Talente gibt es weltweit viele - nur gefunden werden sie oft nicht. Nicholas MacGowan von Holstein will das ändern: Erst vor wenigen Monaten kam der freie TV-Rechtehändler mit seinem Zwillingsbruder Daniel auf die Idee, die Erfolgsgeschichte von Youtube fortzuschreiben. Für den 26-Jährigen hat das inzwischen von Google übernommene Internet-Portal zwei wesentliche Nachteile: Gute Beiträge lassen sich nicht gezielt suchen, und außerdem kann man von einem einzelnen Video nicht unbedingt auf das Talent eines Users schließen.
Diese Lücke wollen die Brüder mit einer "Talent Community" nun ausfüllen: Auf ihrer Homepage www.talicious.com, die in diesen Tagen an den Start gegangen ist, stellen sich die Talente der Wertung der User. "Talicious" ist ein Wortspiel aus "Talent" and "delicious", also köstlich. Abgestimmt wird über ein ganzes Profil, nicht nur über ein Video, ein Bild oder eine sonstige Talentprobe. Je besser ein Profil bewertet wird, desto höher klettert es auf einer Rangliste. Und je prominenter es platziert wird, desto eher wird das Talent gefunden.
In einem Profil können zunächst bis zu drei Videos oder sechs Bilder hochgeladen werden. Es ist auch möglich, Schriftstücke und Hörbeiträge als Talentprobe auf die Site zu stellen. Für Premium-User soll es gegen einen Monatsbeitrag von 0,99 Euro mehr Speicherplatz geben. Der Betrag sei nur dazu da, um die Kosten zu decken, sagt MacGowan von Holstein.
Die Homepage richtet sich vor allem an eine junge Zielgruppe bis 29 Jahre. Sie soll nicht nur dazu dienen, dass sich Menschen mit ausgeprägten Talenten präsentieren können. Die Kategorisierung soll zusätzlich Unternehmen wie Modelagenturen, Radiosendern und Plattenfirmen helfen, neue Models, Moderatoren und Bands aufzuspüren. Es gibt mehr als zehn Kategorien, darunter Kunst, Design, Literatur, Musik und Sport. Diese sind wiederum in Subkategorien eingeteilt: Design gliedert sich etwa in Architektur, Innenraumgestaltung, Grafikdesign und noch einige mehr, Musik in 15 Genres sowie Sport in mehr als 20 Sportarten.
Die Site ist zunächst nur auf Englisch verfügbar, soll aber nach kurzer Zeit auch auf Deutsch erscheinen. Bei entsprechendem Bedarf denkt MacGowan von Holstein auch an Übersetzungen in andere Sprachen wie Französisch, Spanisch und Chinesisch.
Zunächst soll sich Talicious über Mund-zu-Mund-Propaganda und Einträge in Weblogs und Foren bekannt machen. Nach einer Anlaufphase will der Gründer auch Unternehmen für Kooperationen kontaktieren. Diese sollen nicht nur gezielt in den für sie interessanten Kategorien werben können, sondern auch Talentwettbewerbe starten.
"Ein Möbelhaus kann zum Beispiel Designer aufrufen, eine neue Wohnzimmereinrichtung zu kreieren, für einen Sportartikelhersteller könnte ein neuer Laufschuh geschaffen werden, oder ein Mobilfunkunternehmen startet einen Handy-Wettbewerb", nennt MacGowan von Holstein mögliche Beispiele. Als Preise könnten die Unternehmen zum Beispiel Jahrespraktika, Geldbeträge oder auch Sachpreise ausloben. Hauptziel sei natürlich, dass die Schöpfung des Siegers in eine Serienproduktion mündet.
Welchen Vorläufer es im Musikbusiness gibt