Er betont diesen radikalen Ansatz, obwohl sein Verlag von Zeitungen wie "Bild" oder "Welt" und Magazinen wie "Hörzu" lebt. Diese Printmedien müssen sich auf die zunehmende Nachrichtenverbreitung über digitale Medien einstellen. Deshalb besuche er regelmäßig Firmen, die entsprechende Technologien für sogenannte E-Papers entwickeln. "Wir sind viel ungeduldiger als die Hersteller selbst", so Döpfner im Gespräch mit der FTD. "Je schneller das geht, desto besser ist die Entwicklung für unser Geschäft."
Beim E-Paper geht es um Geräte, die Online-Informationen digital verarbeiten und auf neuartigen Displays so präsentieren, dass sie - etwa in sonnigen Straßencafés - mit dem Komfort des Papiers mithalten können. Obwohl die rasante Entwicklung im Medienmarkt sein ganzes Geschäftsmodell infrage stellen könnte, bleibt Döpfner zuversichtlich. Der Springer-Chef geht davon aus, dass er auch in Zukunft Mediennutzer dazu bringen kann, für Unterhaltung oder Information zu bezahlen. Ob die Informationen dann auf neuartigen Geräten anstelle von Papier konsumiert werden, sei für das Geschäftsmodell einerlei.
Döpfner geht davon aus, dass Medienkonzerne durch die Entwicklung künftig profitabler wirtschaften können: "Wir könnten Papier-, Druck-, Farb- und Vertriebskosten sparen, aber unser Geschäftsmodell würde das gleiche bleiben", sagte der Springer-Chef. "Redaktionelle Qualität wird das Entscheidende sein", so Döpfner. "Die digitale Entwicklung gibt uns ganz neue Möglichkeiten, in redaktionelle Inhalte zu investieren."
Döpfner grenzt sich mit seinen Aussagen von Branchenvertretern ab, die das Aussterben der traditionellen Zeitung beschwören und erwarten, dass die Digitalisierung zu völlig neuen Geschäftsmodellen führt. "Die deutschen Verleger neigen dazu, Selbstmord aus Angst vor dem Tod zu begehen, indem sie die Redaktionen nicht mehr an erste Stelle setzen", so Döpfner. "Man darf nicht damit anfangen, Redaktionen allein als Kostenfaktor zu betrachten." Allerdings bekommen auch Springer-Redakteure den Erlösdruck und Sparmaßnahmen zu spüren. So ist der Verlag dabei, einen Großteil der "Welt"-Redakteure in eine neue "Projektredaktion" auszulagern. Auf diese Weise soll die "Welt"-Gruppe einem positiven Ergebnis näherkommen.
Döpfner kritisiert Wettbewerber mit dem Hinweis auf Umwälzungen in der Banken- und Autobranche: "Im Unterschied zu manchen Vertretern unserer Branche haben deren Vertreter aber nicht gejammert und geklagt, sondern ihre Arbeit gemacht, um den Umbruch zu meistern." Den deutschen Verlegern fehle es an Kreativität.
Den neuen Medien, die den traditionellen Verlagen im Zuge der Digitalisierung als potenzielle Wettbewerber gegenüberstehen, schreibt Döpfner mittlerweile eine neue Rolle zu: "Google ist natürlich ein großer Konkurrent, aber auch ein potenzieller Partner für Medienunternehmen." Das fange bei den Copyrights an "und hört bei der Werbung nicht auf". Als Döpfner 2005 die TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1 schlucken wollte, hat er das mit der neuen Wettbewerbssituation durch Internetfirmen wie Yahoo , Ebay oder Google begründet.
Andere Verlagsmanager sehen durch Google die Alleinstellung der Zeitungsverlage im regionalen und lokalen Werbeverkauf in Gefahr. Denn der Suchmaschinenkonzern bietet ein System an, mit dem gezielt Werbung zu entsprechenden Informationen geschaltet wird und die Kosten nur nach Erfolg abgerechnet werden. Döpfner beschwichtigt dennoch. "Ich sehe nicht die Gefahr, dass Google eine dominierende Rolle im Anzeigengeschäft erreicht", sagt er. "Das würden schon die Werbekunden nicht dulden."
Döpfner sieht den künftigen Herausforderungen zwar optimistische entgegen, räumt aber ein, dass die digitale Umwälzung auch für Springer nicht einfach sei. Im Vergleich zur Internationalisierung der Geschäfte stelle die Digitalisierung den Verlag "vor die weitaus existenziellere Aufgabe", so Döpfner. "Hier geht es schlicht um die Zukunft unserer Geschäftsgrundlage."