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Merken   Drucken   27.01.2012, 14:10 Schriftgröße: AAA

US-Onlinezeitung: Huffington Post sucht Erfolg im Ausland

Mit ihrer neuen Tochter könnte AOL wieder zurück auf den deutschen Medienmarkt finden. Doch namhafte Verlage sollen das das Angebot einer Partnerschaft bereits abgelehnt haben. von Matthias Lambrecht und Andrea Rungg, München
Deutschland steht ganz oben auf Arianna Huffingtons Liste. Neben Japan, Brasilien, Griechenland und der Türkei. In diesen Ländern verhandelt die Gründerin des US-Nachrichtenportals Huffington Post mit möglichen Partnern über weitere Ausgaben. "Wir konzentrieren uns darauf, international zu wachsen", so Huffington im Gespräch mit der FTD, nachdem sie am Montag dieser Woche mit Le Huffington Post in Frankreich gestartet ist. Auch in Großbritannien und Kanada gibt es bereits nationale Ableger.
Huffington steht unter Erfolgsdruck, denn auf dem Heimatmarkt stagniert das Wachstum der AOL -Mediensparte trotz der 315 Mio. Dollar teuren Übernahme der Huffington Post vor einem Jahr. Zwar konnte das Nachrichtenportal selbst bei der Nutzerzahl um mehr als 50 Prozent zulegen. Doch für die gesamte Gruppe, zu der etwa auch der Kartendienst Mapquest oder das Technologieblog Techcrunch gehören, weist der jüngste AOL-Quartalsbericht in den vorangegangenen zwölf Monaten eine Stagnation bei 97 Millionen monatlichen Nutzern aus.
Arianna Huffington glaubt fest daran, dass ihr Mix aus Blogs und ...   Arianna Huffington glaubt fest daran, dass ihr Mix aus Blogs und Nachrichten auch außerhalb der USA funktioniert
Auch die Profitabilität dürfte unter den kräftigen Investitionen in den Aufbau der Huffington-Post-Redaktion gelitten haben. Allein im vergangenen Jahr wurden 200 neue Mitarbeiter eingestellt, die US-Mannschaft damit verdoppelt. Mit der Übernahme durch AOL ist die Gründerin zur Chefredakteurin des Konzerns aufgestiegen. AOL könnte dank Huffington Post die Rückkehr nach Deutschland gelingen. Der schwächelnde Internetpionier hatte sich hier 2007 zurückgezogen.
In den nicht englischsprachigen Ländern sucht Huffington nach Partnern. Für den Erfolg sei eine Verwurzelung mit der jeweiligen Kultur unabdingbar, das gelinge schneller und effektiver, wenn man kooperiere, sagte sie. In Frankreich konnte die Tageszeitung "Le Monde" gewonnen werden. In Spanien und Italien will Huffington im März gemeinsam mit "El País" und "La Repubblica" starten.
In Deutschland gebe es mehrere Verlage, die um eine Partnerschaft mit der Plattform buhlten, so Huffington. Branchendiensten zufolge soll Spiegel Online eine Zusammenarbeit abgelehnt haben. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner ist ein Kritiker der Verwendung fremder Inhalte, die zum Konzept der Huffington Post gehört. Kandidat könnte der Münchner Konzern Hubert Burda Media sein, der Huffington auf seinem Internetkongress DLD einen Preis für ihre unternehmerischen Leistungen verlieh.
Ihr Erfolgsrezept glaubt Huffington ohne Abstriche übertragen zu können. So fanden sich in Frankreich 200 Blogger, die ihr wie in den USA unbezahlt die Seiten füllen. Auch in Deutschland will sie auf ihrer Website die Inhalte anderer Medien zusammenfassen und verlinken.
Von Kritikern wie Döpfner lässt sich Huffington nicht irritieren: "Manche Leute betrachten das Internet immer noch wie das traditionelle Zeitungsgeschäft, aber es funktioniert ganz anders", sagt sie. "Wir bringen unseren Wettbewerbern mehr Nutzer - das ist kein Nullsummenspiel."

Auf in die Welt Amerika Im Mai 2005 geht The Huffington Post als Plattform für Nachrichten und Kommentare online. Neben einer US-weiten Ausgabe entstehen ab 2008 auch lokale Versionen, etwa in Los Angeles, New York und Detroit.
AOL Im Februar 2011 gibt der Internetkonzern AOL den Kauf der Huffington Post für 315 Mio. Dollar bekannt. Kritiker fürchten seitdem um die redaktionelle Unabhängigkeit des Portals.
Ausland Im Mai 2011 expandiert das Portal mit der ersten Auslandsausgabe nach Kanada. Bald darauf folgt ein weiterer Ableger in Großbritannien. Anfang dieser Woche startet die Huffington Post mit "Le Monde" als Partner in Frankreich. In Deutschland spekulieren Branchenkenner über ein Bündnis mit dem Münchner Medienkonzern Burda.
  • Aus der FTD vom 28.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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