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Merken   Drucken   06.09.2005, 10:30 Schriftgröße: AAA

Großes Zaudern bei Umstellung auf IFRS   

Viele Mittelständler schrecken einer Studie zufolge vor der Umstellung auf den Bilanzierungsstandard IFRS zurück. Nicht einmal jeder zehnte Mittelständler bilanziert nach diesen Regeln. Zu Recht? Wann es sich lohnt, die Standards anzuwenden. von Doris Grass
Viele Mittelständler stehen der Umstellung auf IFRS skeptisch ...   Viele Mittelständler stehen der Umstellung auf IFRS skeptisch gegenüber
Der Mittelstand steht den Internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) weiterhin sehr skeptisch gegenüber: Nur acht Prozent bilanzieren bereits nach diesen Standards, und rund 80 Prozent wollen IFRS in naher Zukunft nicht anwenden, da für sie die Nachteile überwiegen. Das stellte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer Umfrage bei 600 mittelständischen Unternehmen fest. Für nicht am Kapitalmarkt engagierte kleine und mittlere Unternehmen ist die Anwendung von IFRS freiwillig. Häufig genannte Vorteile wie bessere Bonitätsbewertungen durch die Hausbank oder einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt können sie kaum feststellen.
Vor allem größere Mittelständler mit Umsätzen von mehr als 60 Mio. Euro im Jahr oder mit mehr als 50 Mitarbeitern sowie Firmen mit nennenswertem Auslandsgeschäft tendieren jedoch eher zur Bilanzierung nach IFRS. Sie führen als Vorteile die bessere Darstellung ihrer Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (47 Prozent) an, die dem Informationsbedarf der Geschäftsführer und der Gesellschafter zugute komme. Auch sei ein besserer Vergleich mit anderen Unternehmen aus der Branche möglich. Über ein Fünftel der Firmen sieht zudem Erleichterungen bei der in- und externen Berichterstattung, was den Informationsfluss zwischen Mutter- und Tochterunternehmen und die Analyse und damit die Unternehmenssteuerung verbessere.
Firmen versprechen sich Impulse für ihr Geschäft
"Dieser Vorteil spielt eine besondere Rolle angesichts der steigenden internationalen Verflechtung deutscher Unternehmen", sagt Axel Nitschke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Chefvolkswirt des DIHK. Immerhin 14 Prozent erwarten von der Umstellung der Rechnungslegung Impulse für die Internationalisierung ihres Geschäfts, unter anderem bei der Suche nach Partnern, aber auch bei einem möglichen Verkauf der Firma. Norbert Winkeljohann, PwC-Vorstand für den Mittelstandsbereich, nennt zudem Vorteile bei der Akquise größerer internationaler Aufträge. Großkonzerne wie etwa Autohersteller verlangen nach Feststellungen der Wirtschaftsprüferfirmen auch von ihren Zulieferern zunehmend eine Bilanzierung nach IFRS, weil sie mehr als die Bilanzierung nach deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) über die Solvenz und die Beständigkeit des Unternehmens aussagt.
Die Studie geht davon aus, dass eine freiwillige Anwendung von IFRS die Firmen dabei unterstützen wird, wenn sie externes Eigenkapital benötigen, auch wenn dieser Aspekt für die Unternehmen selbst derzeit keine große Rolle spielt. Für die Kapitalgeber seien internationale Vergleichbarkeit und realistische Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines kapitalsuchenden Unternehmens von hoher Bedeutung. IFRS führten gegenüber HGB zu einem "zeitgemäßeren bilanziellen Vermögensausweis und einem periodengerechteren Erfolgsausweis", heißt es in der Studie.
In Aussicht: abgespeckte Regeln für Mittelständler
Als größte Nachteile der IFRS nennen 79 Prozent der befragten Unternehmen den großen Umstellungs- und Folgeaufwand. So rechnen 57 Prozent mit externen Beratungskosten und 50 Prozent mit höheren internen Personalkosten. Für 48 Prozent sind die Vorschriften zu komplex. Letzteres falle beim Mittelstand wegen der jetzt schon hohen Bürokratiebelastung besonders stark ins Gewicht, sagt Nitschke. Ferner schrecke ab, dass die Unternehmen doppelt bilanzieren müssten. "Mangels konkreten Mehrwerts ist eine zusätzliche Bilanzierung nach IFRS für einen Großteil der Unternehmen abwegig." Probleme könnten etwa auch Personengesellschaften bekommen, weil sie plötzlich ohne Eigenkapital dastehen könnten. Die internationalen Bilanzregeln erkennen Gesellschafterkapital nicht als Eigenkapital an, wenn es einen Rückzahlungsanspruch gibt.
Zwar stellt das internationale Rechnungslegungsgremium IASB (International Accounting Standards Board) für Mitte 2006 abgespeckte Bilanzierungsregeln für kleine und mittlere Unternehmen in Aussicht, die 2008 in Kraft treten könnten. DIHK und PwC fordern aber, dass IFRS für den Mittelstand nicht zwingend vorgeschrieben werden dürfen. Winkeljohann hält bei der Überarbeitung der Bilanzregeln für kleine und mittlere Unternehmen vor allem materielle Ausweis- und Anhangserleichterungen für notwendig. Ansatz- und Bewertungsvereinfachungen dürfe es nur in Ausnahmefällen geben. Winkeljohann warnt jedoch vor zu umfangreichen Einschnitten. "Es stellt sich die Frage, ob es richtig ist, so weit in die IFRS zu Gunsten von kleinen und mittleren Unternehmen einzugreifen, weil dann die Ausweise zu unterschiedlich werden." Eine internationale Vergleichbarkeit müsse gewahrt bleiben.
  • FTD.de, 06.09.2005
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