Er hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber nach wochenlangen Überlegungen ist der Entschluss von Christian Korth nun endgültig: Er verlässt
Silbertool.
Mehr als ein Jahr hat er zusammen mit Philipp Silberkuhl, dem Erfinder des Silbertool-Gewinderollers das Unternehmen aufgebaut. Was also ist passiert? Haben die beiden sich zerstritten?
Nein" - sagen beide übereinstimmend. "Aber wir hatten verschiedene Ideen, wie es weitergehen sollte", sagt Korth. Und das betraf vor allem die Finanzierung. Klar ist, dass Silbertool bald Geld braucht. Denn anders als ursprünglich einmal geplant, macht das Unternehmen bislang kaum Umsätze.
Unterschiedliche Auffassungen: Philipp Silberkuhl und Christian Korth (v.l.)
Das liegt vor allem daran, dass der Prototyp, den Korth und Silberkuhl bereits im Frühjahr auf der Kölner Eisenwarenmesse präsentierten, überarbeitet werden musste. Weil die Führungsrolle nicht stabil genug war, experimentierte Silberkuhl über Monate, um ein besser geeignetes Material für dieses Bauteil zu finden.
Inzwischen hat er eine Lösung gefunden. Aber bis die ersten Einnahmen kommen, muss noch einiges passieren. Beispielsweise im Vertrieb. "Die Werkzeugbranche ist konservativ", sagt Silberkuhl. Kataloge und Messeauftritte reichten dafür nicht: "Man muss jeden Händler einzeln besuchen. Da verbringt man sein Leben auf der Straße."
Investor oder Bankkredit?
Ein Punkt, über den Korth zunehmend ins Nachdenken kam. "Ich hatte gedacht, dass das alles ein bisschen schneller geht", gibt er zu. Natürlich könnte man die Prozesse beschleunigen. Indem man beispielsweise hauptberufliche Vertriebsprofis engagiert. Auch das Marketing könnte man auslagern. Und man könnte versuchen, in mehreren Ländern gleichzeitig auf den Markt zu gehen. Aber um das zu finanzieren, bräuchte man einen Investor. Einen, der mehrere hunderttausend Euro mitbringt. Eben das schlug Korth Silberkuhl darum vor.
Der aber will nicht vom ursprünglichen Plan abweichen, Geld nur über Bankkredite aufzunehmen. Lieber langsam wachsen, als Anteile verkaufen, findet er: "Ich will nicht, dass ein Investor mich aus meinem eigenen Unternehmen wirft, sobald es gut läuft."
Korth begreift, dass es noch Jahre dauern könnte, bis aus Silbertool ein großes profitables Unternehmen wird. "Da habe mich gefragt: was möchte ich in den nächsten Jahren meines Lebens machen?", sagt er. Er spricht auch mit seinem früheren Arbeitgeber, einer Unternehmensberatung. "Die sagten, ich könne gern wieder bei ihnen anfangen."
Schließlich ringt er sich durch, auszusteigen. Silberkuhl ist überrascht: "Zwischendurch denkt man zwar mal an diese Möglichkeit, aber man nimmt es dann nicht ernst." Aber auf Dauer, sagt er, sei dies wohl der beste Weg: "Wir hätten uns sonst gegenseitig blockiert."