FTD.de » Management + Karriere » Gründung » Discovergy - das Quartal von April bis Juni 2011

Merken   Drucken   05.08.2011, 13:00 Schriftgröße: AAA

Die Bilanzen der enable2start-Gründer: Discovergy - das Quartal von April bis Juni 2011

Der erste zahlende Kunde kommt aus Lübeck. Es ist ein Ärztezentrum, das 13 digitale Stromzähler installieren ließ. Die Erlöse daraus decken gerade mal ein Hundertstel der Kosten, die auf 100.000 Euro gestiegen sind. Allerdings: 16.125 Euro an weiteren Umsätzen sind bereits gesichert. von Thomas Clark
125 digitale Stromzähler konnte Discovergy bis zum 30. Juni installieren. Drei Monate zuvor waren es nur 59. Bei rund 40 Millionen Haushalten in Deutschland erscheint das zwar lächerlich wenig, doch Discovergy ist noch in der Aufbau- und Pilotphase. Darum haben die Gründer auch bisher keine Rechnungen an die bestehenden Kunden rausgeschickt. "In unserem Web-Portal, bei dem die Daten unseres Stromzählers für die Kunden analysiert werden, läuft der Tarif-Empfehler noch nicht", sagt Starzachers Gründerkollege Ralf Esser. Der ist jedoch vielen Kunden besonders wichtig. Also warten Starzache und Esser lieber mit dem Rechnungsversand bis die Funktion läuft.
Dass die 69 Euro Installationskosten sowie die 60 Euro Jahresgebühr formal gesehen trotzdem fällig sind, steht für die beiden Gründer außer Zweifel - womit 16.125 Euro zukünftiger Umsatz gesichert scheinen.
Nur das Ärztezentrum aus Lübeck hat bereits gezahlt. Dessen Verwaltungsgesellschaft ging es weniger um Vorschläge für günstigere Stromanbieter, sondern um die tatsächliche Analyse des Stromverbrauchs, der bei Radiologen beispielsweise sehr hoch ist.
Einnahmen:
April Keine
Mai Keine
Juni 1.162 Euro
Gesamt 1.162 Euro
Ausgaben:
April 50.201 Euro
Mai 25.827 Euro
Juni 24.584 Euro
Gesamt 100.612 Euro
Die Ausgaben von Discovergy sind auf über 100.000 Euro gestiegen. Mehr als 30.000 Euro davon sind Altlasten, wie es Esser nennt, also aufgelaufene Rechnungen aus dem ersten Quartal. Darunter beispielsweise eine Rechnung über 7.500 Euro für Designarbeiten, unter anderem für die Website des Startups.
Die Discovergy-Gründer Ralf Esser (l.) und Nikolaus Starzacher ...   Die Discovergy-Gründer Ralf Esser (l.) und Nikolaus Starzacher haben 500 digitael Stromzähler bestellt
Discovergy hat im Mai 500 neue Smart Meter bestellt. Dafür fielen 12.500 Euro an. Um die Daten an die IT von Discovergy zu übermitteln, wird ein Kommunikations-Modul auf die Stromzähler gesetzt. Das Übernimmt ein Dienstleister, der monatlich Rechnungen stellt. Im April, Mai und Juni beliefen sich diese auf insgesamt 7000 Euro.
Die größten externen Kosten verursacht jedoch der Aufbau eines Verwaltungsprogramms für die zukünftigen Kundendaten. Im Heidelberger Büro von Nikolaus Starzacher arbeiten häufig drei Mitarbeiter einer befreundeten Firma, die den Auftrag übernommen hat - für einen Tagessatz von 500 Euro pro Person. Im vergangenen Quartal kamen so 35.000 Euro zusammen.
Wenn Discovergy einen Kunden gewinnt, muss vorerst Kontakt zum zuständigen Stadtwerk aufgenommen werden, um grünes Licht für den Austausch des Zählers zu bekommen. Diese Freigabe ist - trotz Regulierung - oft mühsam. Starzacher und Esser haben eine externe Firma beauftragt - und zahlten dafür 4.325 Euro. Installiert werden die Zähler dann von Elektroinstallateuren. Discovery hat hier bislang fünf Partner, die zwischen 70-125 Euro pro Installation verlangen. Etwa 2000 Euro sind hierfür angefallen.
Discovergy vertreibt intelligente Stromzähler   Discovergy vertreibt intelligente Stromzähler
Außer einer 400-Euro-Bürokraft hat Discovergy keine festen Mitarbeiter. Starzacher und Esser selbst zahlen sich weiterhin keine Gehälter aus, sie leben von ihren Ersparnissen. Dafür gönnt sich Esser ein etwas größeres Büro in Aachen. Es kostet 790 Euro monatlich. Bei Starzacher in Heidelberg sollen in Zukunft die Techniker sitzen. Sein Büro ist folglich größer - und kostet knapp 1400 Euro pro Monat.
Die Kapitaldecke ist aufgrund der Ausgaben von 266.000 auf knapp 155.000 Euro gesunken. Der Schuldenstand blieb bei 302.000 Euro. Es ist das Privatgeld von Starzacher sowie von befreundeten Business Angeles, die es fünf Jahre lang an Discovergy leihen, verzinst mit 10 Prozent pro Jahr. Am Ende der Laufzeit können die Investoren entscheiden, ob sie das Geld zurück haben wollen oder die aufgelaufene Summe in Anteile an Discovergy umwandeln wollen.
  • FTD.de, 05.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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