Kürzlich bezeichnete sich der frühere Broker Wales als geradezu "pathologisch optimistisch". Auch was er nun der "Süddeutschen Zeitung" über seine geplante Suchmaschine erzählte, klingt ambitioniert: "Wiki Search" soll eine neue Form von Suchportal sein, dem im Gegensatz zu Google kein intransparenter Algorithmus zu Grunde liege. "Die menschliche Urteilskraft ist im Zweifelsfall viel effektiver", meint Wales. Die Ergebnisse von Wiki Search will er deshalb nach dem Vorbild von Wikipedia durch eine Gemeinschaft von Nutzern bewerten und ordnen lassen.
Für sein Projekt hat Wales nach eigenen Angaben prominente Unterstützer gewonnen. Unter den Geldgebern für Wiki Search seien unter anderem der Internet-Händler Amazon und der Erfinder des Netscape-Browsers, Marc Andreesen. In einer ersten Runde habe man 4 Mio. $ Kapital eingesammelt. Die weitere Finanzierung des Protals über Werbung sei "der leichteste Teil des Geschäfts", sagte Wales.
Geld wird diesmal eine größere Rolle spielen als bei Wikipedia, das als gemeinnützige Stiftung organisiert ist. Wales, der sich 2006 von der Wikipedia-Leitung zurückzog, will das neue Suchportal als Teil seines gewinnorientierten Unternehmens Wikia entwickeln. Im kalifornischen San Mateo arbeiteten bereits 40 Festangestellte ausschließlich an Wiki Search. "Ich denke, dass wir gegen Ende des Jahres etwas ins Netz stellen können".
Gegenüber der "Süddeutschen" gab sich Wales idealistisch. "Eine offene Gesellschaft braucht Offenheit und Transparenz in ihren Institutionen", begründete er das geplante Bewertungsprinzip. Eine Beteiligung der Nutzer an den Einnahmen aus Wiki Search plant Wales aber offenbar nicht. In der Vergangenheit hatte er gesagt, Wikipedia kostenfrei anzubieten sei "entweder das Schlaueste oder Dümmste, was ich je gemacht habe".