Der Werbetext auf der Internetseite klingt kaum ansprechender als ein Warnhinweis auf einer Zigarettenpackung. "Wir sehen das Buch als sehr problematisch an", heißt es. Und: "Die hier beschriebene Unterwerfung der Frau widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen." Weiter unten, wo sonst lobende Kritiken stehen, zitiert der Händler Verrisse, etwa den der Starautorin Stephenie Meyer. "Das ist wirklich nicht mein Genre, nicht mein Ding."
Der Auftritt mag wie eine Satire wirken, ist aber purer Ernst. So präsentiert Weltbild, der größte deutsche Onlinebuchhändler, den Roman "Shades of Grey - Geheimes Verlangen", Platz eins der Taschenbuch-Bestsellerliste. Was an den Eigentümern liegt: Die Verlagsgruppe gehört zwölf deutschen katholischen Bistümern, dem Verband der Diözesen und der Soldatenseelsorge Berlin.
Viele Bischöfe hatten sich an erotischen Büchern im Weltbild-Programm gestört. Der Händler stellte daher die Lieferung mehrerer Erotikromane von Nischenverlagen ein. Nun wirkt sich die restriktive Politik erstmals auch auf Mainstream-Titel von Großverlagen aus. "Shades of Grey" wird von der Bertelsmann -Tochter Random House verlegt. Der Medienkonzern ist indirekt auch FTD-Eigner.
Mit den Warnhinweisen riskiert Weltbild einen gravierenden Nachteil im Wettbewerb mit dem US-Handelsriesen Amazon . Die Trilogie "Shades of Grey" gilt in der Branche dieses Jahr als aussichtsreichster Umsatzbringer. Von den Erotikromanen der britischen Autorin E. L. James wurden weltweit bereits 20 Millionen Exemplare verkauft.
Offensichtlich wächst unter den Weltbild-Gesellschaftern der Unmut darüber, dass der Händler den Titel überhaupt anbietet. Dabei hatte die Kirche eigentlich beschlossen, sich weitgehend aus dem Geschäft herauszuhalten. Ursprünglich wollte sie Weltbild sogar verkaufen. Doch es fand sich kein Käufer, weshalb die Bischöfe beschlossen, das Unternehmen in eine Stiftung einzubringen, die keine Gewinne mehr an die Kirche abführen soll.
Ein vergleichsweise harmloses Buch hat Weltbild tatsächlich aus dem Programm genommen: das Teenager-Aufklärungssachbuch "Make Love". Dabei ist der Titel aus dem Verlag Rogner & Bernhard mehr als unverdächtig, Pornografie zu verbreiten. So kritisieren die Autoren ausführlich das in Pornofilmen vermittelte Bild von Sexualität. In dem Buch finde sich ein "verharmlosender Umgang mit dem Thema Abtreibung", heißt es bei Weltbild.