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Merken   Drucken   27.01.2010, 16:51 Schriftgröße: AAA

Vorratsdatenspeicherung: Leben in der Freidatenkultur  

Kommentar Die Vernichtung unserer Privatsphäre können auch die Verfassungsrichter nicht mehr aufhalten. Es wird Zeit, sich darauf einzustellen, dass jeder von jedem nahezu alles weiß. von Dirk Burmester
In den nächsten Wochen wird das Karlsruher Ritual uns wieder in falscher Sicherheit wiegen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Verfassungswächter die Vorratsdatenspeicherung zu Fall bringen. Tatsächlich aber können sie die Vernichtung unserer Privatsphäre nicht aufhalten. Längst sammeln so viele Behörden, Konzerne und Organisationen unsere Daten, dass der Umgang damit unkontrollierbar ist. Ob absichtlich, aus Versehen oder durch Kriminelle - alles, was über uns gespeichert wird, steht unter Veröffentlichungs- und Kopiergefahr. Es wird Zeit, sich auf ein Leben ohne Datenschutz einzustellen.
Beim elektronischen Kauf von Büchern, Dessous oder Aktien werden unsere Ansichten, Präferenzen und Hobbys gespeichert, immer mehr Kameras erfassen unsere Gesichter. "Leserreporter" befriedigen gleichermaßen ihr Geltungsbedürfnis und ihren Voyeurismus. Wir werden geortet durch Handys, Mautsysteme oder RFID-Funkchips in Pässen und Tickets. Internetkontrollen, soziale Netzwerkanalyse, zentrale Speicherung von Gesundheit und Arbeitsleben - die Beispiele sind endlos, die Gründe aber überschaubar. Schuld sind nicht bloß gedankenlose Politiker und skrupellose Manager. Schuld daran sind wir selbst, weil wir unsere Privatsphäre freiwillig aufgegeben haben.
Offenlegung des Privaten längst normal
Warum? Erstens, weil es bequem ist. Wir spüren keinen Verlust, wenn wir die Bonuskarte zücken. Zweitens, weil wir uns an die Veröffentlichung des Privaten gewöhnt haben, bei Nachmittagstalkshows und "Big Brother", auf Facebook und am Handy in der U-Bahn.

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  • FTD.de, 27.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 28.01.2010 14:30:39 Uhr   devfx: Leben in der Freidatenkultur

    Tolle Vision. Mit der gezeigten Einstellung des Autors sind wir nicht mehr weit weg von dem Teil der Geschichte in Deutschland, den wir schon längst hinter uns geglaubt haben. Fehlt nur noch "der Richtige" in Berlin um die staatlich zentralisierten persönlichen Daten für sich gewinnbringend zu nutzen.
    Schöne Perspektive.

  • 27.01.2010 19:12:01 Uhr   Jörn Giest: Freidatenkultur - aber nur für die Kapitalis...
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