Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), sprach am Donnerstag von einem "Skandal": "Es ist empörend, dass der Konzern den Verlagen ausgerechnet in deren Kernbereichen Konkurrenz machen will", sagte er der FTD. Fürstner will nun "alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten" prüfen - und sogar die Gründung eines eigenen Zustelldiensts.
Der Briefvorstand der Deutschen Post, Jürgen Gerdes, hatte in einem FTD-Interview angekündigt, dass das Unternehmen ein neues Wochenblatt in Millionenauflage plane. Anders als die Beilage "Einkauf Aktuell", die wöchentlich mit einer Auflage von fast 17 Millionen Stück erscheint, würde das Blatt auch redaktionelle Beiträge enthalten.
Die Artikel sind nötig, damit die neue Postille nicht als reines Reklameblatt gilt und - im Gegensatz zu "Einkauf Aktuell" - auch in die Briefkästen von Werbeverweigerern eingeworfen werden kann. Sie werden von Klaus Madzia zugeliefert werden, der früher für Holtzbrinck die Gratiszeitschriften "Extra" und "Business News" gestaltet hatte.
Laut VDZ-Geschäftsführer Fürstner greift die Post damit in den publizistischen Wettbewerb ein. Branchenvertreter zeigten sich zudem verärgert, dass sie aus der Presse von den Plänen erfahren hatten. Die Parteien sind Partner und Konkurrenten zugleich. Laut VDZ erwirtschaftet die Post mit den deutschen Verlagen jährlich 820 Mio. Euro Umsatz. Zudem arbeitet der Konzern in der Medienlogistik und im Vertrieb bereits mit Verlagen zusammen und ist ein wichtiger Anzeigenkunde.
In Bonn wies man die Kritik zurück: "Jürgen Gerdes hat mehr als deutlich gemacht, dass wir die Projekte gemeinsam mit den Verlagen und für die Verlage entwickeln wollen", sagte ein Sprecher der FTD.