Natürlich kann man auch mit einem Laptop weiterhin im Wohnzimmer fernsehen - muss man aber nicht. Der Fernseher ist der Dinosaurier der Unterhaltungstechnik. Auch wenn die Hersteller ihre Geräte immer noch flacher, noch größer und noch höher auflösend entwickeln: Der Multifunktionschampion Laptop löst den Fernseher ab - nicht nur das Gerät, sondern auch seine Technologie und den Umgang mit ihm. Den letzten Zweiflern wird dies aufgegangen sein, als Steve Jobs auf der Macworld seinen Coup mit der Filmwirtschaft enthüllte: Mit "iTunes Movie Rental" lassen sich die Filme fast aller großen und wichtigen Hollywoodstudios ausleihen und auf dem Computer oder iPod ansehen. Das relativiert auch die Bedeutung des Formatsiegs der Blu-ray-Disc über HD-DVD. Wenn Filmdaten ohnehin bald über das Netz verteilt werden, braucht man sich über physische Formate keine Gedanken zu machen.
Wenn Sie keine Ahnung haben, wovon die Rede ist, sollten Sie mal wieder ins Zimmer Ihrer Kinder schauen. Bei den 3- bis 13-Jährigen sinkt der TV-Konsum seit Jahren - jener vor dem Fernseher, versteht sich. Lieber wenden sich die Jungseher ihrem Leitmedium Internet zu. Und schauen fern ohne Fernseher. "Die Unter-20-Jährigen haben eine Erosion der TV-Nutzung herbeigeführt", sagt der Medienforscher Sebastian Becker aus München. "Und dieser Trend geht auch nicht mehr weg."
An die 700 Digitalsender soll man sich heute im Netz anschauen können. Fast jeder Vierte zwischen 14 und 19 Jahren klickt regelmäßig Videos im Netz an. Bei einem rasant steigenden Angebot wird die Quote kaum mehr sinken. Denn die Vorteile des Web-TV liegen auf der Hand: Jeder macht sich sein eigenes Programm - wann und wo er will. Nichtlineares Fernsehen heißt das im Fachjargon.
Zeit also, endlich den Dinosaurier aus dem Wohnzimmer zu werfen. Die einfachste Alternative zum schwarzen Kasten ist kaum größer als ein USB-Stick. Eigentlich ist sie sogar genauso einer - bloß dass an ihm noch eine fingergroße Antenne hängt. Dieser DVB-T-Stick funktioniert wirklich kinderleicht: Stick einstecken, Software downloaden, Suchlauf aktivieren - und schon beginnen die Bilder auf dem Rechner zu laufen. Dieses terrestrische Digitalfernsehen funktioniert im Hotel genauso gut wie zu Hause, ist bequem und billig - DVB-T-Sticks kosten zwischen 30 und 120 Euro.
Ob und wie viele Sender Sie sehen können, hängt vom Standort ab. 2008 soll DVB-T deutschlandweit in Betrieb sein, zurzeit sind allerdings nur in den Ballungsräumen auch Sender jenseits von ARD & Co zu empfangen. Die unterschiedlichen DVB-T-Sticks variieren vor allem im Funktionsumfang ihrer Software.
Eins der wichtigsten Kriterien für nichtlineares Fernsehen erfüllen aber alle: Sendungen unabhängig von der Sendezeit anzuschauen - alle Sticks können wie ein Videorekorder aufzeichnen. Dazu muss der Rechner natürlich eingeschaltet und nicht zu schwach auf der Speicherbrust sein. Bei einem 90-minütigen Film fallen locker drei Gigabyte Daten an. Dafür ist das Fernsehbild schön scharf und ruckelt kaum. Wenn das Bild dann doch mal ausfällt, reicht es häufig, die Antenne etwas anders auszurichten.
Ihr TV-Gerät arbeitslos machen können Sie auch mit Onlinevideorekordern auf Websites wie Shift.tv, Onlinetvrecorder.com oder Save.tv. Diese zeichnen das Programm diverser Sender auf, darunter Arte, CNN, öffentlich-rechtliche und mehrere private. Groß ist das Fernsehbild, das als Stream oder Download daherkommt, allerdings nicht. Auf Vollbild gestellt, schaut es recht verpixelt aus. Registrierung ist Pflicht, aber einfach. Bequem über eine elektronische Programmzeitschrift oder, bei Save.tv, recht umständlich über die Tasten einer Videorekordergrafik wählen Sie Programm und Aufnahmezeit aus. Ganz ohne Wermutstropfen ist diese Art des Fernsehens allerdings nicht: Shift.tv gibt es nur im Bezahlabo, die anderen Anbieter beschränken die Aufnahme auf eine bestimmte Datenmenge oder reihen neue Nutzer in Warteschlangen ein. Was sich umgehen lässt, indem man "Download-Slots" kauft. Und wer seine Filme besser verwalten will, dem wird eine spezielle Software zum Kauf angeboten. Die Zukunft solcher Onlinevideorekorder ist derzeit noch unklar: Einige TV-Sender klagen gegen sie.
Einen Schritt weiter auf dem Weg zum mobilen Fernsehen sind die Sender in den USA. Dort haben sich Medienriesen zusammengeschlossen und Onlineangebote gestartet, mit denen attraktive Serien und Kinofilme zu sehen sind - kostenlos. Die große Fernsehfreiheit entdeckt man auf Hulu.com und Abc.com. Leider nur für Nutzer, deren IP-Adresse sie als aus den USA zugreifend ausweist. In Deutschland lässt sich auf Software wie Zattoo, Miro oder Joost ausweichen. Zattoo spielt die TV-Signale von mehr als 20 Sendern übers Internet ab, noch stehen die öffentlich-rechtlichen aus. Vorteil: kostenlos. Nachteil: Bildgröße und -qualität lassen bislang zu wünschen übrig.
Bei Joost und seinen rund 300 meist englischsprachigen Kanälen schaut man da sehr viel besser. Sortiert ist Joost nicht nach Sendern, sondern nach Sparten wie Musik oder Entertainment - auch das ein Trend beim Web-TV. Allerdings fehlen noch die ganz großen TV- und Kinonamen. Bleibt Miro: Das Open Source-Programm ist Internetvideoplayer, RSS-Reader und Bit-Torrent-Client in einem. Er spielt verschiedene Videoformate in Vollbild und hoher Qualität ab und abonniert Postings von Portalen wie Youtube genauso wie Streams von ZDF, RTL oder 3sat. Dagegen sieht ein Fernseher dann wirklich aus wie aus der Kreidezeit der Unterhaltungsgeschichte.
| Guck mal! |
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| Ein Stick Freiheit ist der EyeTV DVB-T-Stick von Elgato für 50 Euro, www.elgato.com |
| Ueberallfernsehen.de zeigt, ob in Ihrer Region schon DVB-T-Fernsehen zu empfangen ist. |
| Shift.tv ist ein kostenpflichtiger, aber in der Bedienung komfortabler Onlinevideorekorder. |
| Zattoo.com bietet Software, mit der sich derzeit 21 deutsche und internationale TV-Sender als Livestream sehen lassen. |
| Joost.com enthält ein Programm, mit dem sich - meist englischsprachige - Videos, Serien und Cartoons anschauen lassen. |
| Getmiro.com hat als Internetvideoplayer eine Auswahl von mehr als 3000 kostenlosen Kanälen, darunter 300 deutschsprachige. |