"Werbung in Blogs ist ein Thema, mit dem sich alle Werber beschäftigen müssen", sagt Petra Hermann von der Agentur Leven und Hermann in Köln. Die Internet-Tagebücher seien "den Kinderschuhen" entwachsen und zu einem Massenphänomen geworden. "Erwachsen sind sie allerdings noch nicht, eher pubertär", schränkt Werbefachfrau Hermann ein. Sicher sei, dass in Blogs geschaltete Werbung schon bald zu einer festen Größe werde. Seit kurzem hat der wohl bekannteste deutsche Blog, Bildblog.de, Werbung auf seiner Seite geschaltet. Bereits zuvor hatte unter anderem Spreeblick.de seine Domain für die Werbeindustrie geöffnet. Online-Tagebücher galten bislang als nicht vermarktbar, obwohl täglich neue entstehen. Schätzungen, wie viele Blogs weltweit geführt werden, gibt es nur vage. Allein die Suchmaschine Technorati zählt derzeit 28,5 Millionen gelistete Blogs, allein in Deutschland gibt es mehrere Zehntausend. 2004 legte das Werbeaufkommen in Online-Medien dem Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) zufolge im Vergleich zum Jahr 2003 um 10,2 Prozent auf 271 Mio. Euro zu. Allerdings rangiert Online-Werbung damit immer noch weit abgeschlagen hinter den konventionellen Werbeträgern wie Tageszeitungen, Fernsehen, Publikumszeitschriften und Anzeigenblättern, wo jeweils Milliardenbeträge in Werbung umgesetzt werden. Breites Spektrum Für "alles, was Konsumgut ist" könne in Blogs Werbung geschaltet werden, meint Werbeexpertin Hermann. Vor allem aber teure Produkte wie beispielsweise Autos, mit denen keine spontane Kaufentscheidung verbunden sei, könnten in den Internet-Tagebüchern beworben werden. Der Grund: Die Kommentare anderer Blogger könnten Kaufentscheidungen mit beeinflussen. Andere Experten gehen deutlich weiter und schreiben Blogs einen nahezu universellen Werbespielraum zu. "Blogs sind im Grunde genommen offen für jede Branche", sagt die PR-Managerin des Online-Dienstleisters Newsaktuell.de, Sandra Striegler. In speziellen Seminaren unterrichtet Newsaktuell.de über Grundlagen und Strategien von Blogs für die PR von Unternehmen. Vor allem eine an weiterführende Transaktionen wie das Herunterladen oder Bestellen von Produkten gekoppelte Werbung böte sich in Blogs an, sagt Stefanie Lüdecke von der Online-Vermarktungsgemeinschaft Quality Channel, die auch FTD Online vermarktet. "In den USA gibt es Blogs mit hohen fünfstelligen Umsätzen pro Monat", sagt Spreeblick-Gründer Johnny Haeusler. Deutschland allerdings ist von solchen Summen noch weit entfernt: Für deutsche Blogger handele es sich eher um ein "Taschengeld", sagt der ehemalige Punkmusiker Haeusler. Ungeliebte Anarchie Was für Werbestrategen das Zukunftsfeld schlechthin ist, bewertet der ZAW anders. "Die Vorstellung, dass sich aus Internet-Blogs ein Werbeträger entwickeln würde, muss man skeptisch sehen", sagt ZAW-Geschäftsführer Volker Nickel. Zwar sei Werbung via Bannerschaltung in Blogs möglich. Allerdings handele es sich bei Bloggern nicht um den typischen Querschnitt der Mediennutzer, der mit der Werbung erreicht werden soll. Vielmehr seien Blogger speziell an dem Thema interessiert, mit dem sich das jeweilige Forum beschäftige. Unternehmer, sagt Nickel, gingen das Thema Werbung in Blogs daher vorsichtig an. "Solange Blogs anarchischen Charakter haben, halten sich die Firmen zurück." Doch nicht nur manche Unternehmen, auch der Deutsche Marketing-Verband, der sich laut Eigendarstellung die "Verbreitung des Marketingbewusstseins in Wirtschaft und Gesellschaft" auf die Fahnen geschrieben hat, geht bei Werbung in Blogs auf Distanz. "Wir fördern und verbreiten den Marketing-Gedanken nach innen und außen", heißt es zwar vollmundig auf der verbandseigenen Homepage. Auf Nachfrage von FTD Online, wie denn die Zukunft der Werbung in Blogs aussehen könnte, teilte der Verband lediglich mit, dass dazu keine Einschätzung abgegeben werden könne. Zum FTD-PodcastZu den FTD-BlogsFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.FTD-Bildschirmschoner - aktuelle Nachrichten und Aktienkurse direkt auf den PC.