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Merken   Drucken   30.05.2011, 08:00 Schriftgröße: AAA

enable2start 2011 - ein halbes Jahr später: Yolk - harte Entscheidung

Was passierte bei den Anbietern der Zeiterfassungssoftware Mite? Die Umsätze wachsen weiter. Aber das Team hat sich verkleinert. Das Gründerduo trennte sich von Gregor Martynus von Claus Hornung
Die Anrede war ziemlich ungewöhnlich. Mitte April erhielt Julia Soergel von ihrer Steuerberaterin den Jahressteuerabschluss von Yolk für das Jahr 2010. Die ers­ten Worte im Anschreiben lauteten: "Ich gratuliere Ihnen!"
Mit gutem Grund. Jetzt ist amtlich, was Soergel schon vorher grob überschlagen hatte, aber nicht glauben konnte: Yolk hat im Jahr 2010 mehr als 200 000 Euro Gewinn erwirtschaftet. Dieses Jahr wird es wohl noch mehr werden, denn die Nutzerzahlen der Zeiterfassungssoftware Mite steigen weiterhin. Erst im Dezember hatte das Startup die Marke von 5000 zahlenden Kunden geknackt - gegenüber Januar 2010 eine glatte Verdoppelung. Ein halbes Jahr später sind es bereits 6000 Kunden.
"Es läuft prächtig", sagt Soergel. Und das nach wie vor nur über Mundpropaganda. Einen kurzen Moment lang hatten sie im vergangenen Sommer über Werbe- und Marketingkampagnen nachgedacht, weil die Umsätze stagnierten. Heute scheint das wie aus einer anderen Zeit. "Wir twittern etwas mehr als früher", sagt Soergel. Und gut. "Es bringt mehr, wenn wir unsere Zeit darauf verwenden, Mite zu verbessern."
Sie haben auch weniger Zeit. Denn seit Kurzem arbeiten Soergel und ihr Mitgründer Sebastian Munz wieder zu zweit. Irgendwie lief die Zusammenarbeit mit Gregor Martynus anders, als sie es sich erhofft hatten. Das sagten sie auch Martynus. Aber es fiel ihnen schwer, das "Irgendwie" zu definieren. "Es gibt nicht den einen entscheidenden Punkt." Aber viele klei­ne. In allen Bereichen, in denen Soergel und Munz jahrelang stets auf einer Linie waren: Programmierung, Design und Strategie. "Gut" sei die Zusammenarbeit gewesen, sagt Soergel. Gut genug für ein Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter.
Bild aus früheren Tagen: Die Gründer Julia Soergel und Sebastian ...   Bild aus früheren Tagen: Die Gründer Julia Soergel und Sebastian Munz mit Gregor Martynus (v.l.)
"Aber wir wollten jemanden, der auf Dauer ein gleichberechtigter Partner werden kann." Martynus hätte auch Gesellschafteranteile übernehmen sollen. "Wir hätten uns auf Jahre festgelegt", sagt Soergel. "Für diese Konstellation reicht es nicht, dass es gut läuft. Es muss sehr gut laufen."
Gemeinsam startete das Team ­einen letzten Versuch. Martynus bekam ein eigenes Projekt. "Wir dachten, dass wir ihm vielleicht nicht genug Raum gelassen hatten." Aber das verzögerte die Trennung nur. "Keiner von uns hatte das Gefühl, dass sich dadurch etwas Grundlegendes geändert hatte." Im März entschieden Soer­gel und Munz: Wir trennen uns.
"Das war hart. Wir mögen Gregor ja", sagt Soergel, "in so einer Chefrolle sind wir nie zuvor gewesen." Doch Martynus fing sich schnell und gründete nur wenige Wochen später ein eigenes Startup: Htmlexpress.de, einen Programmierservice für Designer.
Auch Soergel und Munz lernten aus dieser Erfahrung. Beim nächsten Mal werden sie darum wohl erst mal nach einem angestellten Mitarbeiter suchen, sagt Soergel. Möglicherweise eine Teilzeitkraft. Und ein gleich­berechtigter Partner? "Ich glaube, dass es Leute gibt, die diese Rolle ausfüllen können", sagt Soergel, "aber wir müssen uns vorher genau überlegen, ob es das ist, was wir wollen."
  • FTD.de, 30.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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