Was da gerade passiert auf der rauen See des freien Marktes, kann den Piraten nicht gefallen. Fast tatenlos müssen sie mit ansehen, wie das einstige Flaggschiff der illegalen Tauschbörsen im Internet, die Seite The Pirate Bay, Stück für Stück kommerzialisiert wird.
Vor Wochen bereits war bekannt geworden, dass das schwedische IT-Unternehmen Global Gaming Factory (GGF) die umstrittene Download-Suchmaschine für knapp 6 Mio. Euro übernehmen und legalisieren, also kostenpflichtig machen will.
Für die Kämpfer gegen das Urheberrecht war diese Nachricht ein Schlag ins Genick. Doch die Pläne von GGF gehen noch weiter. The Pirate Bay soll zur Marke werden und den neuen Inhabern eine Menge Geld bringen. Der Schriftzug wird künftig auf einer ganzen Palette von Produkten zu sehen sein. Längst haben die Käufer erkannt, welch ungeheures Potenzial in dem weltweit bekannten Label steckt. Und sie wollen Kapital daraus schlagen.
"Wir planen, eine ganze Modekollektion unter dem Namen auf den Markt zu bringen", sagt GGF-Chef Hans Pandeya. Erste Gespräche mit möglichen Partnern habe es bereits gegeben. Doch damit nicht genug: Glaubt man den Worten Pandeyas, wird es künftig auch Pirate-Bay-Wodka und Pirate-Bay-Lätzchen für Kleinkinder geben.
Noch ist die Übernahme nicht besiegelt. Endgültig wird darüber erst auf der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag entschieden. Laut Pandeyas ist das reine Formsache: "Wir haben so viele Investoren gefunden, dass wir das Geld bar auf den Tisch legen können", sagt er.
Im Zentrum des Geschäftsplans steht die Legalisierung des Downloads von Musik, Filmen und Büchern durch den Kauf der Urheberrechte. Pandeya rechnet damit, dass die ersten Lizenzvereinbarungen mit der internationalen Unterhaltungsindustrie binnen drei Monaten geschlossen sein werden. Derzeit laufen Verhandlungen mit der Urheberrechtsorganisation in Stockholm, dem schwedischen Pendant zur Gema. Tomas Ericsson, Chef der Abteilung Medien und internationale Märkte, ist zuversichtlich, obwohl es das erste Mal sei, "dass wir uns an einem solchen Projekt beteiligen".
Und die Piraten? Sie verlassen nach und nach das sinkende Schiff. Erst vor zwei Wochen gab Pirate-Bay-Mitgründer Peter Sunde in seinem Blog bekannt, dass er dem Projekt künftig nicht mehr als Sprecher zur Verfügung stehen werde. "Für mich endet damit eine kleine Ära. Ich werde meine Rolle aufgeben, um wieder eine Person sein zu können."