04.11.2009, 14:44
Zukunft der Zeitung: Bezahlen Sie für diesen Inhalt?
Kommentar
Paid Content im Internet soll die Verlage retten, doch es fehlt an einem Konzept. Das verwundert nicht. Denn die Diskussion beruht auf dem Irrglauben, für Printinhalte werde gezahlt.
von Joachim Dreykluft
Der Heilsbringer heißt Rupert Murdoch. Als vor zwei Wochen in Liverpool 160 Zeitungs- und Onlinemenschen aus aller Welt zum Kongress der International Newsmedia Marketing Association zusammenkamen, hieß es zum Thema Bezahlinhalte fast einhellig: Wir würden gern. Nur wir wissen nicht, wie. Erst als einer der Referenten ein überlebensgroßes Bild des Gründers der News Corp. auf die Leinwände warf, ging ein Raunen durch die Reihen: Er weiß es. Hat er gesagt. Und wenn er es macht, machen wir es nach. Dann wird alles gut.
Rupert Murdoch
Mit seinem Vorstoß, Internetinhalte noch offensiver zu bepreisen, als er es heute schon beim "Wall Street Journal" tut, hat Murdoch eine Diskussion neu belebt, die Verleger weltweit seit gut zehn Jahren immer dann gern führen, wenn es ihnen in ihrem traditionellen Geschäft schlecht geht. Auch am Mittwoch, bei der Präsentation der Quartalszahlen, wird
News Corp. wieder gefragt werden, wie es weitergeht mit Paid Content. Und bei der Jahrespressekonferenz des Zeitschriftenverlegerverbands VDZ am Mittwoch dürfte das Thema ebenfalls eine Rolle spielen.
Die Diskussion beruht aber auf einem Irrglauben. Verleger und auch die allermeisten Journalisten sind fälschlicherweise davon überzeugt, dass ihre Leser tatsächlich für gedruckte Inhalte zahlen. Sie glauben, der Leser gebe Geld aus, weil er die Titelgeschichte interessant findet, die Reportage unterhaltsam und die Exklusivgeschichte ihm eine neue Sicht der Dinge ermöglicht.
Die Realität sieht anders aus
Nähern wir uns der Wirklichkeit. Am Beginn der Print-Verwertungskette steht Holz, hierzulande oft in Form gefällter skandinavischer Koniferen. Die werden zu Papier, und das wird in eine Druckerei gebracht. Das Interessante: Für viele Verlage beginnt bereits hier der Teil des Herstellungsprozesses, an dem sie Geld verdienen - weil ihnen die Druckerei gehört oder sie an ihr beteiligt sind. Das bedruckte Papier wird in Richtung Leser gebracht, entweder an die Haustür oder an einen für ihn erreichbaren Kiosk. Dafür bezahlt er Geld. Das können 2 Euro sein oder auch nur 60 Cent wie etwa für die "Bild"-Zeitung.
Am Anfang der Online-Verwertungskette steht Strom, um Datennetze und vor allem Server zu versorgen. Das macht nicht viel aus, aber immerhin. Mit diesem Strom betreiben Internet-Service-Provider Rechenzentren. Mit diesen und mithilfe von Datenleitungen, die in der Regel Telekommunikationskonzernen gehören, wird das Internet zum Nutzer gebracht. Der musste sich auf eigene Kosten Hardware anschaffen, um so auch journalistische Angebote im Internet nutzen zu können.
Kostenlos ist das alles nicht. Durch Verbindungsgebühren und Hardwareabschreibungen kommen schnell Summen um 40 Euro im Monat zusammen, bei mobiler Nutzung oft mehr. In vielen Haushalten ist das der größte Budgetposten für Mediennutzung, noch vor der GEZ-Gebühr und dem Zeitungsabo.
Teil 2: Ein Denkfehler treibt die Diskussion
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Aus der FTD vom 05.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland