Der Name war vielleicht keine so gute Idee. "Airbnb - kein Mensch weiß, was das bedeuten soll", sagt Nathan Blecharczyk, der Mitbegründer der Online-Plattform, auf der Übernachtungsmöglichkeiten in Wohnungen gehandelt werden. Nicht einmal in seiner Heimat USA kämen die Leute darauf, wie sich die Wortschöpfung aus "Airbed" und "Bed and Breakfast" zusammensetzt, sagt er selbstkritisch. Für die Menschen mancher Regionen sei sie praktisch nicht auszusprechen.
Doch genau solche Kunden muss Blecharczyk nun von seinem Portal überzeugen. In Nordamerika und Europa hat Airbnb eine gewisse Popularität erlangt, Defizite gibt es in Asien: "Dort wird die Entwicklung am stärksten sein im kommenden Jahr."
Nach eigenen Angaben hat Airbnb zuletzt großes Wachstum gezeigt; zehn Millionen Übernachtungen habe die Plattform seit ihrer Gründung 2008 vermittelt, allein die Hälfte davon in den vergangenen fünf Monaten. Allerdings ist die Internetfirma unterwegs in einem Markt, der stark von den Launen der Nutzer abhängt und in dem die Konkurrenz groß ist - durch Wettbewerber wie etwa dem deutschen Startup Wimdu. Entsprechend wichtig sei es, schnell die Gebiete zu besetzen, die im Netz der Wohnbörsen bislang noch weiße Flecken sind, sagt Blecharczyk. Die Qualität der Seiten hänge stark mit der Zahl der Nutzer zusammen. Er ist sich sicher: "Langfristig wird sich nur einer durchsetzen."
Vor einem Jahr sammelte Airbnb rund 112 Mio. Dollar ein von verschiedenen Investoren - Geld, das für den Ausbau des Netzwerkes gebraucht wird. In 192 Ländern bietet die Firma nach eigener Auskunft Übernachtungsmöglichkeiten an. Entsprechend kompliziert ist es, den Service zu betreuen. Die Website muss überall flüssig laufen, die Rechtslage bei den Wohnungsvermittlungen ist in vielen Ländern unterschiedlich. Ebenso die Art, in der die Bezahlung abgewickelt werden soll. Deshalb wird der Kundenservice in mehr als 20 Sprachen angeboten. "Da kommt unglaublich viel zusammen", sagt Blecharczyk, "und es kostet sehr viel Geld."
Ein Börsengang ist da, zumindest kurzfristig, keine Option. Zumal sich Airbnb das Wachstum auch nicht zukaufen wolle durch Akquisitionen. "Gerade in Asien gibt es keinen großen Anbieter. Das ist ein ziemlich unberührtes Gebiet", so Blecharczyk.
Eine andere Option, das Geschäft auszubauen, wäre das Angebot neuer Dienste. Bei einem Besuch in Berlin übernachtete der Harvard-Absolvent Blecharczyk in einem Appartement in Prenzlauer Berg, einer Gegend mit vielen Cafés und Bars. "Schon jetzt empfehlen die Vermieter ihren Gästen Orte, die sie besuchen können, aber eher spontan", sagt der Gründer. "Wir aber können mehr machen, um diese Informationen zu organisieren." Airbnb wolle so den Nutzen des Portals verbessern und zugleich nicht zu kommerziell werden. Doch klar ist auch: Eine Funktion, über die Besucher Informationen über einen Stadtteil austauschen können, wäre interessant für Werbekunden.
Derzeit aber muss sich Airbnb gegenüber der Konkurrenz wie etwa Wimdu aus Deutschland behaupten, die nach eigenen Angaben seit der Gründung 2011 bereits mehr als eine Million Übernachtungen vermittelt haben. "Das Thema hat für uns an Relevanz verloren", sagt Blecharczyk zwar über den Wettbewerber. Deren Geschäft sei wenig nachhaltig, es sei ruhig geworden um Wimdu, die in Berlin sitzen. Dort sieht man das anders. "Öffentliche Kommentare von Mitbewerbern werten wir als Zeichen, dass wir ernst genommen werden", sagt Wimdu-Gründer Hinrich Dreiling. "Der Markt hat sehr viel Potenzial und bietet Chancen für alle."
Die Seite von Airbnb gibt es derzeit in rund einem Dutzend Sprachen, sagt Blecharczyk, weitere Versionen sollen demnächst online gehen. Im kommenden Jahr soll der asiatische Markt besetzt sein. Voraussetzung ist, dass die Kundschaft sich dort an die Aussprache von Airbnb gewöhnt. Immerhin: "Bis jetzt hat uns der Name nicht geschadet", meint der Gründer.