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Merken   Drucken   19.11.2009, 11:05 Schriftgröße: AAA

enable2start - die Sieger: And the winner is...

Gewonnen! Fünf Gründungsteams freuen sich über jeweils 50.000 Euro. Sie wurden aus 1086 Start-ups ausgewählt, die sich bei der FTD-Gründerinitiative enable2start beworben hatten. von Claus Hornung
Am Dienstagabend war das Zittern vorbei. An zwei Tagen hatten sich zwölf Gründerteams in Hamburg den Fragen einer hochkarätig besetzten Jury gestellt. Sie mussten erklären, wie die Pharmabranche funktioniert, warum ihre Software einfacher ist als andere, oder warum sie ein gerolltes Außengewinde besser ist als ein geschnittenes.
Gründerwettbewerb enable2start So war's beim Galaempfang
Alle wollten sie zu den fünf Siegern von enable2start gehören. 1086 Teams hatten sich bei der Gründerinitative, die die FTD und das Innovations- und Gründungszentrum UnternehmerTUM organisieren, beworben.
Den Siegern erhalten jeweils 50.000 Euro in bar. Und sie werden ein Jahr lang journalistisch begleitet. Täglich erscheint ein neuer Eintrag unter www.ftd.de/gruendung, monatlich berichtet das FTD-Unternehmermagazin über die Fortschritte der Gründer, und jedes Quartal erscheint dort eine große Reportage – inklusive einer Aufstellung der wichtigsten Geschäftszahlen der Gründer.
Die Preisträger des enable2start-Wettbewerbs 2009   Die Preisträger des enable2start-Wettbewerbs 2009
Jubeln durften am Ende diese fünf Teams: Silbertool, Latherm, Captcha Ad, Yolk und Abotic. Ein Preis, der allen Siegern blieb waren die Kontakte, die sie beim anschließenden Galaempfang knüpfen konnten. Zu den Gästen gehörten unter anderem Otto Schrader, der Chef der Otto Group, Conergy-Chef Dieter Ammer, die Internetinvestoren Marc Samwer und Kolja Hebenstreit und der RWE-Vorstandschef Jürgen Grossmann.
Sollte man Ersatzteile kaufen, wenn es billiger ist, Dinge zu reparieren? Natürlich nicht - sagt jeder Unternehmer. Was, aber, wenn man etwas nicht reparieren kann, weil das passenden Werkzeug dafür fehlt?
Ein solcher Fall sind Außengewinde, etwa von Achsen oder auch Motorwellen. Zwei Arten gibt es, um diese Gewinde herzustellen: Das Rollen, auch Walzen genannt, und das Schneiden. Beim Schneiden geht - wie der Name vermuten lässt - Material verloren. Zudem wird das Material dabei geschwächt - das Gewinde kann schneller durchbrechen.
Beim Rollen hingegen wird das Metall nur in Form gebracht. Es geht kein Material verloren, stattdessen wird das Gewinde durch diesen Vorgang sogar zusätzlich gehärtet. Das Problem: Gerollte Außengewinde wurden bislang ausschließlich von Maschinen hergestellt. "Es gab kein Werkzeug, mit dem man die benötigte Kraft auf eine kleine Fläche konzentrieren konnte", sagt Christian Korth.
Silbertool-Gründer Christian Korth   Silbertool-Gründer Christian Korth
Die Folge: Geht Bootsbesitzern, Traktorfahrern oder Druckereibesitzern ein Außengewinde kaputt, müssen sie ein Ersatzteil besorgen. Schlimmer noch: Manchmal sind die beschädigten Teile fest mit anderen Bauteilen verbunden, so dass etwa gleich ein komplett neuer Motor her muss. "Bei einer Welle für den Elektromotor einer Druckmaschine kann das schon mal 1000 Euro" ausmachen, sagt Korth.
Das soll sich ändern. Mit dem Gerät Silbertool, benannt nach Korths Geschäftspartner Philipp Silberkuhl, der es erfunden hat. Damit kann jedermann von Hand kaputte Gewinde wieder in Form rollen (siehe Video). Zudem können Hersteller von Maschinen-Prototypen dafür einzelne passende Gewinde herstellen, für die sie sonst eigens eine Kleinserie bestellen müssten.
Das Geschäft mit Containern läuft ja eigentlich zurzeit eher schlecht. Aber Kai Petersen schreckt das nicht ab. Denn seine Container haben es in sich: Wärme nämlich.
Von der gebe es in Deutschland mehr als genug, sagt Petersen. Er hat ausgerechnet, dass in Deutschland jährlich Wärme im Gegenwert von rund 25 Mrd. Euro buchstäblich verblasen wird. Von einer der rund 4000 Bio-, Klärgas- oder Grubenanlagen. Oder von anderen Kraftwerken, in denen Verbrennungsprozesse ablaufen.
Latherm-Gründer Kai Petersen   Latherm-Gründer Kai Petersen
Andernorts könnte man günstige Wärme gut gebrauchen. Etwa in Freibädern, Kliniken oder auch Privathaushalten. Schließlich haben sich die Energiepreise seit 1998 praktisch verdoppelt.
Das Problem ist meist der Transport, meint Petersen. Denn der Bau von Leitungen, gerade in ländlichen Gebieten, lohne sich kaum. Auch wegen der Schwankungen bei der Wärmeproduktion: "Solange Industrieunternehmen keine 24-stündige Versorgung gewähren könnten, nimmt niemand das Risiko auf sich."
Darum packt Petersens Unternehmen Latherm die Wärme in Container. Dort wird sie gespeichert von Natriumacetat, oder einfacher ausgedrückt: Pökelsalz. Wie ein mobiles Wärmekraftwerk werden die Container am Einsatzort abgestellt und später wieder abgeholt. Das soll den Kunden rund 15 Prozent Kostenersparnis bringen, der Umwelt weniger Belastung und Latherm volle Auftragsbücher.
Das Schöne am Dasein als Freelancer ist, dass man sich seine Zeit frei einteilen kann. Das Schlechte am Dasein als Freelancer ist, dass man sich seine Zeit frei einteilen muss - nicht zuletzt, weil man Rechnungen schreibt, in denen aufgeführt ist, wie lang welcher Arbeitsschritt gedauert hat.
Dass das nicht immer ganz mit der Realität übereinstimmt, hat Julia Soergel festgestellt, als sie neben ihrem Druck- und Medientechnikstudium als Webdesignerin arbeitete. Denn wer trägt wirklich alle Konferenzen und alle Telefonate ein, die für einen Job notwendig waren, am besten inklusive Pausen? Soergels Excel-Tabelle jedenfalls war damit überfordert.
Yolk-Gründerin Julia Soergel   Yolk-Gründerin Julia Soergel
Und die Zeiterfassungstools, die es für solche Zwecke gab, waren Soergel alle zu umständlich. "Da muss man die Mitarbeiter dazu zwingen, sie zu nutzen, weil es niemand von selbst tut."
Also entwickelte sie als Diplomarbeit mit ihrem damaligen Studienkollegen Sebastian Munz zusammen selbst ein solches Tool: Mite. Eines, das wegen minimalistischer Symbole und Funktionen intuitiv zu bedienen ist. Ein Tool, das webbasiert ist, über mobile Endgeräte wie das iPhone funktioniert, und das Arbeitsverläufe grafisch darstellen kann.
Mite ermöglicht, anderen Zugriff auf den eigenen Accounts zu gewähren, um Projekte besser zu koordinieren. Und es wird durch die Anregungen der User weiter entwickelt. Auf deren Vorschlag hin wurde beispielsweise eine Stoppuhr-Funktion programmiert.
Aus der Diplomarbeit wurde 2008 die Firma Yolk. Deren Kunden können Mite über ein Abonnement-Modell nutzen. Soergel selbst nutzt Mite natürlich auch. "Die Arbeitsbelastung ist seitdem gleich geblieben", sagt sie, "aber jetzt weiß ich besser, für welche Aufgaben ich mehr Zeit einplanen muss."
Gar nicht so leicht, sich heutzutage auf einem Internetportal zu registrieren. Erstmal muss man diese Zahlen-Buchstaben-Kombination abschreiben. Ist ja auch sinnvoll – solche "Captchas" sollen schließlich sicherstellen, dass sich hier ein lebendiger Mensch anmeldet und nicht nur eine Software. Dumm nur, dass es mittlerweile Softwarelösungen gibt, die auch extrem verzerrte Buchstaben und Zahlen erkennen – und dass die Buchstaben und Zahlen darum inzwischen oft so verzerrt werden, dass echte Menschen sich nicht mehr sicher sind, ob sie gerade ein G oder eine 6 vor sich haben.
Captcha-Ad-Gründer Jan Hinrichs   Captcha-Ad-Gründer Jan Hinrichs
"Da muss sich was ändern", dachten sich Jan Hinrichs, Michael Keferstein und Thomas Zumtobel, als sie selbst wieder einmal vor einem solchen Captcha saßen: "Das müsste irgendwie interaktiv gestaltet werden." Etwa, indem der User ein Foto von einem Wagen mit einem Mercedesstern sieht und dann die Aufgabe folgt: "Nennen Sie die Automarke."
Genauso funktionieren die Captchas, die das Start-up Captcha Ad inzwischen entwickelt hat. Nach flashanimierten Bildern können sie inzwischen auch Videos mit solchen Fragen versehen. Und die sind nicht nur als Sicherheitsschranke einsetzbar, sondern auch für Werbung. Dort, wo User sich heute noch passiv von einem Werbeclip berieseln lassen - beispielsweise am Anfang eines Nachrichtenvideos -, haben sie bald die Möglichkeit, den Clip durch Beantworten einer Frage schnell zu beenden.
Obwohl der Clip kürzer sei, sei der Werbeeffekt dabei höher, meinen die Captcha-Ad-Macher. Denn um die Frage beantworten zu können, muss sich der User ja auf die beworbene Marke konzentrieren. Und Konzentration auf einen Werbeclip zu erzielen, ist ja auch gar nicht so leicht.
Manche Dinge scheinen so einfach. Eine Tür öffnen, beispielsweise: Klinke runter, Tür aufmachen, fertig.
Es sei denn, man sitzt im Rollstuhl. Dann fährt man nah an die Tür heran, drückt die Klinke, fährt in eine andere Position, um die Tür einen Spalt öffnen zu können, dann noch einen Spalt, und noch einen – jedes Mal verbunden mit einem Positionswechsel. Und nach dem Durchfahren beginnt das Spiel von vorn, schließlich muss man die Tür ja auch wieder verschließen.
Abotic-Gründer Nick Manseder   Abotic-Gründer Nick Manseder
Der Wiener Nick Manseder weiß, wie viel Aufwand das bedeutet, denn seine Mutter sitzt im Rollstuhl. Klar, es gibt Türen, die man automatisch öffnen kann. Aber dafür braucht man einen Elektriker, muss Leitungen verlegen – und viel Geld ausgeben.
Das will Manseder ändern. Sein Start-up Abotic hat einen automatischen Türöffner konstruiert, den jeder Laie innerhalb von Minuten an jeder regulären Tür anbringen kann. Und wieder entfernen – denn die einzige Befestigung besteht aus Tesastrips. Wird die Türklinke herunter gedrückt, erfassen Sensoren am kastenförmigen Öffner die Erschütterung. Bei richtiger Einstellung genügt bereits ein Händeklatschen, um die Erschütterung auszulösen. Zeitverzögert öffnet sich die Tür – und fällt automatisch nach einiger Zeit wieder ins Schloss.
Für rund 900 Euro pro Stück wollen Manseder und sein Team ihren Türöffner verkaufen. Pflegeheime und Krankenhäuser sind ebenso Zielgruppe wie Privathaushalte.
  • FTD.de, 19.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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