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Merken   Drucken   02.06.2011, 09:00 Schriftgröße: AAA

Webdienst für Übernachtungen: Onlineportal Airbnb schafft Durchbruch

Die Website vermittelt Privatunterkünfte und promotot sich bei Investoren als Soziales Netzwerk. Der Erfolg: 100 Mio. Dollar in der Kasse und eine Bewertung von 1 Mrd. Dollar. von Matthias Ruch  New York
Der Onlinedienst Airbnb.com, über den Nutzer private Unterkünfte für Übernachtungen anbieten und buchen können, soll mehr als 100 Mio. Dollar an frischem Kapital eingesammelt haben. Dies berichten US-Medien aus Unternehmenskreisen. Die Startup-Firma aus San Francisco würde danach mit gut 1 Mrd. Dollar bewertet und will nun "aggressiv in Europa wachsen", sagte Firmenchef Brian Chesky der Financial Times: Er übernimmt den deutschen Klon Accoleo und eröffnet damit sein erstes Auslandsbüro mit 30 Mitarbeitern in Hamburg.
Für Aufsehen sorgte Airbnb zuletzt mithilfe des US-Schauspielers Ashton Kutcher, der zu den prominenten Investoren zählt und als Strategieberater verpflichtet wurde. Der Onlineanbieter definiert sich selbst als soziales Netzwerk und als Marktplatz für außergewöhnliche Unterkünfte in 13.000 Städten und mittlerweile mehr als 180 Ländern.
"Ein Haus ist ein sehr privater Platz"   "Ein Haus ist ein sehr privater Platz"
Die Investitionen in Airbnb bestätigen den Trend zur Kommerzialisierung von Internetdiensten, die Tauschgeschäfte und Dienstleistungen zwischen Privatleuten und Suchenden vermitteln. Dazu zählen auch Dienste wie Relayrides oder Getaround, über die private Autos genutzt werden können. Andere Plattformen, die etwa die gemeinsame Nutzung teurer Werkzeuge oder die Weitergabe von Babykleidung vermitteln, verzeichnen ebenfalls rasant steigende Nachfrage. "Die Idee, das Teilen und Tauschen von Dingen über das Internet zu vermitteln und daraus ein Geschäft zu machen, steht vor dem Durchbruch", sagt die Branchenexpertin Katie Fehrenbacher vom Analysehaus Gigaom voraus. "Einer der Gründe dafür ist die schwache Wirtschaftslage. Wenn die Zeiten schlecht sind, kaufen die Leute keine Dinge neu, die sie nachher nur gelegentlich brauchen. Das beflügelt den Tauschhandel über das Internet."
Voraussetzung für einen erfolgreichen Start von Anbietern wie Airbnb ist das Vertrauen der Nutzer in die Seriosität des Anbieters. "Ein Haus ist ein sehr privater Platz", sagte Kutcher. "Man braucht großes Vertrauen, um daraus ein Angebot für Konsumenten zu machen." Der Schauspieler gilt als Internetenthusiast und hatte mit zahlreichen privaten Meldungen bereits dem Online-Kurznachrichtendienst Twitter beim Durchbruch geholfen.
Auslöser für die Gründung von Airbnb war eine große Konferenz in San Francisco. Damals waren alle günstigen Hotels ausgebucht, sodass Firmengründer Chesky und drei weitere Teilnehmer bei einem Kollegen auf Luftmatratzen schlafen mussten.
Hinter dem Durchbruch von Airbnb stehen namhafte Investoren wie Andreessen Horowitz, Youniversity Ventures und der russische Geldgeber Digital Sky Technologies. Anfangs hatte der heutige Firmenchef Chesky bei seiner Suche nach Kapital fast nur Absagen kassiert: Niemand würde sein Haus über das Internet einem Fremden überlassen, warnten die Kritiker. Doch Chesky behielt recht. Seit der Gründung 2008 ist Airbnb stetig gewachsen. Für kommerzielle Hotels wird der Anbieter nun zu einem ernsthaften Konkurrenten. Allein 2010 konnte Airbnb um 800 Prozent wachsen und Provisionen für 1,6 Millionen Übernachtungen einstreichen.
In Europa versuchen die deutschen Anbieter Gloveler.com und 9flats.com mit vergleichbaren Konzepten den Markt zu erobern. 9flats hat derzeit knapp 10.000 Apartments in 40 Ländern im Angebot, zu den 20.000 Mitgliedern kommen nach eigenen Angaben täglich 500 neue hinzu. Der US-Investor Redpoint hat sich kürzlich mit 29 Prozent an der Plattform beteiligt. Niederlassungen in Asien und Lateinamerika sind geplant - aus den USA wollen sich die Deutschen zunächst aber fernhalten. Gegen Airbnb, fürchten sie, kämen sie nicht mehr an.
  • FTD.de, 02.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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