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Merken   Drucken   20.12.2005, 14:13 Schriftgröße: AAA

Springer geht auf Kartellbehörde zu  

Der Axel Springer-Verlag hat dem Bundeskartellamt im Konflikt um die Pro Sieben Sat 1-Übernahme Zugeständnisse gemacht. Springer will sich von allen Beteiligungen trennen, an denen auch der Medienkonzern Bertelsmann Anteile hält. Experten gehen davon aus, dass die Bedenken der Wettbewerbshüter damit nicht ausgeräumt sind.
Mit einer Entflechtung der Überkreuzbeteiligungen wolle Springer die Bedenken der Wettbewerbsbehörde hinsichtlich des TV-Werbemarktes ausräumen, sagte eine Person aus dem Verlagsumfeld am Dienstag. Zur Disposition stehen damit unter anderem das gemeinschaftliche Tiefdruckunternehmen Prinovis, verschiedene Radiobeteiligungen wie etwa an Antenne Bayern oder Radio Hamburg sowie diverse Presse-Grosso-Beteiligungen. Springer wollte sich dazu nicht äußern. In mehreren Zeitungsberichten war bereits über weitere Zugeständnisse der Verlagsgruppe spekuliert worden.
Die Kartellbehörde hatte argumentiert, die Sender von Pro Sieben Sat 1 und die zu Bertelsmann gehörende Sendergruppe RTL teilten schon jetzt den TV-Werbemarkt mit einem Anteil von 80 Prozent weitgehend unter sich auf. Mit der Übernahme von Pro Sieben Sat 1 durch Springer käme es zu weiteren Verflechtungen, die dieses "wettbewerbslose Duopol" zementierten.
Problem "Bild"-Zeitung
Experten zufolge schwieriger auszuräumen sind die Bedenken des Bundeskartellamts hinsichtlich medienübergreifender, so genannter crossmedialer Vermarktungsmöglichkeiten durch eine Verbindung der auflagenstarken "Bild"-Zeitung von Springer mit der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1.
Die Kartellwächter argumentieren, dass Deutschlands größte Boulevardzeitung mit einer verkauften Auflage von 3,8 Millionen Exemplaren den Markt für Straßenverkaufszeitungen zu 80 Prozent beherrsche. Diese Macht könnte durch werbliche und redaktionelle Unterstützung der Pro Sieben Sat 1-Sendergruppe verstärkt werden.
Springer akzeptiert TV-Beirat
Um die Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen, wird Springer möglicherweise einem von der Medienaufsicht KEK vorgeschlagenen TV-Beirat zustimmen, der die volle Programmkontrolle erhält. Die Verhandlungen mit der KEK über einen TV-Beirat brachten das Kartellamt dazu, seine ablehnende Haltung zur Übernahme zu überdenken. Das Amt prüft nun bis zum 20. Januar, ob die Verhandlungen von Springer mit der KEK auch für die eigene Entscheidung relevant sind.
Allerdings stünden die Details der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) zur konkreten Ausgestaltung dieses Beirats und somit die Entscheidung von Springer noch aus, sagte eine Springer-Sprecherin. Mit Nachrichten der KEK rechnet sie noch für die laufende Woche. Dann werde Springer zügig entscheiden. Ein TV-Beirat habe nach Auffassung von Springer kartellrechtliche Relevanz, wenn er mit einer Senderlizenz verbunden und damit in einem festen Rechtsrahmen eingebunden sei, erläuterte die Sprecherin.
  • Reuters, 20.12.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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