166 Mio. Besucher im Monat – macht aber wohl auch einen zweistelligen Verlust. Im Ausland zieht die Holtzbrinck-Tochter jetzt die Bremse. Und verliert außerdem zwei Gründer. von Lutz Knappmann (Hamburg)
Der Rückzug der beiden Gründer von StudiVZ schürt die Unruhe bei dem Onlinenetzwerk. Am Mittwoch erklärten Dennis Bemmann und Michael Brehm, die StudiVZ 2005 gestartet hatten, das zum Holtzbrinck-Verlag gehörende Unternehmen zum Jahresende zu verlassen. Nach Angaben von Brehm war dieser Schritt seit Anfang 2007 vertraglich vereinbart.
StudiVZ macht im laufenden Jahr rund 10,5 Mio. Euro Umsatz und voraussichtlich einen Verlust in ähnlicher Höhe. Dabei ist das Portal mit rund 166 Millionen Besuchen im November das mit Abstand größte soziale Netzwerk in Deutschland. Bei den Klickzahlen musste es sich im vergangenen Monat allerdings erstmals dem Neuling Wer-kennt-wen.de geschlagen geben - was StudiVZ mit der Einführung eines neuen Mailsystems erklärt.
Bislang gestaltet sich die Werbefinanzierung des Portals schwierig. Für den Holtzbrinck-Verlag wird es immer unsicherer, ob sich der hohe Kaufpreis refinanzieren lässt. Das Stuttgarter Medienhaus hatte StudiVZ Anfang 2007 für geschätzte 85 Mio. Euro gekauft. Im kommenden Jahr will sich StudiVZ daher darauf konzentrieren, seine hohen Reichweiten in Erlöse umzumünzen.
Dazu gibt die Internetfirma auch ihr internationales Geschäft auf. StudiVZ stellt seine lokalen Portale in Frankreich, Spanien, Italien und Polen zum 20. Januar ein. Den Nutzern wurde angeboten, zum Schwesterangebot MeinVZ zu wechseln, das eine deutsch- und eine englischsprachige Seite betreibt. Bereits im Sommer hatte der damalige StudiVZ-Chef Marcus Riecke dies angedeutet. Im Oktober musste Riecke überraschend seinen Posten räumen.
Zuvor war bekannt geworden, dass der US-Rivale Facebook über einen Kauf von StudiVZ verhandelt hatte. Die Gespräche scheiterten zwar. Gerüchte über einen erneuten Anlauf machen jedoch immer wieder die Runde. Aktuelle Verkaufspläne dementiert Holtzbrinck. Angesichts der Finanzkrise gilt es als unwahrscheinlich, dass sich für StudiVZ ein Preis erzielen ließe, der Holtzbrincks Investition auch nur annähernd ausgleicht.
  • Aus der FTD vom 18.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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