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Merken   Drucken   21.08.2011, 21:01 Schriftgröße: AAA

Videodownload: Wal-Mart wird zum Filmhändler

Dem Handelskonzern ist der Sprung in die Digitalisierung geglückt: Kein Unternehmen verkauft in den USA mehr DVDs. Zudem hängt Wal-Mart etablierte Größen wie Sony und Amazon bei Videodownloads ab. Der Abstand zu Apple ist jedoch noch groß.
© Bild: 2011 Bloomberg/Bloomberg
Dem Handelskonzern ist der Sprung in die Digitalisierung geglückt: Kein Unternehmen verkauft in den USA mehr DVDs. Zudem hängt Wal-Mart etablierte Größen wie Sony und Amazon bei Videodownloads ab. Der Abstand zu Apple ist jedoch noch groß.
Wal-Mart  ist in den USA zu einem der größten Onlineanbieter von Filmen aufgestiegen. Der Einzelhändler hat einer aktuellen Untersuchung zufolge etablierte Konkurrenten wie Sony  und Amazon  überholt und ist direkter Konkurrent von iTunes, dem marktbeherrschenden Onlineladen von Apple .
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Es ist einer von wenigen Fällen, in denen ein Händler seine führende Stellung im Stationärgeschäft in die Onlinewelt zu retten scheint - und das in einem sich besonders radikal wandelnden Segment: Im Musik- und Buchgeschäft in den USA war die Verlagerung des Umsatzes ins Internet in besonders kurzer Zeit erfolgt, im Filmverleih hat dieser Wandel begonnen. Der Trend hat etwa die einst führende Videoverleihkette Blockbuster ruiniert. Die Veränderung war auch deshalb so radikal, weil das Produkt selbst angepasst wurde: Während andere Handelsgüter wie Kleidung immerhin noch verschickt werden müssen, werden Medien inzwischen rein virtuell verkauft - also nicht mehr als Buch oder CD, sondern als Datei. In Europa leidet etwa Metros  Elektronikkette Media-Saturn unter wachsender Onlinekonkurrenz, auch große Buchhändler wie Thalia sind mittelfristig gefährdet.
Wal-Mart ist es gelungen, seine starke Stellung in die neue Welt zu retten. Bei DVDs hatte 2010 kein Unternehmen in den USA mehr als Wal-Mart verkauft, wie der Marktforscher IHS Screen Digest errechnet hat. Der Umsatz soll 3,5 Mrd. Dollar betragen haben. Die Zahlen liegen der Financial Times vor. Gleichzeitig hatte der weltweit größte Einzelhändler aber auch energisch seine Onlinepräsenz ausgebaut, etwa durch die Übernahme des Videostreamingdiensts Vudu im vergangenen Jahr und durch Preisreduzierungen bei digitalen Filmen. Kam Vudu in der ersten Jahreshälfte 2010 noch auf ein Prozent Anteil auf dem Markt für digitale Filme, waren es in der ersten Jahreshälfte 2011 IHS zufolge 5,3 Prozent. Zu dem Marktsegment gehören digitale Downloads und Onlinefilmverleih.
Leidtragender von Wal-Marts Onlineerfolg war den Marktforschern zufolge vor allem Sonys Playstation. "Vor allem wegen Vudu ist das Onlinegeschäft der Sony Playstation von den ersten drei Plätzen gefallen", sagte Arash Amel, Autor des Berichts. "Das Datenleck, das Sonys Onlinespielnetzwerk in der ersten Jahreshälfte (2011) schließen musste, hatte schädliche Folgen für das Geschäft des Playstation-Ladens." Aber auch die Nummer zwei unter den Onlinefilmhändlern, Microsoft , musste abgeben. Der Marktanteil des Microsoft-Angebots Zune Video Marketplace betrug 16,2 Prozent nach 18,5 Prozent im Vorjahreshalbjahr.
Aus der jetzigen Position heraus hat Wal-Mart allerdings gleichzeitig noch einen weiten Weg vor sich, bis die Führungsposition von Apple ernsthaft in Bedrängnis gerät. Apple steigerte seinen Marktanteil leicht von 64,9 auf 65,8 Prozent.
Der digitale Filmvertrieb ist ein Wachstumsmarkt, auch wenn das Geschäft noch einen Bruchteil der Einnahmen bringt, die mit physischen Medien erzielt werden. Zu Spitzenzeiten vor fünf Jahren kam der DVD-Markt auf 20 Mrd. Dollar Jahresumsatz. In der ersten Hälfte 2011 wurden in den USA für 229 Mio. Dollar Filme online verkauft oder geliehen.
Anbieter suchen derzeit noch nach dem richtigen Vertriebsmodell. So hat sich der Internethändler Amazon von einem Onlinefilmverkäufer zu einem Dienst gewandelt, bei dem Videos auf Abruf über das sogenannte Streaming angesehen werden können. Kunden des Premiumangebots Amazon Prime können 9000 Filme und Fernsehsendungen abrufen. Parallel dazu hat Amazon nach Vereinbarungen mit den US-Medienkonzernen CBS  und NBC Universal die Zahl der Filme und Fernsehsendungen erhöht, die über seine Onlinevideothek erhältlich sind. Inzwischen können bei dem Einzelhändler 100.000 Titel online geliehen oder gekauft werden.
Unterdessen rückt ein Verkauf des Onlinevideoportals Hulu näher. Interessenten sollen demnächst erste verbindliche Angebote für das von den Medienfirmen NBC Universal, Walt Disney  und News Corp.  betriebene Unternehmen einreichen.
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  • Aus der FTD vom 22.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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