US-Onlinezeitung:Huffington Post entert Frankreich
Die US-Onlinezeitung gründet ihre erste nicht-englischsprachige Ausgabe. Damit versucht der Mutterkonzern AOL in Europa wieder Fuß zu fassen. Auch eine Expansion nach Deutschland ist geplant.
von Leo KlimmParis
Die im Februar von AOL übernommene Internetzeitung "Huffington Post" setzt ihre weltweite Expansion fort - und gründet in Frankreich ihre erste nicht-englischsprachige Ausgabe. Zusammen mit "Le Monde" startet die US-Firma in der zweiten Novemberhälfte "lehuffingtonpost.fr". Eine entsprechende Vereinbarung mit der einflussreichsten Zeitung Frankreichs unterzeichnete Gründerin Arianna Huffington gestern in Paris.
Arianna Huffington
AOL versucht über die "Huffington Post" wieder in Europa Fuß zu fassen. Der angeschlagene Webpionier hatte sich 2010 fast ganz zurückgezogen. Lediglich bei der Vermarktung von grafischer Internetwerbung trat AOL nicht den Rückzug an. Über die "Huffington Post" dürfte AOL nun wieder verstärkt im Onlinewerbemarkt in Europa mitspielen wollen. Die Seite finanziert sich allein über Anzeigen. In den USA erreicht die HuffPo monatlich mehr als 25 Millionen Nutzer - und zählt beinahe so viele wie die renommierte "New York Times". Damit ist sie eine der meistgenutzten US-Nachrichtenseiten. Anfang des Jahres hatte AOL die Seite für 315 Mio. Dollar übernommen.
Nachdem im Sommer eine kanadische und eine britische Version der Onlinezeitung gegründet wurden, soll Frankreich die Blaupause für weitere nicht-englische Ausgaben liefern. Die Übertragung des US-Konzepts in andere Sprachen gilt wegen kultureller Unterschiede als anspruchsvoll. Um den Mangel an Erfahrung in fremdsprachigen Märkten auszugleichen, will Huffington sich bei ihrer Expansion daher immer mit einheimischen Partnern verbünden. "Die Seite muss jeweils richtig französisch, deutsch oder spanisch sein", sagte sie. Der Pariser Ableger sei ein "erster Vorstoß in die Euro-Zone".
Während sie offenbar noch keine Verhandlungen über eine deutsche Ausgabe führt, soll eine spanische Version ihren Angaben zufolge spätestens Anfang 2012 online gehen. In den nächsten Tagen wolle sie zudem Gespräche mit italienischen und türkischen Partnern aufnehmen.
Mit Frankreich hat sich Huffington einen günstigen Testmarkt ausgesucht: Das traditionelle Siechtum der Zeitungen hat die Entwicklung einer Szene unabhängiger Onlineangebote wie Rue89 oder der Bezahl-Website Mediapart befördert. Beide Titel wurden von Ex-Journalisten etablierter Blätter gegründet und gelten als wirtschaftlich relativ erfolgreich. Damit ist einerseits das Feld für Huffington bereitet. Andererseits muss sie bei Angriffen auf diese kleinen Seiten oder auf reichweitenstarke Titel wie lefigaro.fr nicht mit massiver Gegenwehr der Medienkonzerne rechnen - wie dies in Deutschland der Fall wäre.
"Le Monde" bringt in die Kooperation mit der Huffington Post nicht seine Onlineausgabe, wohl aber den Ableger "lepost.fr" ein. Neben der Zeitung wird mit dem Banker Matthieu Pigasse auch einer ihrer Gesellschafter direkt an der französischen Huffington Post beteiligt. Weitere Details über Eignerstruktur oder Investitionssummen wurden nicht bekannt.
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