Jacques-Antoine Granjon ist eigentlich kein Mann, der sich versteckt; so auffällig, wie sich der Franzose kleidet und frisiert, so mutig vertritt er auch seine Ziele mit seinem Onlinehändler Vente-privee. Seit vergangenem November will Granjon mit Rabatten auf Markenartikel auch die USA erobern. Einen Umsatz von 500 Mio. Dollar gab er damals als mittelfristiges Ziel aus - ein Wert, an den der Gründer nicht mehr gern erinnert wird. "Dieses Ziel ist nicht unrealistisch, aber es ist unsicher", sagt Granjon im FTD-Gespräch.
Das französische Unternehmen Vente-privee ist einer der wenigen europäischen Internet-Konzerne, die den Sprung in die USA gewagt haben - und zeigt beispielhaft die Probleme, die eine Expansion über den Atlantik mit sich bringt. Mit einem Umsatz von 1,1 Mrd. Euro 2011 gehört die Plattform zu den Großen der Branche. Der bei Weitem größte Anteil aber entfällt noch immer auf den Heimatmarkt Frankreich, obwohl Vente-privee auch in Deutschland aktiv ist. Dennoch sagt Granjon 2012 ein Wachstum von 20 Prozent voraus.
Geschäfte macht Vente-privee als eine Art Outletstore für das Internet. Die Franzosen handeln mit bekannten Marken Rabatte für überschüssige Waren aus und verkaufen diese über ihre Website. Um Kleidung, Schmuck aber auch Autos oder Reisen angemessen zu präsentieren, betreibt der Konzern über 60 eigene Foto-, Film- und Musikstudios. Mit 1500 Marken arbeitet Vente-privee zusammen, darunter Hugo Boss , Armani und Dolce & Gabbana, die Preise liegen 50 bis 70 Prozent unter dem ursprünglichen Verkaufswert. Ein erfolgreiches Konzept: "Unser Umsatz 2012 wird die 1,2 Mrd. Euro übersteigen", sagt Granjon.
Und dennoch hat der 50-Jährige ein Problem. 2010 machte Vente-privee einen Umsatz von 795 Mio. Euro Umsatz in Frankreich - in Deutschland war es rund ein Zehntel davon. "Wir sind eben ein französisches Unternehmen", sagt Granjon. "Wir müssen unsere DNA an andere Länder anpassen, aber es dauert." Das Wachstum in Frankreich gehe auch auf eine breitere Produktpalette zurück mit Wein, Eintrittskarten und Gutscheinen. In Deutschland seien die Menschen skeptisch - der französische Firmenname helfe auch nicht gerade bei der Verbreitung.
Neben Frankreich und Deutschland ist Vente-privee noch in Spanien, Großbritannien, Italien, Österreich, Belgien, den Niederlanden und den USA aktiv. Weitere Expansionen seien derzeit nicht vorgesehen, sagt Granjon. "Wir haben 2,5 Millionen Besucher pro Tag auf der Seite, verkaufen aber nur 100.000 Produkte in Europa pro Tag", rechnet der Chef vor. "Das ist viel, doch 2,4 Millionen Leute sind gekommen, aber haben nichts gekauft."
Zurückhaltend sieht Granjon das US-Geschäft, wo Vente-privee mit der Kreditkartenfirma American Express zusammenarbeitet und damit Zugang zu 40 Millionen Kunden hat. "Es wird Zeit und Geld kosten, sich dort durchzusetzen", sagt er. Nur einmal habe er gesagt, er wolle in den USA nach fünf Jahren einen Umsatz von 500 Mio. Euro erwirtschaften. Seitdem werde damit immer wieder zitiert. Aktuelle Zahlen will er nicht nennen. "Wir machen Umsatz, aber nicht genug." Ob die einstigen Ziele erreicht werden, sei erst in einem Jahr abzuschätzen.
Einen Fehler will Granjon auf jeden Fall vermeiden: Seinen Kunden mehr Angebote zu unterbreiten, um kurzfristig zu wachsen. Um das zu verdeutlichen, grenzt er sich vom amerikanischen Rabattportal Groupon ab, das immer wieder wegen geplatzter Aktionen in der Kritik steht. "Bei Groupon ist dauernd Happy Hour", sagt Granjon. "Aber sie haben keine Kontrolle über die Qualität." Vente-privee verzichte lieber auf ein Geschäft, als Ärger mit einem Herstellern oder Kunden zu riskieren. "Wir sind das Anti-Groupon."