Schon am Mittwoch soll dazu ein entsprechendes Stillhalteabkommen mit den rund 50 direkten Kreditgebern des Unternehmens unterzeichnet werden, erfuhr die FTD aus Bankenkreisen. Das Schuldenmoratorium werde das zum Kabelkonzern Escaline-Orion gehörende Unternehmen aus der Insolvenzgefahr bringen. "Mit der Zinsstundung ist Tele Columbus bis Februar stabilisiert", hieß es.
Bis Dienstagnachmittag habe ein Großteil der Kreditgeber einem Zinszahlungsaufschub bis Ende Februar kommenden Jahres zugestimmt. Gläubiger, denen rund 70 Prozent der bei Tele Columbus inzwischen aufgelaufenen Verbindlichkeiten von rund 945 Mio. Euro zustehen, haben den Angaben zufolge bis zu diesem Zeitpunkt dem Moratorium ihren Segen gegeben. Bis zur Unterzeichnung der Vereinbarung am Mittwochabend rechne man mit einer Zustimmungsquote von mehr als 90 Prozent.
Damit erhält die größte operative Einheit der Nummer drei auf dem deutschen Fernsehkabelmarkt eine Gnadenfrist. Beobachter gehen davon aus, dass sich die beteiligten Banken und Hedge-Fonds auf der Kreditgeberseite sowie die Tele-Columbus-Geschäftsführung danach über einen Teilverzicht auf die Forderungen einigen werden. Im Gegenzug dürften die Kreditgeber eine Umwandlung von Altschulden in Eigenkapital verlangen, um danach einen Verkaufsprozess für die Firma mit gut zwei Millionen Kabelkunden und 1000 Beschäftigten einzuleiten.
Nicht einbezogen in das Moratorium ist die börsennotierte Tele-Columbus-Schwester Primacom, die bislang ihren Verpflichtungen nachkommt. Auch die angeschlagene Konzernmutter Escaline aus Luxemburg, die vom britischen Finanzinvestor Scott Lanphere beherrscht wird, fällt nicht unter die Vereinbarung.
Escaline steht derzeit selbst unter erheblichem Druck seiner Gläubiger. Bei der Luxemburger Holding alleine sind 550 Mio. Euro Schulden aufgelaufen. Sie gehören zu einem einst von Credit Suisse arrangierten sogenannten Pay-in-Kind-Darlehen (PIK), bei dem erst zum Ende der Vertragslaufzeit im Jahr 2013 alle Zinsen auf einmal fällig werden - was die Schuldenlast auf 800 Mio. Euro anschwellen lassen würde. Zwei der PIK-Darlehensgeber, die Fondsunternehmen Eos und Viathon, versuchen jedoch nun, über eine Feststellungsklage in New York eine sofortige Fälligkeit des Darlehens zu erreichen und damit die Insolvenz Escalines einzuleiten. So erhielten die PIK-Gläubiger Zugriff auf die operativen Töchter Tele Columbus sowie Primacom.
Dem Branchendienst Debtwire zufolge hat das Oberste Gericht von New York bereits eine Anhörung für den 2. September anberaumt. Ob Eos und Viathon sich dort durchsetzen, ist aber nicht ausgemacht. Offenbar können die Fonds noch an Formalien scheitern.
Einen Erfolg der Klage muss vor allem Lanphere fürchten. Mit einer Insolvenz wäre er seines Investmentvehikels Escaline beraubt. Zudem hätte er keinen Einfluss mehr auf mögliche Verkaufsverhandlungen für Tele Columbus und Primacom. "Da kämpft gerade jeder mit jedem", sagte ein Insider.
Den Tele-Columbus-Gläubigern könnte allerdings ein Durchgriff der Escaline-Kreditgeber zupass kommen. Ihnen gilt Lanphere als das größte Hindernis für eine Restrukturierung der insgesamt gut 1,8 Mrd. Euro Schulden, die der Escaline-Orion-Konzern hat. Bislang sperrt Lanphere sich gegen die Versuche der Gläubiger, ihn ganz aus dem Konzern hinauszudrängen.