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Merken   Drucken   30.05.2011, 06:00 Schriftgröße: AAA

enable2start 2010 - ein halbes Jahr später: Abotic - Die Lizenzgeber

Was wurde aus den Türöffnerfabrikanten aus Wien? Sie stehen kurz vor einem Vertragabschluss. Dann ist sicher: Abotic wird keine Türöffner produzieren - Abotic wird produzieren lassen. von Claus Hornung
Die Marketingmitarbeiter von Abotic haben es nicht leicht. Eigentlich wäre es ihre Auf­gabe, neue Kunden zu finden. Aber in den vergangenen Monaten bestand ihr Job vor allem darin, Kunden zu vertrösten. Pflegeheime, Krankenhäuser, Privatleute - wer auch immer anrief, um einen automatischen Türöffner zu bestellen, erhielt die Auskunft: "Es tut uns sehr leid, wir können noch nicht liefern."
"Das ist eine unangenehme Situation für uns", sagt Nick Manseder. Ein Grund zur Sorge ist es nicht. Im Gegenteil. Denn der Grund für die Verzögerung liegt darin, dass nicht das Startup selbst die Produktion für die Türöffner aufbauen wird. Das übernimmt ein weltweit operierendes Unternehmen für Sanitärartikel - als Lizenznehmer. Manseder und sein Mitgründer Albrecht Karlusch haben sich entschieden: Abotic will kein Gerätehersteller werden, sondern eine Ideenschmiede.
Zum ersten mal meldete sich ein Vertreter der Sanitärfirma Mitte 2010 bei Abotic - er war durch die enable2start-Berichterstattung auf das Start­up aufmerksam geworden. Im Herbst begannen die Verhandlungen. Damals sagte Karlusch: "Wenn das klappt, reden wir über Zigtausende Geräte pro Jahr."
Die Abotic-Gründer Nick Manseder (l.) und Albrecht Karlusch   Die Abotic-Gründer Nick Manseder (l.) und Albrecht Karlusch
Lange überlegten die Gründer, ob es das ist, was sie wollen. "Mit so einem Partner begibt man sich ja auch in Abhängigkeiten." Letztlich ging es um die Frage: Was können wir am besten? "Unsere Kernkompetenz ist einfach Forschung und Entwicklung", sagt Manseder.
Zudem hat der Verhandlungspartner Tausende Produkte im Angebot. Entsprechend groß ist das Netz an Lieferanten und Produzenten. Und das nutzt er nun auch beim Bau der Abotic-Türöffner. "Natürlich gibt es schon Einzelteile in anderen Produkten, die wir auch in unserem Türöffner verwenden können", sagt Mans­eder, "das bedeutet, dass wir viel günstiger einkaufen können." Erst einmal aber bedeutet es viel zusätzliche Arbeit für Abotic. Denn Mans­eder musste den eigentlich fertig ­entwickelten Türöffner nun so überarbeiten, dass diese Teile auch hineinpassen. Hier eine größere Buchse, dort ein kürzeres Schraubengewinde, da ein längerer Draht.
Obendrein entwickelte Manseder zusätzliche Funktionen und Komponenten. Denn statt mit einem Modell soll Abotic auf Wunsch des Lizenznehmers nun mit mehreren starten. "Das ist natürlich viel besser für den Markeintritt", sagt Manseder, "ohne einen Partner könnten wir uns das niemals leisten."
Die Überarbeitungen sind ein Grund dafür, dass die Produktion noch nicht angelaufen ist. Der andere Grund: Die Verträge sind noch nicht unterschrieben. Darum kann Manseder auch weder über Stückzahlen noch über einen Starttermin reden. Aber es gibt eine schriftliche Absichtserklärung. Und ein ausformuliertes 30-seitiges Vertragswerk. Abotic hatte darauf Karlusch und die Hausjuristin und einen weiteren Anwalt angesetzt. "Auf der anderen Seite waren es wohl noch ein paar mehr Anwälte", sagt Manseder. "So ein Lizenzvertrag ist eine komplizierte Sache." Auch weil Abotic sich das Recht gesichert hat, einen Teil der Geräte direkt zu vertreiben, ohne Lizenznehmer. "So gesehen sind wir doch kein reines Entwicklungsunternehmen."
Im Laufe des Mai, hofft Mans­eder, sind die Verträge unterschrieben. Dann können seine Marketingleute kaufwilligen Anrufern wieder genau­ere Auskünfte geben. Dass Kunden bis dahin verärgert abspringen, glaubt Manseder nicht. "Was wir produzieren, ist ja eine Weltneuheit. Dazu gibt es keine Alternative."
  • FTD.de, 30.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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