Die US-Journalisten Judith Miller und Matt Cooper
Der Richter Thomas Hogan ordnete die sofortige Inhaftierung Judith Millers in einem Gefängnis nahe der Hauptstadt Washington an. Dort müsse sie so lange einsitzen, bis sie zu einer Aussage bereit sei oder die Ermittlungen abgeschlossen seien. Diese könnten noch bis Oktober andauern. "Es gibt immer noch die realistische Möglichkeit, dass die Beugehaft sie zur Aussage bewegt", sagte Hogan. Der Fall hat internationale Kritik am Umgang mit der Pressefreiheit in den USA erregt.
Wegen der Enttarnung der Agentin Valerie Plame vor zwei Jahren suchen Ermittler nach einer undichten Stelle. Miller sagte vor Gericht, sie wolle nicht ins Gefängnis, habe aber keine andere Wahl, als ihre Quelle zu schützen. "Wenn man Journalisten nicht vertrauen kann, dass sie Geheimnisse wahren, dann können Journalisten nicht arbeiten, und es kann keine freie Presse geben", sagte sie. "Ich sage nicht leicht Vertraulichkeit zu. Aber wenn ich es tue, muss ich mich auch daran halten."
"Wie kann ich sonst erwarten, dass Menschen mir meine Zusagen abnehmen", fragte Miller. "Euer Ehren, in diesem Fall kann ich mein Wort nicht brechen, nur um nicht ins Gefängnis zu gehen." Die Reporterin stellte klar, sie stelle sich nicht über das Gesetz, und sie habe reiflich über ihren Entschluss nachgedacht. Dieser Entschluss sei aber nötig, um zur Wahrung der freien Pressearbeit beizutragen.
Chefredakteur steht hinter Mitarbeiterin
Als der Richter seinen Beschluss verkündete, zeigte Miller keine Gefühlsregung. Ein Anwalt legte seinen Arm um ihre Schultern. Der Richter beharrte, die Journalistin müsse mit der Justiz zusammenarbeiten. Die Aussage zu verweigern, könne Behinderung der Justiz sein. Arthur Sulzberger Jr, Herausgeber der "New York Times", stellte sich hinter seine Mitarbeiterin. Er teilte mit: "Manchmal verlangt das hohe Gut unserer Demokratie einen Akt des Gewissens. Judy hat sich zu solch einem Akt entschlossen, um ihre Zusage der Vertraulichkeit zu halten."
Der ebenfalls von Beugehaft bedrohte Journalist Matthew Cooper vom Magazin "Time" konnte unterdessen den Gang ins Gefängnis im selben Fall in letzter Minute vermeiden. Er sagte vor Gericht, er habe von seiner Quelle die ausdrückliche Zustimmung erhalten, dessen Identität preiszugeben. "Daher bin ich bereit auszusagen." Ob es sich bei dem Informanten um dieselbe Person handelt, von der auch Miller den Namen der Agentin erhielt, war zunächst unklar.
Enthüllungsreporter schweigt
Miller und Cooper waren an der Enttarnung nicht direkt beteiligt, recherchierten aber nach Veröffentlichung des Namens. Ein Sonderermittler hatte von den Reportern Angaben über ihre Gesprächspartner verlangt. Der Kolumnist, der den Namen der Agentin enthüllte, Robert Novak, ist auf freiem Fuß. Er hatte sich bislang geweigert zu sagen, ob er vor dem Sonderermittler Angaben über seine Quelle gemacht hat.
Cooper schrieb einen Artikel für "Time", in dem Plames Name erwähnt wurde. Wenige Tage vor der Enttarnung der Agentin hatte deren Mann, ein ehemaliger Botschafter, die offizielle Begründung für den Irak-Krieg bezweifelt. Miller sammelte Material über den Sachverhalt, veröffentlichte aber nichts.