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Merken   Drucken   04.03.2010, 09:00 Schriftgröße: AAA

enable2start Gründertagebuch: Gucken, was geht - die 1. Quartalsreportage von Captcha-Ad

04.03.2010 - Captcha-Ad: Die Gründer haben viel auf dem Zettel. Sie wollen die Technik ausbauen, sie wollen in die USA. Und sie suchen Investoren. Na ja, vielleicht. von Claus Hornung
Zugegeben, dieser Mann ist etwas merkwürdig. Er trägt seine Haare blondiert, arbeitet als Modereporter, spricht einen merkwürdigen Akzent. Obendrein hat er ein Faible für rosafarbene Kaninchenkostüme und Anzüge, die komplett aus Kreppband bestehen. Dennoch: Jan Philipp Hinrichs macht gern Geschäfte mit ihm.
Die Gründer von Captcha-Ad: Michael Keferstein, Jan Philipp ...   Die Gründer von Captcha-Ad: Michael Keferstein, Jan Philipp Hinrichs und Thomas Zumtobel (v.l.)
Zumindest indirekt. Der extrovertierte Modereporter ist eine Kunstfigur. Er heißt Brüno und wurde vom britischen Komiker Sacha Baron Cohen erschaffen. Einen Film zu dieser Figur gibt's auch. Und den kann man inzwischen auf DVD und Blu-ray kaufen.
All diese Informationen kann man einem Video entnehmen, das seit Dezember auf vielen Internetportalen aufpoppt. Darin stellt sich Brüno vor. Gleichzeitig fragt ein eingeblendeter Schriftzug die User danach, wie der Mann im Klettanzug wohl heiße.
Wer den richtigen Namen eintippt, stoppt das Video. Und sorgt dafür, dass Geld auf dem Konto von Hinrichs' Unternehmen Captcha-Ad eingeht. Denn Captcha-Ad hat den Spot produziert. Genauer gesagt hat Captcha-Ad zwei Dinge eingefügt. Etwas Sichtbares: die Frage, die die User beantworten sollen. Und etwas Unsichtbares: einen Spamschutz.
AUSGABEN, EINNAHMEN, KAPITAL, SCHULDENSTAND
Hier steht die Bilanz von Captcha-Ad für November 2009 bis Januar 2010
Spamschutz heißt im Netz meist: Captchas. Kombinationen aus verzerrten Buchstaben oder Zahlen, die User beim Einloggen in Blogs oder Netzwerke eintippen müssen. Um zu verhindern, dass Spamsoftware die Seite überflutet.
Doch die Spamprogramme werden immer besser. Und die Captchas immer unleserlicher. So sehr, dass Menschen sie oft nicht mehr identifizieren können. "Da muss es etwas Besseres geben", denkt sich Hinrichs, als er vor zwei Jahren wieder mal genervt vor solchen Hieroglyphen sitzt. Und warum nicht das Ganze mit Werbung kombinieren? Schließlich suchen doch alle im Netz nach neuen Einnahmequellen.
Hinrichs sucht Partner. Er findet sie in Michael Keferstein, einem Finanzberater für Startups, und Thomas Zumtobel, Inhaber eines Unternehmens für Softwareentwicklung und -beratung. Ende 2008 steht das erste Captcha-Ad. Zunächst allerdings nur als Standbild. "Der Spamschutz funktionierte", sagt Hinrichs, "aber es sah noch nicht so gut aus."
Herkömmliche Captchas sind oft kaum noch zu entziffern   Herkömmliche Captchas sind oft kaum noch zu entziffern
Mit den ersten Videos zeigt sich, dass die Erfindung vor allem als Werbeform funktioniert. Im Sommer 2009 promotet der Filmkonzern Universal Pictures mit Captcha-Ads den DVD-Start des Sandalenepos "Gladiator". Hinrichs überzeugt die Betreiber eines großen Onlinegame-Portals, die Videos auf ihrer Seite einzusetzen. Mehrere Hunderttausend User klicken das Captcha-Ad an.
Universal Pictures ist mit den Ergebnissen zufrieden. Hinrichs auch. So kann es weitergehen. Künftig könnten die Videos überall im Netz auftauchen, sagt er. Dort, wo bislang Captchas als Eintrittsbarriere dienen. Oder am Anfang von Filmbeiträgen auf Nachrichtenportalen, wo bereits heute Werbevideos eingesetzt werden. Oder als Unterbrechung bei Onlinegames, wenn ein Nutzer eine höhere Stufe erreicht. Oder oder oder.
Der Weg dorthin ist kompliziert. Hinrichs' Baustelle Nummer eins sind Advertiser: Agenturen, die zentral die Werbung für mehrere Portale vermarkten. "Das sind die Türöffner", sagt er. Manchmal sind die Advertiser aber auch die Eigentümer von Portalen. Und manchmal vermarkten sie keine Internetseiten, sondern die Werbebudgets von Konzernen. Mit allen muss Hinrichs reden. Baustelle Nummer zwei sind die Portale selbst. Im Visier hat Hinrichs vor allem Verlage, soziale Netzwerke und die Betreiber von Onlinespielen. "Wenn die einem Vermarkter sagen, dass sie unbedingt Captcha-Ads wollen, hilft das natürlich."
Baustelle Nummer drei ist die Technik. Denn so ein Advertiser möchte nicht nur, dass die Werbung läuft. Er möchte Statistiken: Wie viele Nutzer gaben eine falsche Antwort ein? Wie lange brauchten sie, um ihre Antwort eintippten? Wie viele von ihnen kauften hinterher das Produkt? Alles Fragen, die die Captcha-Ad-Macher beantworten können. "Aber wir müssen uns oft noch dazwischenklemmen", sagt Hinrichs: "Das muss in Zukunft alles automatisch laufen." Und mehr Hardware sollte auch da sein, wenn Hinrichs neue Advertiser gewinnen kann. Das kostet.
Breite Brust: Preise und Rückmeldungen von Kunden bestärken die ...   Breite Brust: Preise und Rückmeldungen von Kunden bestärken die Gründer in ihrer Idee. Darum wollen sie bald in die USA
Darum hat Hinrichs jetzt Baustelle vier eröffnet: die Investorensuche. Die sollte eigentlich nicht vor dem zweiten Quartal beginnen. Je später man Geld aufnimmt, desto besser die Verhandlungsposition - so die erste Überlegung der Gründer.
Doch seit Anfang dieses Jahres planen sie anders. Wegen der IT-Aufrüstung. Und wegen des Mannes aus Amerika, der sie im Januar kontaktiert hat. Der ist ein erfolgreicher Gründer aus der IT-Branche und will dem Startup den Weg in den USA ebnen. "Dort ist die Akzeptanz für Werbung viel höher als in Deutschland", sagt Hinrichs: "Das ist eine Riesenchance für uns." Zudem melden sich von selbst gleich mehrere Venture-Capital-Geber bei Captcha-Ad. Mit ihnen wird Hinrichs sich treffen. Einfach mal hören, was sie so zu bieten haben. "Wir gehen das ganz entspannt an", sagt Hinrichs.
Kann er auch. Denn wenn man außer Acht lässt, dass die Gründer sich selbst weder Gehalt noch Fahrtkosten zahlen, schreibt Captcha-Ad seit Dezember operativ bereits schwarze Zahlen. Den Durchbruch brachte eine zweite ­Werbekampagne, die Universal Pictures für eine neue DVD buchte. Danke, Brüno.
Präsentations-Marathon für Jan Philipp Hinrichs. Am Montag ist Captcha-Ad auf dem Forum Unternehmertum in München mit einem Stand vertreten. Bereits am Nachmittag zuvor dürfen Hinrichs und seine Mitgründer ihr Start-up vor ausgewählten Unternehmern in einem Pitch vorstellen.
Und wenn man schon mal da ist, kann man ja noch ein paar Termine draufpacken. Also trifft Hinrichs um 10 Uhr einen potenziellen Kooperationspartner. Um 13 Uhr steht ein Termin mit einem Investor an.
Fehlt auch nichts? Jan Philipp Hinrichs arbeitet im Bonner Büro ...   Fehlt auch nichts? Jan Philipp Hinrichs arbeitet im Bonner Büro von Captcha-Ad an einer Präsentation
Alles Routine? Ja und Nein, meint Hinrichs. "Wenn man das öfters gemacht hat, ist man nicht mehr richtig nervös", sagt er. Einerseits. Andererseits änderten sich die Präsentationen jedes Mal. Nicht nur, weil sich die Zahlen und Meilensteine ständig änderten, sagt Hinrichs. So stand etwa der bald geplante Gang in die USA vor zwei Monaten noch nicht zur Debatte und auch bei der Technikentwicklung ist Captcha-Ad weiter als geplant.
Darüber hinaus aber erfordere jedes Gegenüber eine individuelle Präsentation, sagt Hinrichs: "Bei einem Pitch, wo Leute vor einem sitzen, erzählt man eine Story. Das muss emotionalisieren. Verschickt man eine Präsentation, muss man mehr erklären."
Und auch, was man erklären muss, ist jedes Mal etwas anders. "Investoren wollen etwas zur Technik erfahren. Und zu Finanzen: Wie hoch ist der Finanzierungsbedarf, welches sind die Meilensteine?" Anders sehe es bei Kooperationspartnern aus, beispielsweise Werbepartnern, sagt Hinrichs: "Die wollen wissen: Was muss ich dafür bezahlen, was habe ich davon?
Darum bastelt er bis zur letzten Sekunde an seinen Unterlagen. Schön getrennt.
Eigentlich ist es aufregend genug, vor einem potenziellen Investor seine Geschäftsidee zu präsentieren. Spannender wird es, wenn der Flieger, der einen zu dem Termin bringen soll, zweieinhalb Stunden Verspätung hat.
Captcha-Ad-Gründer Jan Philipp Hinrichs weiß seit vergangenem Freitag wie sich das anfühlt. An dem Tag hatte er zwei Termine in München vereinbart, um 14 und um 16 Uhr. Weil der Münchner Flughafen mit einem Schneechaos zu kämpfen hatte, landete sein Flieger aus Köln dort jedoch erst um 13.30 Uhr.
Richtig nervig wurde die Sache jedoch erst, weil Hinrichs im Anschluss ein paar Tage in München bleiben wollte und darum Gepäck aufgegeben hatte. Bis er seine Koffer auf dem Gepäckband in München erblickte, vergingen noch einmal zwei Stunden. "Keine Ahnung", was da los war", sagt er: "Die waren anscheinend völlig unterbesetzt."
Tauschen sich gern aus: Die Captcha-Ad-Gründer Jan Philipp ...   Tauschen sich gern aus: Die Captcha-Ad-Gründer Jan Philipp Hinrichs und Thomas Zumtobel (v.l.)
Geschadet hat es nichts. Denn Hinrichs hatte Vertreter. Beim späteren Termin präsentierte sein Mitgründer Thomas Zumtobel. Der saß zwar im gleichen Flieger, reiste aber nur mit Handgepäck. Beim ersten Termin des Tages saß jemand, der bald ebenfalls zum Captcha-Ad-Team gehören könnte. Der Amerikaner, der Captcha-Ad den Schritt in den US-Markt öffnen soll.
Mit ihm haben die Gründe mittlerweile einen Vertrag unterschrieben. Inhalt: In den nächsten Monaten soll der Partner eine Firma in den Staaten gründen und deren Geschäftsführer werden. "Die Idee ist, dass er auch ins Management unserer GmbH einsteigt", sagt Hinrichs. Ob die Idee umgesetzt werde, hänge davon ab, ob Captcha-Ad bestimmte Ziele erreicht. In den USA und auch in Deutschland, sagt Hinrichs: "Ein Punkt ist, ob wir eine Finanzierung erhalten."
Und das sieht gar nicht so schlecht aus. "Der Pitch in München ist gut gelaufen", sagt Hinrichs. Hat er jedenfalls gehört.
Jetzt wollen sie doch Geld. Wir erinnern uns: Anfang des Jahres hatten die Captcha-Ad-Gründer um Jan Philipp Hinrichs beschlossen, erst einmal kein Venture Capital (VC) einzutreiben. Denn umso mehr ein Start-up am Anfang steht, um so größer sind die Anteile, die Geldgeber im Gegenzug für ihre Investition einfordern.
Inzwischen haben es sich die drei Geschäftsführer anders überlegt. Teilweise. Zum einen liegt das daran, dass sich VC-Geber von ganz allein bei dem Team gemeldet haben. Zum anderen, weil zumindest die IT in den nächsten Monaten ziemlich viel Geld verschlingen könnte, sagt Hinrichs.
Hätten Sie was für uns? Die Captcha-Ad-Gründer Jan Philipp ...   Hätten Sie was für uns? Die Captcha-Ad-Gründer Jan Philipp Hinrichs, Michael Keferstein und Thomas Zumtobel (v.l.)
Denn um mehr Werbekampagnen starten zu können, braucht man eine Technik, die mit der von unterschiedlichen Werbepartnern kompatibel ist. Dafür wiederum brauche man Experten, sagt Hinrichs: "Es gibt ja regelrechte IT-Sprachen. Also braucht man Leute, die auf die jeweilige Sprache spezialisiert sind." Und man braucht Hardware. "Wenn wir ganz viele Kampagnen ausliefern, reicht nicht mehr ein Server", sagt Hinrichs, "dann brauchen wir eine Serverfarm.
Beides gibt es nicht umsonst. Darum heißt die Devise jetzt: Geld ja, aber erstmal nicht ganz so viel. Darum traf sich sein Mitgründer Thomas Zumtobel vergangene Woche mit potenziellen Kapitalgebern in der Schweiz. Hinrichs selbst wird kommende Woche bei deutschen Geldgebern präsentieren. Welche Investitionssummen genau im neu erstellen Businessplan stehen, will er nicht sagen. Nur, dass es "ein paar hunderttausend Euro" sind. Kommt ja auch darauf an, was die andere Seite so anbietet.
Captcha-Ad will bald mit der Expansion in die USA beginnen. Wie ist der Stand der Dinge?
Wir sind in fortgeschrittenen Verhandlungen mit unserem Kooperationspartner für den US-Markt und haben schon die ersten Gespräche mit einigen der wichtigsten Zielkunden in den USA geführt. Im Prinzip sind wir uns schon einig. Jetzt gilt es noch, die letzte vertragliche Details zu klären und die Strategie beziehungsweise Roadmap abschließend festzuhalten, damit wir gemeinsam in den USA erfolgreich loslegen können. Das ist für Captcha-Ad eine Riesenchance.
Was war die größte Überraschung im vergangenen Januar?
Dass wir mit unserer Technologie doch schon deutlich weiter sind als noch vor einem Monat. Wir entwickeln natürlich weiter und wollen in den nächsten Wochen sukzessive neue Tools und Auswertungsmöglichkeiten integrieren, damit wir in Zukunft Werbekampagnen noch schneller und einfacher ausliefern können.
Und natürlich das Thomas Zumtobel Vater geworden ist. Das freut uns sehr, ist allerdings nicht ganz so überraschend für uns gewesen.
Die Gründer von Captcha-Ad: Michael Keferstein, Jan Phillip ...   Die Gründer von Captcha-Ad: Michael Keferstein, Jan Phillip Hinrichs und Thomas Zumtobel (v.l.)
Gab es auch Niederlagen?
Richtige Niederlagen nicht, nur dass sich die Gespräche mit potenziellen Kooperationspartnern teilweise in die Länge ziehen. Das muss man einfach mit einplanen, tun wir auch, aber man wird immer wieder neu überrascht.
Was ist die größte Herausforderung im kommenden Monat?
Unsere Technik nach Plan weiterzuentwickeln, neue Advertiser und Kampagnen und Webseiten für Captcha-Ad begeistern und den angedachten US-Deal inklusive der Gründung einer US-Tochtergesellschaft abzuschließen. Es wird sehr spannend.
Die Antworten gab Jan Philipp Hinrichs, Gründer von Captcha-Ad
Die enable2start-Sieger stellen ein. Während die Yolk-Gründer gerade erst grundsätzlich entschieden haben, dass sie ihr Team erweitern wollen, hat Captcha-Ad-Gründer Jan Philipp Hinrichs bereits die ersten Stellenausschreibungen verteilt.
Seit einigen Tagen hängen die Zettel an den Schwarzen Brettern der Uni Köln, weitere Hochschulen in der Umgebung sollen folgen. Falls nötig, will Hinrichs auch im Internet suchen, etwa über Xing.
Seine Wunschliste ist lang. Der Neue (der natürlich auch die Neue sein könnte) sollte BWL, VWL oder Wirtschaftsinformatik studiert haben. Oder Wirtschaftsingenieurwesen, dann bitteschön mit Schwerpunkt Handel, Vertrieb oder Marketing. Obendrein sollte er ein "strukturiertes extrovertiertes verbindliches Auftreten" an den Tag legen, aber auch ein "neugieriger Querdenker mit offenen Augen und Ohren" sein - um nur ein paar der Anforderungen zu nennen. "Wir suchen eine eierlegende Wollmilchsau", sagt Hinrichs Mitgründer Michael Keferstein grinsend: "im Ernst: es muss natürlich jedes Detail erfüllt werden."
Hier wäre noch Platz: Rechner im Bonner Büro von Captcha-Ad   Hier wäre noch Platz: Rechner im Bonner Büro von Captcha-Ad
Dafür winkt ein "standardmäßiges Praktikantengehalt" - umgerechnet einige hundert Euro im Monat. Obendrein gibt es die Option auf eine spätere Festanstellung. "Falls es funktioniert", sagt Hinrichs, "und, natürlich - falls Captcha-Ad funktioniert."
Ob und wie Captcha-Ad und sein gleichnamiges Produkt funktionieren, will auch das Internet-Magazin Internet World Business wissen. Durch eine Studie. Die soll unter anderem analysieren, wie viel User auf die Werbevideos mit integrierten Fragen klicken, wie viele von ihnen die Fragen beantworten und wie viele schließlich das beworbene Produkt kaufen.
Kaum etwas, was das Captcha-Ad nicht ohnehin beantworten könnte, gibt Hinrichs zu. "Aber diesmal ist es in Echtzeit". Obendrein wirkten Daten, die unabhängige Dritte ermittelt hätten, besser als selbst erhobene. Start ist mit Beginn der nächsten Werbekampagne. Dafür Captcha-Ad übrigens noch ein wenig Hilfe gebrauchen - wurde das schon erwähnt?
Jan Philipp Hinrichs will mehr. Mehr Geschäftsmodelle. Um mehr aus Captcha-Ad zu machen.
Bislang sieht das Geschäftsmodell des Start-ups so aus: Captcha-Ad produziert Werbevideos für Unternehmen, die etwas bewerben wollen (Advertiser), beispielsweise für Universal Pictures. Dann sucht Captcha-Ad über Agenturen (Vermarkter) Internetportale (Publisher), die diese Videos als Werbung und Spamschutz einsetzen wollen. Bezahlt wird vom Advertiser, abhängig von der Zahl der Klicks.
Drei Gründer, zwei Geschäftsmodelle: Jan Philipp Hinrichs, ...   Drei Gründer, zwei Geschäftsmodelle: Jan Philipp Hinrichs, Michael Keferstein und Thomas Zumtobel (v.l.)
Einfacher ist es natürlich, das Ganze in Lizenz zu vermarkten. Sprich: Internet-Vermarkter bezahlen Captcha-Ad dafür, die Technologie einzusetzen. "Das wäre ein zweites Standbein", sagt Hinrichs. Und darum sucht er jetzt passende Partner.
Zum einen spricht er gezielt Verlagshäuser an. Denn die haben teilweise ohnehin schon Nachrichtenseiten mit Videos, auf denen Werbung vorgeschaltet ist. Zum anderen gibt es bereits die Anfrage eines Unternehmens, das für Online-Plattformen Micropayment-Systeme anbietet. Möglich sind beispielsweise auch Lösungen, bei denen sich ein User aussuchen kann, ob er für Paid Content nicht in Geld bezahlt, sondern sich ein Werbe-Video ansieht. Oder möglicherweise bald ein Captcha-Ad, sagt Hinrichs: "Die wollen gern ihr Portfolio erweitern." Ein zweites Standbein ist ja immer gut.
Handarbeit war 2009. In der ersten Januarwoche schraubten die Gründer von Captcha-Ad an ihrer IT. Das Ziel: Kunden des Start-ups sollen leichter Werbung schalten können und unkomplizierter deren Wirkung verfolgen.
Das heißt konkret: Wenn ein Unternehmen über ein Captcha-Ad-Video werben wollte, ging das zunächst nur in dem Standard-Videoformat 496 Pixel mal 372 Pixel. "Abweichendes müssen wir per Hand machen", sagt Gründer Jan Philipp Hinrichs: "Das muss demnächst einen Automatismus haben." Und noch eine ganze Menge weiterer Automatismen kann sich Hinrichs vorstellen. Darum haben er und seine Mitgründer Thomas Zumtobel und Michael Keferstein Geld in die Hand genommen und entwickeln ihre Software in dieser Richtung weiter.
Erweitern ihr Team: Die Captcha-Ad-Gründer Jan Philipp Hinrichs, ...   Erweitern ihr Team: Die Captcha-Ad-Gründer Jan Philipp Hinrichs, Michael Keferstein und Thomas Zumtobel (v.l.)
Einen bedeutenden Fortschritt erzielten sie bereits in der vergangenen Woche. Seitdem kann der werbeschaltende "Advertiser" in Echtzeit verfolgen, wie lang User brauchen, um die Fragen zu beantworten, die in den Captcha-Ads gestellt werden, inklusive einer grafischen Darstellung. Bislang musste Captcha-Ad solche Daten in Reports zusammenstellen und dem Advertiser schicken.
Die verbesserte Technik soll auch auf neue Märkte vorbereiten. So wie die USA, wo ein erfolgreicher IT-Unternehmer Captcha-Ad vermarkten will.
"Das ist eine Riesenchance" sagt Hinrichs, "aber wenn man solche Leute an sich binden möchte, hat das natürlich seinen Preis." Anders ausgedrückt: Der potenzielle Partner möchte Anteile an Captcha-Ad. Kein Anliegen, welches Hinrichs und seine Mitgründer grundsätzlich ausschließen würden. Aber eines, das gut überdacht sein will.
Schließlich lässt sich bei einem so jungen Unternehmen schwer kalkulieren, wie hoch sein Marktwert in sechs Monaten oder in ein, zwei Jahren liegen könnte. Darum setzten sich die drei Gründer, ihre Mentoren und der potenzielle Partner zu einem mehrstündigen Gespräch zusammen. Mehrere Telefonate folgten. "In den nächsten Wochen wollen wir alles vertraglich festlegen", sagt Hinrichs.
Manchmal geht es aber auch ohne langfristige Verhandlungen. Schon am 10. Januar hätte sich Captcha-Ad um ein Mitglied vergrößert, sagt Hinrichs und grinst. An diesem Tag wurde Thomas Zumtobel Vater eines Sohnes.
Was war der größte Erfolg für Captcha-Ad im Dezember?
Die wachsende Akzeptanz der Captcha-Ads. Wir haben weitere Anfragen durch die Werbeindustrie für Kampagnen Anfang 2010 und dafür steigende Budgets in Aussicht. Zudem bewegt sich unsere Click-Through-Rate auf weiterhin sehr hohem Niveau.
Ein weiterer Erfolg war der zweite Platz beim Wettbewerb Start-up des Jahres 2009.
Viele Kampagnen, wenig Zeit: Gründer Jan Philipp Hinrichs   Viele Kampagnen, wenig Zeit: Gründer Jan Philipp Hinrichs
Was war die größte Überraschung?
Das Gespräch mit einem Partner, der uns eine potenzielle Perspektive auf dem amerikanischen Markt eröffnen könnte.
Dass wir im Augenblick eine verkehrte Welt erleben, weil sich jetzt Investoren teilweise von sich aus bei uns melden.
Und ein massives Medienecho ohne aktive PR, aufgrund des Gewinns bei enable2start und des zweiten Platzes beim Wettbewerb Ibtec.
Gab es auch Niederlagen?
Der Kampf gegen die Zeit. Die Werbeindustrie macht schon in der dritten Dezemberwoche Urlaub.
Was ist die größte Herausforderung im kommenden Monat?
Unsere Technik an die größten Agenturen und deren Budgetplanungen anzupassen.
Weitere Herausforderung ist, eine Strategie für 2010 zu entwickeln. Dazu gehören Fragen wie: Venture Capital oder Business Angels? und: Festangestellte oder Praktikanten?
Die Antworten gab Jan Philipp Hinrichs, Gründer von Captcha-Ad
Strategietreffen bei Captcha-Ad. Vergangene Wochen plante Jan Philipp Hinrichs mit seinen Mitgründern Thomas Zumtobel und Michael Keferstein das Jahr 2010. Dabei ging es auch ums Geld. Mindestens 300.000 bis 500.000 Euro wollen sie einholen. Ursprünglich sollte es deshalb um die Frage gehen: Wo besorgen wir das Geld - bei Business Angels oder Venture-Capital-Gebern? Jetzt lautet die Frage: Wann besorgen wir das Geld? Statt sich zu Jahresanfang schon um Investoren zu kümmern, will Hinrichs erst einmal mehr Werbekampagnen durchführen. "Wir wollen das erste Quartal Vollgas geben. Dann sind wir in einer besseren Verhandlungssituation."
Verschiebt die Investorensuche: Gründer Jan Philipp Hinrichs   Verschiebt die Investorensuche: Gründer Jan Philipp Hinrichs
Befeuert wurde die Vollgas-Planung durch positive Entwicklungen der vergangenen Wochen. Nach dem Sieg bei enable2start und einem zweiten Platz beim internationalen Wettbewerb Ibtec, meldeten sich von ganz allein Investoren. Zudem rief Hinrichs auch ein erfolgreicher IT-Gründer an, den er bereits flüchtig kannte. Der ist gebürtiger Amerikaner und sei in den Staaten bestens vernetzt, sagt Hinrichs. "Das ist für uns die Chance, jetzt auf den amerikanischen Markt zu gehen."
Gut sehen auch die Zahlen bei den laufenden Kampagnen aus. Die Click-Through-Rate liegt derzeit bei knapp ein Prozent. Das heißt: einer von 100 Usern, die Captcha-Videos sahen, beantworteten nicht nur die Frage, die darin gestellt wurde, sondern klickten auch auf einen Link, über den sie ein Produkt bestellen konnten – etwa die im Video beworbene Blu-ray-Disc. "Das ist ein richtig guter Wert", sagt Hinrichs.
Sein Mitgründer Zumtobel ließ sich durch das aktuelle Stimmungshoch zu einer Wette hinreißen – möglicherweise inspiriert von Mymuesli-Gründer Max Wittrock. Wenn Captcha-Ad 2010 mehr als eine Mio. Euro Umsatz erzielt, lässt er sich ein Tattoo mit dem Firmenschriftzug stechen. Und zwar so, dass er darauf sitzen kann. Hinrichs freut sich schon jetzt: "Da nageln wir ihn drauf fest."
Captcha-Ad tauscht aus. Ein muskelbepackter römischer Legionär räumt seinen Platz für einen schwulen Lifestyle-Reporter. Anders ausgedrückt: Captcha-Ad hat seine zweite Werbekampagne gestartet.
Bereits vor einigen Monaten überzeugte Gründer Jan Philipp Hinrichs den Filmkonzern Universal Pictures davon, die Werbeform auszuprobieren, die sein Start-up entwickelt hat: Videos, die der Zuschauer stoppen kann, indem er eine Frage beantwortet.
Als ersten Test schaltete Universal mehrere hunderttausend dieser Captcha-Ads im Internet, um den Blu-Ray-Start des Films Gladiator zu bewerben. Hinrichs kassierte die ersten Umsätze.
Und viel Lob von Universal: "Die fanden das richtig gut." Jetzt hofft er auf den gleichen Erfolg mit Videos zum Blu-Ray-Start von Brüno. Die laufen unter anderem auf der Schülerplattform Spickmich.
Will an die Werbeetats der großen Firmen: Gründer Jan Philipp ...   Will an die Werbeetats der großen Firmen: Gründer Jan Philipp Hinrichs
Noch richtet sich die Bezahlung dafür nach dem klassischen Tausender-Kontakt-Preis (TKP), das heißt: für jeweils tausend User, die das Video auf einem Portal anklickten, zahlt Universal Pictures einen bestimmten Preis. Den teilen Captcha-Ad und der Portalbetreiber untereinander auf.
Auf Dauer hofft Hinrichs, auch den von ihm selbst erfundenen TKPi durchsetzen. Mit einem i für Interaktion. Denn wer die im Werbespot gestellte Frage beantwortet, beschäftigte sich mit diesem ja mehr als der User, der sich nur berieseln lässt.
Für all das braucht es aber auch gute Kontakte zu Mediaagenturen und Vermarktungsgesellschaften. Denn die entscheiden darüber, wie die Werbeetats großer Firmen auf Fernsehen, Online, Print oder Radio verteilt werden. "Das sind die Türöffner."
Darum trafen Hinrichs und sein Mitgründer Michael Keferstein vergangene Woche in Köln Vertreter des Werbevermarkters IP, der unter anderem die RTL-Gruppe betreut. "Sehr positiv", sei das verlaufen, sagt Hinrichs. Einen weiteren Termin solle es schon in wenigen Wochen geben: "Bis dahin müssen wir noch technische Details klären. Das ist unsere Hausaufgabe."
  • FTD.de, 04.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 20.01.2010 17:21:57 Uhr   Ulrich: Gratulation an CaptchAd

    Hi JP,

    freut mich sehr, dass ihr den Preis gewonnen habt.

    Hoffentlich treten wir in eure Fußstapfen. Wir geben uns Mühe ;)

    LG Ulrich

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