Im Gerangel um das Internetportal Yahoo haben sich die Manager der beteiligten Konzerne sowie externe Investoren dutzendfach zu Wort gemeldet - ein Protokoll. von Arndt Ohler (Hamburg)
"Wir betrachten dieses Angebot als den nächsten großen Meilenstein in der Transformation von Microsoft. Wir werden dieses Geschäft machen", Microsoft-Chef Steve Ballmer euphorisch am 1. Februar.
"Nach einer sorgfältigen Betrachtung glaubt das Board, dass Microsofts Angebot den Wert von Yahoo deutlich zu niedrig ansetzt": Yahoo ist am 11. Februar alles andere als begeistert von Ballmers Avancen.
"Wenn wir nicht in den kommenden drei Wochen eine Einigung erzielt haben, werden wir uns direkt an die Aktionäre wenden, inklusive einer Initiative, um eine alternative Kandidatenliste für das Yahoo-Board zu wählen", droht Ballmer am 7. April in einem Schreiben an den Yahoo-Verwaltungsrat nach etwa acht Wochen vergeblichen Werbens.
"Wir lehnen eine Transaktion mit Microsoft nicht ab, wenn sie im besten Interesse unserer Aktionäre ist", erwidern Yahoo-Mitgründer und -Chef Jerry Yang sowie Verwaltungsratschef Roy Bostock am gleichen Tag - dieser Satz wird zum unglaubwürdigen Mantra in den folgenden Wochen.
"Es ist sehr angenehm, mit ihnen zu arbeiten, und wir mögen sie sehr", resümiert Google-Chef Eric Schmidt am 9. April über den Test mit Yahoo beim Suchwortmarketing. Der Webkonzern ist im Kampf um die Macht im Internet der lachende Dritte.
"Ich weiß genau, wie viel mir Yahoo wert ist. Ich werde keinen Penny mehr ausgeben, und ich werde bis zu diesem Limit gehen, wenn der Deal dadurch perfekt gemacht werden kann.", sagt Steve Ballmer öffentlich am 1. Mai.
"Trotz unserer intensivsten Anstrengungen, inklusive der Erhöhung unseres Gebotes um rund 5 Mrd. $, hat sich Yahoo nicht dazu bewegen lassen, unsere Offerte zu akzeptieren", schreibt Steve Ballmer am 3. Mai. Dies ist scheinbar das Ende des Traums vom nächsten Schritt in der Transformation des Softwarekonzerns.
"Ich bin äußerst verärgert über Jerry Yang und das sogenannte unabhängige Board", sagt Gordon Crawford von Capital International, einer der großen Yahoo-Aktionäre, am 6. Mai.
"Es ist für mich klar, dass das Board of Directors von Yahoo irrational gehandelt hat und das Vertrauen der Anteilseigner und Microsofts verloren hat", schreibt Investor Carl Icahn am 15. Mai an Roy Bostock. "Meiner Meinung nach hat dies das aktuelle Board total verbockt", schreibt der Investor weiter in Bezug auf die Übernahmeverhandlungen. Icahn kündigt an, dass Aufsichtsgremium auswechseln zu wollen. Der Investor hatte zuvor im großen Stil Yahoo-Aktien gekauft.
"Wir denken nicht, dass es im besten Sinne der Yahoo-Anteilseigner ist, Ihnen und Ihren handverlesenen Kandidaten zu erlauben, die Kontrolle über Yahoo zu übernehmen für den ausdrücklichen Zweck, einen Verkauf von Yahoo an einen ehemaligen interessierten Käufer zu erzwingen, der öffentlich gesagt hat, dass er darüber hinweg ist", schreibt Yahoo am 15. Mai an Icahn.
"Microsoft erwägt und hat mit Yahoo Alternativen aufgeworfen, die eine Transaktion mit Yahoo beinhalten, aber nicht eine vollständige Akquisition von Yahoo", schreibt Microsoft in einer Pressemitteilung am 18. Mai. So ganz aufgeben will Ballmer seinen Traum noch nicht.
"Yahoo war nie eine Strategie, die wir verfolgt haben. Es war eine Möglichkeit, unser Geschäft bei Onlineanzeigen zu beschleunigen", sagte Steve Ballmer am 23. Mai auf einer Konferenz in Moskau.
"Ich blute Lila, und ich blute Yahoo", sagte Jerry Yang am 29. Mai in Anspielung auf Yahoos Unternehmensfarbe. Er wehrt sich damit gegen stetig wachsende Kritik.
"Ich bin erstaunt darüber, wie weit Jerry Yang und das Yahoo-Board gehen, um ihre Positionen zu sichern", schreibt Carl Icahn in einem Brief an Roy Bostock am 4. Juni
"Dein Brief verdreht ernsthaft und verfälscht die Fakten bezüglich der jüngsten Ereignisse bei Microsoft und Yahoo", schreibt Roy Bostock am 6. Juni an Carl Icahn.
"Roy, du bist es, der die Fakten verdreht und Details des Plans falsch darstellt", erwidert Carl Icahn. Er bezieht sich auf Yahoos Initiative, seinen Angestellten großzügige Abfindungen im Fall einer Übernahme zu gewähren.
"Wir Drängen Sie Jetzt Zu Handeln, Um Ihre Interessen Zu Wahren, Indem Sie Herrn Icahns Kandidatenliste Ablehnen. Carl Icahn Hat Keinen Glaubwürdigen Plan, Einen Mehrwert Zu Schaffen" - in Großbuchstaben wendet sich Yahoo am 9. Juni in einem Schreiben an die eigenen Aktionäre.
"Vertreter von Microsoft haben unisono mitgeteilt, dass Microsoft nicht an einer vollständigen Akquisition von Yahoo interessiert ist, nicht einmal zu dem Preis, den sie ursprünglich vorgeschlagen haben", schreibt Yahoo am 12. Juni und beendet damit vorläufig die Spekulationen.
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