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Merken   Drucken   19.02.2010, 14:07 Schriftgröße: AAA

Trotz Rückzugsdrohung: Chinesen können noch immer googeln

Zensur und Hackerangriffe: Das war Google zuviel, die Amerikaner drohten mit Schließung ihrer dortige Seite. Doch inzwischen scheint ihr Ärger ein wenig verraucht zu sein. Derweil gibt es offenbar eine Spur zu den Übeltätern. von Annette Berger 
Der große Knall kam Mitte Januar: Nach vierjähriger Präsenz in China platzte Googles  Chefjustiziar David Drummond der Kragen. Im Internet kündigte er eine "neue Herangehensweise an China" an, so die Überschrift seines Blogeintrags.
Drummond beschwerte sich über groß angelegte Hackerangriffe, mit denen Betriebsgeheimnisse und Dissidenten-E-Mails ausgespäht würden. Zudem müsse die Zensur der Suchergebnisse beendet werden.
Google werde seine Geschäftsbeziehungen in China überdenken - was letztendlich die Schließung der Seite Google.cn und der dortigen Büros zur Folge haben könnte. Das Management werde in den folgenden Wochen mit der chinesischen Regierung beraten, ob und wenn ja auf welcher Grundlage eine unkontrollierte Suchmaschine im Rahmen der Gesetze betrieben werden könne.
In China wird Google derzeit mit Olympia-Illustration ausgeliefert   In China wird Google derzeit mit Olympia-Illustration ausgeliefert
Einen guten Monat ist das jetzt her. Die Seite ist nach wie vor am Netz - und es dürften nochmal Wochen vergehen, bis eine Entscheidung getroffen ist. "Unser Interesse liegt darin, dass wir in China bleiben", sagte ein Sprecher des Unternehmens am Freitag FTD.de.
Es gehe nicht darum, dass sich Google aus China zurückziehe, sondern darum, den Chinesen ungefilterte Suchergebnisse zur Verfügung zu stellen. Die Gespräche mit der Regierung in Peking dauerten an. Eine Entscheidung werde innerhalb einiger Wochen fallen. Ob es in der Zwischenzeit neue Hackerangriffe gegeben habe, könne er nicht mitteilen.
Schon im Januar hatten politische Beobachter bezweifelt, dass Peking den Forderungen der Amerikaner nach einem Ende der Zensur nachgeben werde. In den Jahren seit Googles Marktstart in dem asiatischen Land gab es zudem immer wieder Gespräche zwischen Regierung und Unternehmen, ohne dass die harschen Mediengesetze geändert wurden.
"Echte Kerle"
Der Fall Google ist ein Politikum. Weltweit wurde der US-Konzern im Januar für die Offenheit gefeiert. "Echte Kerle", hieß es anerkennend. Dabei wagte es das Unternehmen nicht, Peking direkt für die heimliche Späherei verantwortlich zu machen. Rückendeckung erhielt Google von US-Außenministerin Hillary Clinton, die im Januar eine Erklärung von Peking forderte.
Inzwischen scheint es eine Spur zu den Hackern zu geben. Die jüngsten Angriffe auf Internet-Seiten von Google und anderer US-Unternehmen könnten in zwei chinesische Elite-Hochschulen zurückverfolgt werden, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Personen.
Kursinformationen und Charts
  Google 591,53 USD  [-12.13 -2,01%
Eine Untersuchung habe ergeben, dass Angriffe in der Lanxiang Vocational School mit Verbindungen zum chinesischen Militär und der Shanghai-Jiaotong-Universität gestartet worden seien.
Erste Zugriffsversuche auf geschützte Daten seien im April des vergangenen Jahres registriert worden - viel früher als ursprünglich angenommen worden sei.
Google betreibt die weltweit meistbenutzte Suchmaschine, konnte sich aber in China bislang nicht gegen den länger etablierten Konkurrenten Baidu durchsetzen, dessen Marktanteil nach eigenen Angaben dort zuletzt bei deutlich mehr als 70 Prozent lag.
07:11:21 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Google 591,53 USD   -2,01%  -12.13
  • FTD.de, 19.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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