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Merken   Drucken   21.09.2006, 07:00 Schriftgröße: AAA

Wirtschaftsliga: Das Phänomen Wikipedia

Die Aufmerksamkeit für die Neuerfindung des Internet als Web 2.0 hat "Wikipedia" unter die Top Ten der am meisten genannten Business-Begriffe in der Wirtschaftspresse katapultiert. Die Internet-Enzyklopädie ist eine Herausforderung für die Wirtschaft, denn noch verweigert sie sich der Kommerzialisierung. von Kai Beller
Die Top Ten der FTD-Wirtschaftsliga für August   Die Top Ten der FTD-Wirtschaftsliga für August
Der Begriff "Wikipedia" schaffte es in der Augustwertung auf Platz fünf. So stark war der Begriff bisher noch nie in der Rangliste vertreten. Für das Ranking wertet der Nachrichtendienstleister Factiva im Auftrag von FTD Online rund 150 Tageszeitungen, Magazine und Nachrichtenagenturen aus und ermittelte so die Top Ten der Business-Begriffe.
Der Erfolg von Wikipedia ist messbar. Im Ranking der am häufigsten aufgerufenen Web-Seiten im Internet rangiert die Seite auf Rang 17. Wer bei der Suchmaschine Google einen Begriff eingibt, erhält häufig als erstes Ergebnis einen Verweis auf einen Wikipedia-Artikel. Die englischsprachige Ausgabe umfasst bereits 1,3 Millionen Eintragungen.
Für die Wirtschaft bleibt Wikipedia trotzdem ein schwer fassbares Phänomen. Bisher verweigert sich das von unzähligen Freiwilligen getragene Projekt den Verlockungen des großen Geldes. Werbung kann auf den Wikipedia-Seiten nicht geschaltet werden. Auch als Geschäftsmodell taugt das Lexikon nicht, es wird ausschließlich aus Spenden finanziert.
Platz eins erneut für "Blog"
Da bieten Blogs ungleich größere Möglichkeiten. Der Begriff hält sich seit Monaten auf Platz eins des Rankings. Auch im August gab es wieder ein Plus. Für die Unternehmen ist die Blogosphäre Herausforderung und Chance zugleich, Medienhäuser empfinden die stetig wachsende Zahl der Blogger als Bedrohung. Werbung kann dagegen gezielt an den Blogger gebracht werden.
Mittlerweile haben die Online-Tagebücher auch die große Politik erreicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verbreitet jeden Samstag einen Videoblog über das Internet. Auch Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad verbreitet seine Ansichten per Blog übersetzt in mehrere Sprachen.
Gelungenen und misslungene "Turnarounds"
Den größten Zuwachs verbuchte im vergangenen Monat der Begriff "Turnaround". Die geglückte Kehrtwende taucht wieder verstärkt in der Wirtschaftspresse auf, nachdem der Begriff den ersten Platz an "Blog" abgeben musste. "Der Turnaround ist geschafft, wir erleben einen spürbaren Aufschwung", sagte beispielsweise der Chef des Fernsehgeräteherstellers Loewe, Reiner Hecker, Anfang August. Der Automobilhersteller General Motors wähnt sich immerhin auf dem richtigen Weg. Die Turnaround-Strategie funktioniere "derzeit großartig", sagte GM-Chef Fritz Henderson.
Dass so etwas nicht immer funktioniert, musste der Handyhersteller BenQ Mobile erfahren. Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr die Mobilfunksparte von Siemens übernommen hat, verschob die Kehrtwende auf Mitte 2007. Die Sanierung der Siemens-Hinterlassenschaft ist schwieriger als erwartet.
Weitere Informationen unter www.factiva.de
  • FTD.de, 21.09.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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