Doch wenn Gelbe wie Schwarze jetzt etwas betreten wirken, gibt es auch einen klaren Sieger der Acta-Episode: Die Taktik der "Netzgemeinde" und ihres politischen Arms, der Piratenpartei, ist voll aufgegangen. Sie wollten den Druck der Straße gegen Acta mobilisieren - und die Politik hat prompt gekuscht. Man habe die Unterzeichnung auch mit Blick auf Wählerstimmen verschoben, heißt es im FDP-Umfeld. Vergessen, dass das Bundeskabinett eigentlich am 30. November Acta zugestimmt hatte - auf Rat des federführenden Justizministeriums.
Seit dem Überraschungserfolg der Piraten in Berlin haben sich die etablierten Parteien vorgenommen, die sogenannte Netzgemeinde ernster zu nehmen. Sogar die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die im Wahlkampf gerade erlebt, dass die Netzpartei selbst im provinziellen Saarland gute Chancen hat, kritisiert die "vagen" Formulierungen des Acta-Abkommens. Auch der Twitter-begeisterte Unionsfraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (CDU) zeigte am Montag väterliches Verständnis für die "Sorgen der jungen Menschen". Und CDU-General Hermann Gröhe sieht in der Auseinandersetzung um Acta "erheblichen Aufklärungsbedarf".
Die große Mehrheit der Abgeordneten, die sich nicht permanent mit Netzpolitik beschäftigt, hatte letzte Woche zum ersten Mal das Wort Acta gehört - und erlebte schon kurz darauf, wie die Welle sie überrollte. "Die Reflexe sind völlig überzogen", klagt ein CDU-Mann. Fraktionsvize Michael Kretschmer hat das Abkommen noch einmal selbst gelesen. "Wenn man den Text mit den Verschwörungstheorien im Netz vergleicht, ist das ein dramatischer Unterschied", sagt Kretschmer. Er warnt davor, die Internetproteste zu überschätzen.