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Merken   Drucken   29.11.2010, 18:04 Schriftgröße: AAA

Wegen "Freundefinder": Verbraucherzentrale verklagt Facebook

Neuer Ärger für Facebook: Verbraucherschützer verklagen den Onlinedienst, weil sie den Schutz privater Daten gefährdet sehen. Facebook will wohl über Änderungen sprechen - aber nicht mit den Klägern.
Deutsche Verbraucherschützer legen sich mit dem weltgrößten Online-Netzwerk Facebook an. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) will den US-Konzern vor Gericht zwingen, keine E-Mail-Adressen von Nichtmitgliedern mehr abzugreifen.
Die Organisation sieht den Datenschutz und die Verbraucherrechte durch Facebook-Funktionen wie die Suche nach Freunden verletzt, teilte der VZBV am Montag in Berlin mit. Das Internet-Netzwerk sei "beratungsresistent" und habe eine Abmahnung ignoriert. Facebook wies die Vorwürfe zurück und betonte, mit Datenschützern im Gespräche zu sein.
Die Verbraucherschützer prangern vor allem den "Freundefinder" von Facebook an. Diese Funktion verleite Nutzer dazu, Facebook sämtliche E-Mail-Kontakte preiszugeben. So wird es einerseits leichter, eigene Bekannte in dem Netzwerk zu finden. Doch der Import des E-Mail-Adressbuches macht es auch möglich, diejenigen Kontakte zu Facebook einzuladen, die dort noch nicht registriert sind - und das vielleicht auch nicht wollen.
Die E-Mail-Adressen würden dann dazu genutzt, die Freunde auf Facebook einzuladen, damit sie sich dort registrieren. "Dies erfolgt ohne die erforderliche Einwilligung der Eingeladenen", schreibt der VZBV. Das verstoße gegen Bestimmungen aus dem Paragrafen 4 im Bundesdatenschutzgesetz und dem Paragrafen 13 im Telemediengesetz.
Auf die Aufforderung zur Nachbesserung - gestellt per Abmahnung - habe die Internetplattform nicht reagiert. "Wir sehen uns daher gezwungen, die Einhaltung von Verbraucher- und Datenschutzstandards gerichtlich zu erzwingen", sagte VZBV-Vorstand Gerd Billen.
Verbraucherschützer wollen Facebook verklagen   Verbraucherschützer wollen Facebook verklagen
Nutzer als Agenten und Lockvögel gleichzeitig eingesetzt?
Facebook wollte sich nicht umfassend äußern, weil die Klage noch nicht im Detail vorliege. Gleichzeitig verwies ein Sprecher auf Gespräche mit dem für Facebook zuständigen Datenschutzbeauftragten in Hamburg, Johannes Caspar. Dabei gehe es auch um den "Freundefinder". Der Sprecher sagte weiter: "Wir sind erstaunt, dass der VZBV so vorgeht, weil Facebook Marktführer darin ist, seine Nutzer mit Möglichkeiten zu versorgen, die die Kontrolle ihrer Daten und den Schutz ihrer Privatsphäre im Internet erlauben."
Datenschützer Caspar war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. In einem Essay zum Thema, der im Internetauftritt seiner Behörde zu lesen ist, sprach er vor kurzem von einer illegalen Strategie. "Die Nutzer werden als Agenten und Lockvögel gleichzeitig eingesetzt", schreibt Caspar. Und weiter: "Facebook sammelt und verknüpft Daten hinter dem Rücken von Menschen und verfügt daher über Beziehungsprofile großer Teile der Bevölkerung. Die importierten Kontakte durch die eigenen Nutzer sind der Rohstoff für das Wissen darüber, wer wen kennt."
Neben dem "Freundefinder" kritisiert der VZBV auch, dass Facebook Drittanbietern den Zugriff auf Kontaktdaten erlaube. Das sei etwa bei Spielen auf Facebook möglich, die dort von anderen Firmen angeboten werden. Außerdem informiere Facebook unzureichend über Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen - für diese Benachrichtigungen müsse sich der Nutzer erst auf einer entsprechenden Seite registrieren.
Der VZBV hatte die Klage schon vor einigen Tagen eingereicht. "Das war bereits am 11. November", sagte die zuständige Referentin im Bundesverband, Carola Elbrecht. Da Facebook erst Stellung nehmen müsse, gehe sie nicht davon aus, dass sich vor Gericht noch dieses Jahr etwas tue. Nach Elbrechts Worten hatte der VZBV vor der Klage Kontakt mit dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Caspar. "Wir hatten da auf Arbeitsebene einen Austausch", sagte sie.
Facebook hat nach eigenen Angaben gut zehn Millionen Mitglieder in Deutschland - rechnerisch ist das etwa jeder achte Einwohner. Weltweit gibt es eine halbe Milliarde Facebook-Nutzer.
Die Auseinandersetzung um den "Freundefinder" ist nicht neu. So blockieren sich der Online-Konzern Google  und Facebook gegenseitig bei dem Adressimport. Mit Plänen für einen eigenen Kommunikationsdienst hatte Facebook jüngst für Furore gesorgt - die Ankündigung war auch als Angriff auf Googles E-Mail-Dienst Gmail gewertet worden.
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  • dpa, 29.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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