Ausschnitt der Suchmaschine Google
Eine Gruppe von Werbekunden hat Klage vor einem Gericht im US-Bundesstaat Arkansas erhoben, berichtet das "Wall Street Journal". Das Verfahren wirft ein Schlaglicht auf ein in der Branche seit langem bekanntes Problem: Internetwerbung, die pro Klick abgerechnet wird, ist ein Einfallstor für Betrüger.
Die Suchmaschinenbetreiber sollen sich der Klage zufolge abgesprochen haben, um den Umfang des Problems zu verschleiern. Mit Hilfe von Software oder billigen Arbeitskräften lassen sich die Klicks auf Anzeigen leicht fabrizieren - etwa um das Werbebudget eines Konkurrenten zu verringern oder aber die Werbeeinnahmen einer Website zu mehren, die Provision für die Verbreitung von Suchmaschinen-Anzeigen erhält.
Google hat im zuletzt berichteten Quartal 77 Prozent der Einnahmen außerhalb der eigenen Suchmaschine als Umsatzbeteiligung an Partner-Websites wie
T-Online ausgezahlt, zwischen Oktober und Dezember insgesamt 377 Mio. $.
"Wir haben unseren Werbekunden regelmäßig Umsatz zurückerstattet, der auf Klickbetrug zurückzuführen war, und wir erwarten auch, dass das in Zukunft weiter der Fall sein wird", heißt es im Kapitel "Risiken" des Jahresberichtes 2004 von Google. Zum genauen Umfang des Problems schweigt sich der Marktführer allerdings aus. "Wenn wir Klickbetrug nicht entdecken, könnten wir das Vertrauen unserer Werbekunden verlieren", heißt es lediglich zu den möglichen Auswirkungen im Jahresbericht.
Das nun bekannt gewordene Verfahren, das bereits seit Februar läuft, könnte ein Indiz dafür sein, dass derzeit genau das passiert. Die Kläger streben eine Anerkennung als Sammelklage an, was die Kosten für die Suchmaschinenbetreiber drastisch in die Höhe treiben könnte.
Preise per Auktionsverfahren
Klickbetrug wird durch die stark steigenden Preise für Suchmaschinenwerbung derzeit immer attraktiver. Die Preise werden in einem Auktionsverfahren festgelegt: Je nach Suchbegriff zahlt zum Beispiel ein Kunde von
Yahoo bis zu 30 $, sobald ein Internetsurfer auf seine Anzeige klickt.
Solche hohen Umsätze lassen sich in den USA mit Anzeigen für den Suchbegriff "Mesothelioma" erzielen. Das ist eine seltene Krebsart, die in Verbindung mit Asbestschäden auftritt; die Anzeigen werden vor allem von Anwaltskanzleien geschaltet, die sich um die lukrative Vertretung von Asbestopfern balgen.
5 Euro pro Klick
In Deutschland gehört "Krankenversicherung" mit rund 5 Euro pro Klick zu den am höchsten dotierten Suchbegriffen. Die große Masse der Suchbegriffe erzielt weit niedrigere Preise. Im derzeit laufenden Geschäftsjahr schlägt sich das wachsende Problem mit den Klickbetrügern wohl noch nicht nieder. Die Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass die Einnahmen durch Suchmaschinenwerbung bei Yahoo im ersten Quartal um 54 Prozent im Jahresvergleich gestiegen sind, und vermutet, dass Google noch stärker von diesem Wachstumstrend profitiert.