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Merken   Drucken   26.01.2010, 08:01 Schriftgröße: AAA

Zukunft der Zeitung: Der Apfel der Erkenntnis

Kommentar Elektronische Lesegeräte wie Apples Tablet-Computer werden den Zeitschriftenmarkt umwälzen. Für Verlagshäuser ist das eine gewaltige Chance - wenn sie die jetzt nutzen. von Lutz Knappmann
Was für ein ernüchternder Auftritt: Ein Medienkongress in Frankfurt vor wenigen Tagen, auf dem Podium sitzen die Geschäftsführer großer deutscher Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Ihr Thema heißt: "Print wird digital". Es ist die Zukunftsfrage der Branche. Wie können Verlage ihr Geschäftsmodell ins digitale Zeitalter übertragen? Die Existenzfrage. Einer der Manager projiziert seine Antwort auf eine Leinwand: "Die Zukunft von Print liegt in Print."
Und niemand widerspricht.
Nicht ein einziges Mal fallen an diesem Nachmittag Begriffe wie E-Reader, Tablet-Computer oder Touchscreen. Niemand skizziert stolz die Bemühungen seines Hauses, neue elektronische Magazinformate zu entwickeln. Begeisterung für die Möglichkeiten der digitalen Realität ist nicht zu spüren.
Und das wenige Tage vor einer Produktpräsentation, die bei Medienschaffenden fast religiöse Fantasien auslöst: Am Mittwoch stellt der Computerkonzern Apple seinen Tablet-PC vor, einen zeitschriftengroßen Mobilcomputer mit farbigem, berührungsempfindlichem Display und Internetzugang.
E-Reading wird zum Massengeschäft
Das multimedial hochbegabte Lesegerät dürfte das Verlagswesen auf den Kopf stellen. Und falls Apples Vorstoß allein keine Lawine lostritt, werden es die unzähligen Konkurrenzgeräte tun, die schon kurz danach auf den Markt kommen werden. E-Reading wird ein Massengeschäft.
Doch die Zeitschriftenhäuser, die das existenziell betrifft, wirken beunruhigend unvorbereitet. Wer sich in der Verlagsszene umhört, stößt stets auf denselben Satz: "Wir beobachten die Entwicklung sehr genau." Fast erstaunlich, dass nicht auch noch die Frage folgt: "Ob wir darauf reagieren müssen?"
Es geht nicht um "müssen". Elektronische Lesegeräte eröffnen den Verlagen die Chance, neue Angebote und sogar einen neuen Markt mitzugestalten - und den Durchbruch für Bezahlmodelle im Internet zu erzielen.
Wo ist die Euphorie, etwas wirklich Neues ausprobieren zu dürfen? Und wo der Mut?
Bei der Entwicklung von Inhalten für Tablet-Lesegeräte können die Verlage ihr kreatives Potenzial ausschöpfen. Sie müssen es auch, denn um Leser zum Kauf von E-Magazinen zu animieren, wird es nicht reichen, den ohnehin vorhandenen Print-Content mit ein paar Mausklicks in eine Digitaldatei zu pressen. Die Verlage haben die Chance, eine völlig neue Mediengattung zu schaffen.

Teil 2: Sehnsucht nach Aufbruchsstimmung

  • Aus der FTD vom 26.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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