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Merken   Drucken   22.09.2005, 08:00 Schriftgröße: AAA

Wie Pressesprecher ihren Auftrag verstehen  

Bis dato unbekannte Fakten zur beruflichen Situation von Pressesprechern in Deutschland liefert eine Studie der Universität Leipzig. Darin üben die Befragten harsche Kritik an der Arbeitsweise von Journalisten, aber auch an der eigenen Branche. von Jennifer Tiede, Hamburg
Der durchschnittliche Pressesprecher ist 40 Jahre alt, verdient monatlich 6370 Euro und arbeitet schon neun Jahre in seinem Job. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Leipzig im Auftrag des Bundesverbandes der deutschen Pressesprecher (BdP), die FTD Online vorliegt. Sie wird am Donnerstag im Rahmen des Kommunikationskongresses, einer internationalen Fachtagung für Presse und Öffentlichkeitsarbeit, in Berlin präsentiert.
Die Untersuchung macht auch ethische Grundhaltungen der Branche deutlich. 82 Prozent der Befragten stellten fest, dass Pressesprecher nicht lügen dürfen, nannten es aber gleichzeitig legitim, "gelegentlich bestimmte Sachverhalte zu verschweigen". 11 Prozent sagten rigoros, Pressesprecher dürfen nie lügen, wohingegen eine Minderheit von sechs Prozent "Lügen in bestimmten Situationen akzeptabel findet, zum Beispiel in solchen, in denen das kurzfristige Wohl des Arbeitgebers auf dem Spiel steht".
Ziel der Befragung unter mehr als 1600 BdP-Mitgliedern war es, das in der Öffentlichkeit oftmals diffuse Bild vom Beruf des Pressesprechers auszuleuchten. Ein Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit mit den Medien, die zu den zentralen Aufgaben einer Pressestelle zählt. Hintergrund ist, dass der Erfolg einer Kampagne davon abhängt, wie gut es gelingt, die Beziehungen zwischen Organisationen sowie Unternehmen und Pressevertretern zu gestalten und eigene Themen in den Medien zu platzieren. Im Zuge der anhaltenden Medienkrise gibt es gerade hier gravierende Veränderungen.
Journalisten werden abhängiger
Das schwache Anzeigengeschäft vieler Printmedien hat in den vergangenen Jahren zu starkem Personalabbau in den Redaktionen geführt. "Dadurch bleibt weniger Zeit für Eigenrecherche und die Abhängigkeit der Journalisten von Pressemitteilungen und andere Informationen aus Pressestellen der Organisationen steigt", sagt Professor Günter Bentele vom Lehrstuhl für Öffentlichkeitsarbeit/PR an der Universität Leipzig, der die Studie leitete. Der Einfluss der Public Relations habe sich verstärkt.

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