"Wir müssen als Musikunternehmen möglichst früh aktiv werden, wenn wir die Entwicklung des Markts für mobiles Fernsehen mitgestalten möchten", sagte Stefan Schulz der FTD. Schulz ist zuständig für das mobile Geschäft von
Universal Music in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Zunächst bietet der Musikkonzern den TV-Kanal über die Mobilfunktechnik UMTS zusammen mit Hutchison nur in Österreich an. Ein Marktstart in Deutschland sei im Frühjahr 2006 geplant, sagte Schulz. "Wir verhandeln zurzeit mit potenziellen Partnern."
Unternehmen suchen neue Einnahmequellen
Musikunternehmen bemühen sich verstärkt um den Einstieg in das Geschäft mit mobilen Diensten. Nachdem bereits der Klingeltonverkauf sowie das Herunterladen von Liedern und Videos auf Handys erfolgreich angelaufen sind, sollen künftig mobile TV-Dienste den Markt erweitern. Denn die Unternehmen suchen neue Einnahmequellen, nachdem sie aufgrund von Raubkopien und illegalen Internetdownloads starke Umsatzeinbrüche hinnehmen mussten.
Verbündete finden die Musikunternehmen in Europas Mobilfunkkonzernen, die Fernsehen per Handy als neue Erlösquelle entdeckt haben. "Wir möchten alle möglichen mobilen Musikdienste anbieten. Neben Klingeltönen und Video-Downloads gehört dazu auch Fernsehen", sagte Alexander Koppel, zuständig für Geschäftsentwicklung bei Hutchison in Österreich. Da das Wachstum im Mobilfunk nachlässt, suchen die Unternehmen nach neuen Umsatzträgern. "Für Mobilfunkgesellschaften kann Mobile TV ein interessantes Zusatzgeschäft werden", stimmte Erik Friemuth zu, Chef des Vodafone-Handyportals "Live". Schon jetzt strahlen
Vodafone , T-Mobile und
O2 TV-Clips über ihre UMTS-Netze aus, um den Markt zu testen.
Auch Viva tritt in mobilen Markt ein
Bislang stehen die Unternehmen bei mobilen TV-Angeboten vor etlichen Problemen. Der für das Handy-TV nötige Ausbau der Mobilfunktechnik UMTS lohnt sich nicht. Daher planen Konzerne wie Vodafone und T-Mobile den Aufbau der digitalen Fernseh- und Rundfunktechnik DVB-H. Doch noch müssen sie auf die nötigen Frequenzen drängen, die Technik finanzieren und die Fernsehsender mit lukrativen Geschäftsmodellen locken.
Der Musikkonzern Universal Music bietet seinen HipHop-Sender erst einmal über so genanntes UMTS-Streaming an. Er besteht aus Livesendungen mit Musikvideos, Konzertmitschnitten und Hintergrundmaterial zu Künstlern. Für 24 Stunden Fernsehen zahlt ein Nutzer eine Pauschale von 2 Euro. "Das ist kein Massenmarktpreis. Aber in der Klientel der Jugendlichen gibt es auch bei solch einem Preis eine Nachfrage", sagte Roman Friedrich, Telekomexperte bei Booz Allen Hamilton.
Einen zaghaften Schritt in den mobilen Markt unternimmt ab Oktober auch der Musiksender
Viva . Viva stellt seine Marke zur Verfügung, um gemeinsam mit dem Netzbetreiber
E-Plus einen neuen Mobilfunktarif in Deutschland anzubieten. Ein mobiler TV-Sender unter dem Viva-Logo ist noch nicht geplant. "Langfristig können wir uns das aber vorstellen", sagte Catherine Mühlemann, Deutschlandchefin des Musikkanals MTV, unter dessen Dach Viva sendet.